Milchmarkt

Warum Biomilch trotz Überproduktion so teuer ist, wie seit langem nicht mehr

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90 Rappen für einen Liter, das war letztmals vor neun Jahren so: Bauern bekommen mehr für ihre Biomilch, trotz einer Überproduktion – das hat seine Gründe.

Seit November 2008 bekamen Bauern nie mehr so viel Geld für ihre Biomilch: knapp 90 Rappen gibts für einen Liter. Der Grund für den Preisanstieg bei Biomilch soll eine gesteigerte Nachfrage bei einem beschränkten Angebot sein, wie das Bundesamt für Landwirtschaft mitteilte.

Die Zahlen zeigen: Tatsächlich wurde in den ersten neun Monaten 2017 mehr nachgefragt als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Nämlich 2,1 Prozent. Gleichzeitig stieg die Produktion. Zwar nicht gleich stark (+0,6 Prozent), doch wird zu viel Biomilch produziert, als am Markt abgesetzt werden kann.

173 691 Tonnen Biomilch wurden im Zeitraum Januar bis September in der Schweiz produziert. Davon sind 151 283 Tonnen auch tatsächlich zu Bioprodukten, sei es Käse, Milch oder Joghurt, verarbeitet worden. Rund ein Zehntel der produzierten Biomilch wird also als konventionelle Milch genutzt und nicht zu Bioprodukten verarbeitet. Das hat laut dem Marktanalysenteam des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) einen Grund: In gewissen Regionen (zum Beispiel in Sömmerungsgebieten) könne aus logistischen Gründen Biomilch nicht zu Bioprodukten verarbeitet werden, sagt ein Experte des BLW.

Das heisst, dass in einigen Gebieten der Schweiz zwar Biomilch produziert wird, aber dort weniger Nachfrage da ist. Daher werde diese Milch als konventionelle Milch verarbeitet, weil es sich nicht lohne, diese in andere Teile der Schweiz mit mehr Nachfrage zu bringen.

Der Markt spielt

Trotz der Überproduktion spiele der Markt bei Biomilch laut Branchenexperten. Das heisst, es werde nicht allzu viel mehr produziert, als tatsächlich abgesetzt werden kann. Vor allem im Sommer kommt es bei Biomilch zu einer Knappheit, weil weniger Milch produziert wird. Auch deshalb sei es nun zu einem Preisanstieg gekommen. Die Knappheit in den Sommermonaten wird teilweise mit Importen abgedeckt.

Der Biomilchmarkt ist offenbar attraktiv. Deshalb rechnet man bei Bio Suisse damit, dass bis 2019 deutlich mehr Biomilchproduzenten am Markt sind. Ein Engpass wird dann wohl der Vergangenheit angehören. Zudem wird die Milchmenge, die nicht zu Bioprodukten verarbeitet werden kann, ansteigen.

Der Preis ist nicht nur bei der Biomilch gestiegen. Auch für konventionelle Milch wird den Bauern mehr bezahlt. Seit Jahresanfang stieg der Preis um 7,5 Prozent auf über 65 Rappen pro Liter. Und auch in der EU ist in letzter Zeit der Preis stark angestiegen: plus 24 Prozent innerhalb eines Jahres. In Deutschland ist der Anstieg noch extremer: plus 70 Prozent seit Juni 2016.

Das bekommen auch die Konsumenten zu spüren. Denn Migros und Coop haben die Preise für gewisse Milchprodukte erhöht. So machte Coop in der letzten Woche publik, dass aufgrund steigender Preise einige Produkte mehr kosten werden. Bei der Migros heisst es, dass man mit höheren Preisen vonseiten der Hersteller konfrontiert sei. Diese gebe man konsequent an die Konsumenten weiter, sowohl bei Preiserhöhungen wie auch bei Preissenkungen. Dies gelte für konventionelle Milch wie auch für Biomilch.

Fast keine Butter mehr

Die Preiserhöhung bei konventioneller Schweizer Milch hat derweil auch mit der Situation im Ausland zu tun. Laut Stefan Kohler, Geschäftsführer der Schweizer Branchenorganisation Milch, sei dies ein Grund, wieso auch in der Schweiz höhere Milchpreise bezahlt werden. Zudem sei in der Schweiz weniger Milch produziert worden.

Das lässt sich am Butterberg relativ einfach feststellen. In der letzten Woche waren noch 259 Tonnen Butter in den Tiefkühllagern. Zur gleichen Zeit vor einem Jahr waren es 3000 Tonnen, 2015 3200 Tonnen. Diese Butterberge entstanden, weil zu viel Milch produziert wurde, ohne dass dafür eine Nachfrage bestand. Die Nachfrage nimmt in der Schweiz seit Jahrzehnten ab.

Einen Butterengpass wird es trotzdem nicht geben: Im November wurde 3 Prozent mehr Milch produziert als vor einem Jahr. Der Butterberg wächst also bald wieder. Trotzdem hat die tiefe Milchproduktion bei der konventionellen Milch unter dem Jahr die Verhandlungsposition der Bauern gestärkt, und sie konnten so höhere Preise mit den Abnehmern aushandeln.

In der EU geht man derweil davon aus, dass die Milchpreise für die Produzenten im nächsten Jahr wieder sinken werden. Ob dies auch in der Schweiz der Fall sein wird, ist schwierig abzuschätzen. Denn der Preis reagiert grundsätzlich träger als derjenige in der EU. Gegen oben, aber auch gegen unten.

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