«Cargo Sous Terrain»

Warum der Schweizer Konsument von einer U-Bahn für Güter profitiert

Der Bundesrat hat sich bereit erklärt, ein unterirdisches Gütertransportsystem mit einem Spezialgesetz zu unterstützen. Peter Sutterlüti, Präsident und Delegierter des Fördervereins «Cargo Sous Terrain» erklärt, warum die Wirtschaft das Projekt braucht und was sie dem Schweizer Konsumenten für einen Nutzen bringt.

Herr Sutterlüti, sind Sie ein Fantast?

Peter Sutterlüti: Nein, ganz sicher nicht. Ich bin Realist und sehr pragmatisch veranlagt. Nach mehreren Vorstudien und einer Machbarkeitsstudie, die wir im Detail geröngt haben, kann ich mit Sicherheit sagen: Die Wirtschaft braucht das Projekt und es ist machbar. „Cargo sous terrain“ (CST) ist kein technischer Gag.

Der Bund attestiert dem Projekt lediglich einen «leicht positiven allgemeinen Nutzen». Enttäuscht Sie das?

Nicht wirklich. Es ist positiv, dass der Bund überhaupt einen volkswirtschaftlichen Nutzen feststellt. Wenn eine Infrastuktur von Privaten gebaut wird, ist es logisch, dass der Gewinn primär von diesen Investoren abgeschöpft wird und nicht direkt der Schweizer Bevölkerung zugute kommt. Was die Studie des Bundes aber nicht sagt, ist, dass die Bevölkerung praktisch gratis zu einer neuen Infrastruktur kommt. Das ist fantastisch.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.

Was hat der Konsument davon?

Er kommt schneller und einfacher zu seiner Ware. Das lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken, ist aber ein Geschenk an die Schweiz.

Der Zeitplan ist sehr ambitioniert: Sie wollen bis 2030 die erste Teilstrecke in Betrieb nehmen. Ist das nicht utopisch?

Der Zeitplan ist realistisch, aber mit gewissen Risiken behaftet – da haben Sie recht. Wichtig ist, dass das Spezialgesetz bis in zwei Jahren in Kraft tritt, was laut Bundesamt für Verkehr machbar ist. Der Planungszeitraum von fünf Jahren und auch die Zeit für den Bau selbst sind realistisch berechnet. Ich sehe da sogar noch etwas Luft.

Das ist eine mögliche Streckenführung für das unterirdische Gütertransportsystem Cargo sous terrain. Der Bundesrat will das Projekt nicht finanziell unterstützen, aber mit einem Gesetz. (Archiv)

Das ist eine mögliche Streckenführung für das unterirdische Gütertransportsystem Cargo sous terrain. Der Bundesrat will das Projekt nicht finanziell unterstützen, aber mit einem Gesetz. (Archiv)

Welche Stolpersteine bereiten Ihnen mehr Sorgen: Die National- und Ständeräte, die dem Gesetz noch im Weg stehen können, oder die 33 Milliarden, die Sie für das Projekt auftreiben müssen?

Ich habe keine Angst. Während eines solchen Vorhabens kommt es immer wieder zu Situationen, mit denen man nicht gerechnet hat. Dann muss man sich halt rasch umorientieren. Mit dem Entscheid des Bundesrates haben wir einen ersten Meilenstein erreicht, weitere müssen und werden folgen. Ich denke nicht, dass die Politik gegen das Gesetz mobil machen wird.

Regelmässig laufen bei grossen Infrastrukturprojekten wie etwa der Neat die Kosten aus dem Ruder. Warum geschieht das bei CST nicht?

Ich kann nur von der ersten Bauetappe zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich reden: Diese Strecke haben wir im Detail durch- und für Unvorhergesehenes sogar gewisse Reserven eingerechnet. Die Tunnelkosten fallen pro Kilometer mit Sicherheit geringer aus als bei der Neat: CST kommt nur etwa 20 Meter in den Untergrund. Dieser ist von den Geologen zudem gut erforscht. Unsere Züge fahren auch nicht mit Hochgeschwindigkeit, daher müssen wir nicht völlig gerade bohren, sondern können potenziellen Hindernissen ausweichen.

Wie viele Arbeitsplätze werden durch Ihr Projekt wegrationalisiert?

Diese Frage darf so nicht gestellt werden. Die Arbeitsplätze in der Logistik werden sich so oder so verändern. Wie CST dazu beiträgt, kann ich nicht genau sagen. Das Projekt bietet der Schweiz aber auch neue Chancen, um Arbeitsplätze zu schaffen, beispielsweise in Bereich des 3-D-Drucks. Wir bieten die Plattform, um den 3-D-Druck direkt an ein Logistikzentrum anzubinden. Das wäre für die Schweiz eine Riesenchance, um Arbeitsplätze in der Produktion aus dem Ausland zurückzuholen.

Ein zukunftsträchtiges Transportsystem wird auch für Menschen geplant:

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