SVP-Fraktionspräsident
Warum Adrian Amstutz weitaus die besten Wahlchancen hat

Die 62 Mitglieder der SVP-Bundesfraktion geben sich Mühe, der Wahl ihres neuen Präsidenten vom nächsten Samstag einen unberechenbaren Anstrich zu geben. «Es ist völlig offen, wer gewählt wird», antworten fast alle auf die Frage nach einer Prognose.

Lorenz Honegger
Merken
Drucken
Teilen
Sitznachbarn im Nationalratssaal: Die Nationalräte Christoph Blocher und Adrian Amstutz.KEY

Sitznachbarn im Nationalratssaal: Die Nationalräte Christoph Blocher und Adrian Amstutz.KEY

Nüchtern betrachtet hat nur einer der vier offiziellen Kandidaten eine reale Chance, als Nachfolger von Fraktionschef Caspar Baader gewählt zu werden: Adrian Amstutz, Nationalrat aus dem Kanton Bern, gelernter Maurer und Mitinhaber eines Architekturbüros. Seine forsche Ausdrucksweise, sein Hardliner-Image und sein für Politikerverhältnisse gutes Aussehen machen ihn in den Augen vieler zum idealen Aushängeschild für die Fraktion. In den letzten zwei Jahren stellte ihn die Parteispitze bei jeder Gelegenheit ins Rampenlicht, etwa als Kampagnenleiter der Ausschaffungsinitiative oder als Ständeratskandidat im Kanton Bern.

Dass sich alt Bundesrat Christoph Blocher bei seiner Rückkehr in den Nationalratssaal direkt neben den 58-Jährigen setzte, ist entscheidend. Denn obwohl Blocher seiner Partei
in den vergangenen Monaten fast unterunterbrochen Negativschlagzeilen bescherte und auch fraktionsintern viel Goodwill einbüsste, hat er immer noch mehr zu sagen als jeder andere – mit seiner Empfehlung dürfte Amstutz so gut wie gewählt sein.

Nur Stahl grenzt sich ab

Laut der stellvertretenden SVP-Generalsekretärin Silvia Bär erfolgt die Wahl vom Samstag anonym. Längere Hearings seien nicht vorgesehen. Spätestens am Mittag soll dann feststehen, wer neuer Fraktionschef wird. Die drei Kandidaten neben Amstutz müssten in den verbleibenden Tagen bis zum Samstag gewaltige Überzeugungsarbeit leisten, um sich gegen Amstutz durchzusetzen.

Der Aargauer Rechtsanwalt Luzi Stamm wie auch der Schwyzer Unternehmer Pirmin Schwander – beides Akademiker – stehen Amstutz politisch vermutlich zu nahe, um als echte Alternativen durchzugehen. Nationalrat Stamm sagt gegenüber der az, er könne seine eigenen Wahlchancen nur schwer einschätzen. «Ich halte es aber für nicht ausgeschlossen, dass Adrian Amstutz im ersten Wahlgang gewählt wird», sagt er.

Der Zürcher Nationalrat Jürg Stahl grenzt sich als einziger Kandidat offen vom Hardliner-Flügel seiner Partei ab. «Als neuen Fraktionspräsidenten braucht es jemanden, der auch mal zuhören kann», schrieb das Geschäftsleitungsmitglied einer Versicherung jüngst in einem Blog-Beitrag für das Online-Portal des «Tages-Anzeigers». Die «Kriegsrhetorik» seiner Parteikollegen sei «durch geschickte und differenzierte Verhandlungsführung» zu ersetzen.

Die Aussicht auf eine Neuausrichtung der Fraktion unter Stahl – weg von Blocher, hin zu moderateren Tönen – stösst manchenorts sogar auf Anklang. «Wir brauchen jemanden, der die Fronten nicht weiter verhärtet», sagt der Solothurner Nationalrat Roland Borer. «Jürg Stahl ist der richtige Kandidat. Er ist einer, der nicht gegen die Fraktionslinie politisiert, aber dennoch stets den richtigen Ton trifft.» Ob das ausreicht?

Herkunft spielt keine Rolle

Der Heimatkanton der Kandidaten wird bei der Besetzung des SVP-Fraktionspräsidiums nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auch das ist ein Vorteil für Amstutz: Die Zürcher SVP-Nationalräte beispielsweise werden ihre Stimme mehrheitlich ihm und nicht Stahl geben. «Adrian Amstutz hat bewiesen, dass er kriegstauglich ist», lobt Nationalrat Hans Fehr.