Ende September hat der als «Carlos» (22) bekannt gewordene Straftäter die 18 Monate Gefängnis, zu denen er wegen eines Faustschlags verurteilt worden war, abgesessen. Trotzdem darf er das Gefängnis Lenzburg nicht verlassen. Der Grund: «Carlos» soll im Juni 2017 in der Justizvollzugsanstalt «Pöschwies» in Regensdorf (ZH) mehrere Aufseher angegriffen und einen Gefängnismitarbeiter gar spitalreif geschlagen haben. Über die Hintergründe der Tat ist offiziell nichts bekannt.

Nun meldet die NZZ – unter Berufung auf eine gut informierte Quelle –, dass «Carlos» in Sicherheitshaft hätte verlegt werden sollen. Ursache dafür sei eine geplante Attacke von anderen Häftlingen gegen ihn gewesen. Gegen diese Verlegung soll «Carlos» aufbegehrt haben.

Erst habe Carlos einen Stuhl an die Wand geworfen, beim Gerangel mit dem Wärter habe dieser dann jene Blessuren davongetragen, die eine Behandlung im Spital erfordert hätten, so die NZZ. Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich nimmt zu diesem Ablauf des Vorfalls keine Stellung.

Der Gefängnisaufenthalt im "Pöschwies" war die Folge eines Faustschlags: "Carlos" hatte im Frühjahr 2016 einen flüchtigen Bekannten aus der Kampfsportszene niedergestreckt.

Der Vater von "Carlos", ein Architekt, erhebt via NZZ Vorwürfe an die Justiz. Sein Sohn sei nicht gefährlich. Er reagiere nur, er agiere nicht. Man behandle ihn darüber hinaus unfair, verurteile ihn vor.

"Diskriminierend"

Tatsächlich hatte eine Administrativuntersuchung der Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr Anfang Jahr festgestellt, dass "Carlos" teilweise «objektiv diskriminierend und erniedrigend» behandelt worden war, nicht aber konventions- und verfassungswidrig. "Carlos" hat auf einer Matratze am Boden schlafen müssen, erhielt keine Unterwäsche und durfte auch keine Spaziergänge machen, nicht duschen und musste eine Fussfessel tragen. Die Massnahme hatte einen Grund: "Carlos" hatte seine Zelle verwüstet, die Toilette verstopft und unter Wasser gesetzt. Auch hat er gemäss Untersuchungsbericht Aufseher bedroht, beschimpft und bespuckt. Das war im Untersuchungsgefängnis Pfäffikon gewesen.

Das Untersuchungsergebnis hatte Konsequenzen: Der Leiter des Gefängnisses Pfäffikon musste gehen.

Auch im Jugendgefängnis Uitikon, wohin "Carlos" 2013 aus dem Gefängnis Limmattal verlegt worden war, hatte er auf sich aufmerksam gemacht: mit einem Hungerstreik. Auch damals hatte "Carlos'" Vater die Haftbedingungen kritisiert.

U-Haft in Lenzburg

Heute sitzt "Carlos" wegen des Streits in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies vom vergangenen Juni im Gefängnis Lenzburg ein. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hatte Untersuchungshaft beantragt. Dies ist gemäss NZZ seit mehreren Wochen der Fall. Untersuchungshaft bedeutet: Nur während einer Stunde pro Tag darf "Carlos" seine Zelle verlassen. Auch hier reklamiert "Carlos'" Vater Voreingenommenheit der Justiz gegenüber seinem Sohn, wie er der NZZ erklärt.

Dok-Film mit Folgen

"Carlos" – sein Name ist ein Pseudonym – wurde 2013 durch die SRF-Dokumentation über den mittlerweile pensionierten Jugendanwalt Hansueli Gürber bekannt. Dessen Sondersetting mit "Carlos" in Höhe von monatlich rund 29'000 Franken wurde zum Politikum. Der Fall kostete den damaligen Zürcher Justizdirektor Martin Graf (Grüne) die Wiederwahl. Zum Sondersetting wars gekommen, weil "Carlos" einen Mann in Zürich niedergestochen und schwer verletzt hatte. Seit dem Dok-Film ist es nie mehr ruhig geworden um "Carlos". (jk)