Vieles deute darauf hin, dass Bundesrat Moritz Leuenberger die Wahl Roger de Wecks an die SRG-Spitze gesteuert hat, berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer neuesten Ausgabe. Dies obwohl der Verwaltungsrat der SRG alleine für die Wahl zuständig ist. So habe sich Bundesrat Leuenberger mit De Weck im Zürcher Restaurant Schiffsbau getroffen. Danach habe er den später unterlegenen Publigroupe-Chef Hans-Peter Rohner anders als ursprünglich abgemacht gar nicht mehr treffen wollen. «Jetzt kommts gut», soll Leuenberger laut «SonntagsZeitung» in dieser Zeit verbreitet haben.

Anforderungsporofil geändert

Damals wurde auch das Anforderungsprofil an den künftigen SRG-Direktor geändert. Zunächst suchte der Verwaltungsrat einen klassischen Manager, «eine führungsstarke Persönlichkeit mit breit abgestützter betriebswirtschaftlicher Fachkompetenz». Anfang Mai kam dann die Korrektur. Der Verwaltungsrat änderte auf Initiative des vierköpfigen Findungsausschusses und nach interner Diskussion das Profil. «Wir haben eine gewisse Akzentverschiebung vorgenommen, die publizistische Komponente wurde im Vergleich zur Ausschreibung höher gewichtet», bestätigt Ausschussmitglied Viktor Baumeler gegenüber der «SonntagsZeitung». Jetzt wurde statt eines Managers ein Publizist gesucht.

Giezendanner ist empört

Leuenberger dementiert eine direkte Einmischung. Der Medienminister und de Weck seien gute Bekannte und würden sich «zufällig immer wieder» treffen, sagte Sprecher Daniel Bach gegenüber der «SonntagsZeitung». Auch SRG-Präsident Jean-Bernard Münch beharrt: «Bundesrat Leuenberger wurde ins Verfahren weder direkt noch indirekt einbezogen.»

Ob das Treffen Zufall war oder nicht, es gibt Nationalrat Ulrich Giezendanner, der sich für einen bürgerlich gesinnten SRG-Direktor einsetzte, neue Munition. Er verlangt nun gemäss «SonntagsZeitung», dass Leuenberger seine Beziehung zu de Weck und die Gründe für das Treffen vor der Wahl offenlegt.