Nächster Abgang
Wann tritt Ueli Maurer zurück? Darauf wetten Parteistrategen

Geht es nach den meisten Beobachtern, wird das nächste Jahr das letzte von Maurer als Bundesrat sein. Will ihn Magdalena Martullo-Blocher beerben?

Henry Habegger
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Nimmt er sein letztes Jahr als Bundesrat in Angriff? Ueli Maurer (SVP), mit 201 Stimmen glänzend gewählter Bundespräsident 2019.

Nimmt er sein letztes Jahr als Bundesrat in Angriff? Ueli Maurer (SVP), mit 201 Stimmen glänzend gewählter Bundespräsident 2019.

KEYSTONE

EVP-Nationalrätin Marianne Streiff zeigte sich beeindruckt und begeistert von Ueli Maurer: So lustvoll und positiv habe sie den SVP-Bundesrat noch nie gehört. Die Bernerin war nicht die Einzige. Viele Parlamentarierinnen und Parlamentarier trauten gestern ihren Ohren kaum, als sie den 68-Jährigen reden hörten.

Da war keine Spur von «kä Luscht», ganz im Gegenteil: Nach seinem glanzvollen Resultat bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2019 – er erhielt 201 von 209 gültigen Stimmen – rief Maurer die Parlamentarier auf, mit Spass und Begeisterung ans Werk zu gehen. «Ich denke immer, Politik muss auch noch Freude machen, Politik muss Spass machen, und ich glaube, das soll die Bevölkerung auch spüren: dass hier Leute am Werk sind, die mit Freude versuchen, das Beste für unser Land herauszuholen.»

Ein völlig neuer Ueli Maurer, der offen Freude und Begeisterung an seinem Amt als Finanzminister und Bundespräsident zeigt. Der nicht mehr so zu tun braucht, als lasse ihn das alles kalt.

Von den Hearings bis zur Vereidigung – die Bundesratswahl in Bildern:

Grosser Moment: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden als neue Bundesrätinnen vereidigt.
45 Bilder
Kopie von Bundesratswahl 2018
Keller-Sutter, die Favoritin auf den FDP-Sitz, wird im ersten Wahlgang mit mit 154 Stimmen gewählt.
Der unterlegene FDP-Bundesratskandidat Hans Wicki macht 56 Stimmen.
Das Profil der St. Galler Ständerätin Karin Keller Sutter (54) galt als mehrheitsfähig. Hier winkt sie nach der Wahl Angehörigen zu.
FDP-Anhänger jubeln über die Wahl von Karin Keller-Sutter.
Karin Keller-Sutter (FDP) und Viola Amherd (CVP) waren die Top-Favoritinnen vor der Wahl – die Freude ist nichtsdestotrotz gross.
Karin Keller-Sutter erklärt Annahme der Wahl zum 119. Mitglied des Bundesrates.
Zuvor wird die Oberwalliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd (56) überraschend klar im ersten Wahlgang gewählt.
Viola Amherd erzielt mit 148 von 240 Stimmen ein Glanzresultat.
Die unterlegene Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen kommt gegen Amherd lediglich auf 60 Stimmen.
Viola Amherd erklärt Annahme der Wahl zum 118. Mitglied des Bundesrates.
Riesige Freude: Anhänger aus dem Wallis freuen sich über die Wahl von Viola Amherd.
Die Vereidigung: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter zwischen den Ratsweibeln Ivan Della Valentina und Peter Truffer.
Viola Amherd und Karin Keller-Sutter auf dem Weg zum Treffen mit dem Gesamtbundesrat.
Die neugewählten Bundesrätinnen Karin Keller-Sutter, 2. von rechts, und Viola Amherd, 3. von rechts, posieren mit dem Gesamtbundesrat – von links: Bundespräsident Alain Berset, Ueli Maurer, Simonetta Sommaruga, Guy Parmelin, Ignazio Cassis und Bundeskanzler Walter Thurnherr.
Karin Keller-Sutter mit ihren Brüdern Bernhard, Rolf, und Walter.
Karin Keller-Sutter posiert mit ihrem Ehemann Morten Sutter, links, und Keller-Sutters Bruder Rolf Sutter mit dessen Ehefrau Maria.
Viola Amherd winkt neben ihrer Weibelin auf der Treppe des Bundeshauses.
Auch Karin Keller-Sutter kommt die Treppe mit ihrem Weibel hinunter.
Karin Keller-Sutter nimmt auf dem Bundesplatz Glückwünsche entgegen.
Viola Amherd nimmt die Glückwünsche der Walliser Regierung entgegen. Von links die Staatsräte Frederic Favre, Jacques Melly, Esther Waeber-Kalbermatten und Christophe Darbellay.
Viola Amherd mit ihrer Cousine Denise Wasmer und ihrer Nichte Lia Amherd, von rechts, sowie mit Esther Waeber-Kalbermatten, Staatsrätin des Kantons Wallis, links.
Die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd geniesst das Bad in der Menge vor dem Bundesplatz in Bern.
Die Vereidigung: Blick von der Tribüne.
Die Vereidigung: Blick von hinten.
Auch die Blumensträusse liegen vor der Ersatzwahl bereit.
Vor der Wahl: Die Ratsweibel Nathalie Radelfinger und Ivan Della Valentina mit den Wahlurnen.
Zuvor wurden die abtretenden Doris Leuthard (CVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) verabschiedet.
Johann Schneider-Ammann sorgt bei seiner Abschiedsrede für einen Lacher, indem er über sich selbst witzelt: «Das Rednerpult gehört nicht zu meinen Lieblingsmöbeln.»
Arbeiten und Resultate bringen: So habe er das Amt als Bundesrat interpretiert, sagte Schneider-Ammann. Er habe sich stets als Vertreter des Konkreten verstanden, nicht als Publikumsliebling.
Marina Carobbio Guscetti: «Doris Leuthard wurde nie emotional» Doris Leuthard beweist während der Rede der Nationalratspräsidentin, dass sie den Sinn für Humor auch bis zur Verabschiedung nicht verloren hat.
«Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär»: Mit diesen Worten wird die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin von Carobbio gewürdigt.
Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann verlassen den Saal vor der Ersatzwahl. Beide wurden mit einer ausgiebigen Standing Ovation verabschiedet.
Jetzt folgen die Bilder vom Vorabend: Politiker und Medienschaffende treffen sich in der sogenannten "Nacht der langen Messer" im Hotel Bellevue in Bern.
Die volle Bellevue-Bar neben dem Bundeshaus.
Die Oberwalliser freuen sich auf "ihre" Bunderätin: Vor dem Bundeshaus hat sich Radio Rottu Oberwallis installiert – auf einem Anhänger. Am Dienstagabend ist Moderator Sebastian Voide (im roten Pulli) im Einsatz.
Nationalrätin Min Li Marti (SP, ZH) und Beat Walti (Fraktionspräsident FDP, ZH), sprechen an der Seite von Philippe Nantermod (FDP, VS, zweite-links) und Balthasar Glättli (Fraktionspräsident GP, ZH, zweite-rechts).
Nationalrat Duri Campell, BDP-GR, und Nationalrat Matthias Aebischer, SP-BE.
Die volle Bellevue-Bar neben dem Bundeshaus.
Das Bundeshaus in der Nacht.
Bilder vor der "Nacht der langen Messer": Karin Keller-Sutter (FDP) bei den Anhörungen der Parteien.
Viola Amherd (CVP) vor den Medien nach den Anhörungen der Parteien.
Heidi Z'graggen (CVP) nach den Anhörungen der Parteien.
Hans Wicki (FDP) nach den Anhörungen der Parteien.

Grosser Moment: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden als neue Bundesrätinnen vereidigt.

ANTHONY ANEX

Und ausgerechnet dieser Ueli Maurer, der endgültig angekommen ist im Amt, ist vielleicht nicht mehr lange dabei. Geht es nach den meisten Beobachtern, wird das nächste Jahr das letzte von Maurer als Bundesrat sein. Es könnte ein Abgang auf dem Höhepunkt werden, per Ende seines zweiten Präsidialjahres.

Rücktrittsankündigung im Herbst?

Spitzenleute anderer Parteien bereiten sich darauf vor, im Dezember 2019 nicht nur die Gesamterneuerungswahlen der Regierung durchzuführen, sondern auch die Ersatzwahl für Ueli Maurer, der dannzumal 69 Jahre alt sein wird.

Einige glauben, das Szenario schon zu kennen: «Ueli Maurer wird im September 2019 seinen Rücktritt ankündigen und so der SVP vor den eidgenössischen Wahlen im Oktober zu Medienpräsenz und neuem Schwung verhelfen», sagt ein Beobachter, der für ein Mitglied des Bundesrats arbeitet. Als ehemaliger Präsident werde Maurer seiner Partei diesen Gefallen machen.

Auch Parlamentarier, die Maurer in Kommissionen begegnen, berichten davon, dass der Zürcher Bundesrat in letzter Zeit Bemerkungen mache, die auf seinen baldigen Abgang hindeuten. Dabei hoffen nicht wenige, dass Maurer noch über das Jahr 2019 hinaus weitermacht, denn er hat sich längst den Ruf eines guten und verlässlichen Bundesrats erarbeitet.

Doch ein weiteres Indiz für Maurers absehbaren Abtritt war das Verhalten der SVP-Fraktion rund um die gestrige Bundesratswahl. Die Spitze um Fraktionschef Thomas Aeschi und Parteipräsident Albert Rösti erstickte Gelüste einiger Parteikollegen im Keim, Sprengkandidaten wie CVP-Chef Gerhard Pfister zu lancieren.

Die Aufforderung an die eigenen Leute war, die offiziellen Kandidaten von CVP und FDP zu wählen. FDP-Strategen etwa schlossen daraus, dass die SVP sich auf die eigene Vakanz vorbereitet, bei der sie dann von den anderen Parteien Gegenrecht einfordern wird: Wählt innerhalb unseres offiziellen Tickets.

Wie dieses Ticket aussehen wird, gilt als praktisch ausgemacht. Einen der Plätze werde Magdalena Martullo-Blocher für sich beanspruchen. Die Bündner Nationalrätin wolle unbedingt Bundesrätin werden, sagt ein SVP-Nationalrat, der nicht angetan ist von dieser Aussicht. Die selbstbewusste Tochter von Parteipatron Christoph Blocher ist in der eigenen Fraktion nicht nur beliebt. Aber wenn sie aufs Ticket will, hat sie den Platz kraft ihrer Herkunft auf sicher.

Auf das SVP-Ticket, so glaubt man im Bundeshaus, kommen noch ein oder zwei andere Getreue. Am heissesten gehandelt wird Fraktionschef Thomas Aeschi. Der Zuger trat bereits 2015 an, unterlag aber gegen Guy Parmelin.

Abwehrschirm gegen Marullo

Die Strategie der SVP-Oberen um Martullo-Blocher werde sein, glauben Beobachter, ein Ticket zu präsentieren, bei dem am Schluss die Blocher-Tochter das Rennen mache. Nicht nur einige SP-Strategen hirnen bereits an einem Abwehrschirm gegen Versuche herum, die Milliardärin zur Bundesrätin und vielleicht sogar zur Finanzministerin zu machen.