Hochwasser: Warnung per SMS und Mail
Warnung vor dem Hochwasser per SMS

Schwere Hochwasser seit 1994 und grosse Trockenheiten bilden die Grundlagen für das modernisierte Messnetz. Künftig schickt der Aargau im Ernstfall automatisch Alarme per Mail und SMS.

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Wenn sie denn funktioniert, beträgt die Vorwarnzeit bei extremen Hochwassern immerhin einige Stunden - vom Einfluss der Aare in den Aargau bis zu Mündung in den Rhein. Kurze Rückblende auf den 7. August 2007, das grösste Aare-Hochwasser mit verheerenden Schäden. Die 1325 Kubikmeter Wasser pro Sekunde genügen, um das Kraftwerk Rüchlig in Aarau ausser Kraft zu setzen, die Zurlindeninsel zu zerstören und Millionenschäden in zweistelliger Höhe zu verursachen.

Nicht für Privatpersonen

Der SMS-Dienst mit dem automatischen Hochwasseralarm ist für Behörden, Führungsstäbe und Feuerwehren vorgesehen, jedoch nicht für Privatpersonen. «Dies, um das System bei Hochwasser nicht zu überlasten und weil der administrative Aufwand dafür viel zu gross wäre», schreibt Projektleiter Stephan Suter. Jeder berechtigte Benützer müsse in das System eingetragen werden. Private verweist er auf diese Internet-Adressen: www.bafu.admin.ch/hydrologie. www.ag.ch/alg/de/pub/gewaesserdaten/aktuelles.php (Lü.)

Im Jahr 2010 abschliessen

Dem ersten Jahrhundert-Hochwasser 1994 folgte in den letzten zehn Jahren eine unheimliche Serie: 1999 mit Rekordstand des Rheins, 2005 mit Höchstpegel der Reuss und 2007 an der Aare. Dazwischen lagen die extremen Trockenheiten der Sommer von 2003 und 2006. Vor diesem Hintergrund hat die Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) «das Projekt Hydronet Argovia beschleunigt».

Laut Projektleiter Stephan Suter sind bis heute 19 von 32 Stationen automatisiert worden (siehe Karte), der Rest folgt 2010. Bereits in der Testphase befindet sich die Alarmfunktion ab Messstationen mit Absetzen von SMS, E-Mail und Fax. «Wir hoffen, dass wir per Ende 2009 in den operationellen Betrieb gehen können», so der Projektleiter. Schon heute sind Feuerwehrleute daran, die aktuellen Pegel- und Abflusswerte per SMS abzurufen und zu testen. Damit steht im Ernstfall eine rasche, präzise Information zur Verfügung.

Teils Bund und teils Kanton

Bei den Gewässern besteht eine Aufteilung zwischen dem Bund und den Kantonen, die Messstationen an Aare, Limmat, Rhein und Reuss sowie jene an Wigger, Murg und am Hallwilersee werden vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) gemanagt und im Internet laufend veröffentlicht. Nicht weniger als 244 000 Datensätze von 617 Stationen werden derzeit vom Bafu, vier Kantonen (AG, BS, LU, ZH) und Meteo Schweiz verwaltet.

Die Datenzentrale von Hydropro in Aarau fragt via vier analoge Telefonleitungen 32 Messstationen des Bundes und 18 des Kantons stündlich ab. Eine immense Datenmenge steht zur Verfügung: Pegelstand und Abflusswert, Temperatur, Niederschlag, Fliessgeschwindigkeit, pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Trübung des Wassers.

Wichtig für den Wasserbau

Die Frühwarnung und die Alarmierung sind nur zwei der vielen Ziele des Projekts Hydronet Argovia. Dazu kommen Konzepte für Hochwasserschutz und Renaturierungen, Berechnungen für Dämme, Freiborde bei Brücken, Abwasserleitungen, Inputs für die Gefahrenkarten, Dimensionierungen von Wasserkraftwerken und Restwassermengen. Ganz neu gehört dazu auch die Regulierung des Hallwilersees. «Dank den nötigen umfangreichen baulichen Erneuerungen ist es möglich, bei jedem Wasserstand sehr präzise Messungen durchzuführen», betont Projektleiter Suter.

Bei der Kläranlage Hallwilersee in Seengen zeigt er, was der Ausbau des Aabachs für die Messstation an Vorteilen bringt: Die Sohle ist tiefer gelegt, der Hochwasserschutz verbessert und auf maximal 12 Kubikmeter je Sekunde ausgebaut worden. Die für Fische unüberwindliche Rampe ist auf 70 Metern durch einen Blockwurf ersetzt worden. Das erlaubt den 23 Fischarten den Aufstieg in den Hallwilersee. «Viele Fische sind schlechte Schwimmer, weil sie sonst im See ohne Strömung leben und von dort hierher gekommen sind», versichert Stephan Suter rund 800 Meter unterhalb des Schlosses Hallwyl.

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