Wangen an der Aare

Als «innovativ» beschreibt die Marti AG Solothurn in einer Mitteilung ihr neues Kombiverkehrs- Angebot in Wangen an der Aare; als «unzumutbar» bezeichnen es hingegen die Anwohner an der Sternenstrasse.

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Die Firma führte darauf erste Testmanöver durch. Dies entsetzte die Anwohner. Niederer sagt: «Lärm- und Geruchsemissionen waren massiv.» Verladen wurde bisher noch nichts. «Wenn dann aber mehrmals in der Woche 40 Tonnen schwere LKWs auf der Strasse herumfahren, haben wir ein Problem.»

Die enge Strasse ohne Trottoir sei für den Schwertransport ungeeignet. «Zudem ist es ein Schulweg – hier laufen Kinder herum», sagt Niederer. Bei diesem Lärm könne man im Sommer die Fenster nicht mehr öffnen. Was ihm besonders aufstösst: Die Marti-Gruppe habe im Vorfeld keinen der Anwohner über ihre Absichten informiert. «Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.»

Die Marti AG hält sich bedeckt

Diesen Montag organisierte die Marti AG im Wanger Gemeindehaus einen Informationsabend. Rund 20 betroffene Anwohner erschienen. Die Firma rechtfertigte ihr Handeln, wie sie dies auch in einer öffentlichen Mitteilung tat. Darin ist von einer «Bahnneuheit» die Rede, von «schweizweiter Vernetzung» und «innovativem Betriebskonzept». Ziel sei es, den Strassentransport des Tief- und Strassenbau-Spezialisten in Wangen auf die Bahn zu verlagern.

Der Kombiverkehr mit dem Gütertransport der SBB Cargo sollte eigentlich auf Ende Monat betriebsbereit sein. Doch weshalb wurden die Anwohner über dieses Projekt nicht früher unterrichtet? Peter Balmer, Leiter strategischer Verkauf der Marti AG, antwortet unwirsch am Telefon: «Wir geben erst wieder Auskunft, wenn die ganze Geschichte steht», sagt er. Ein Pressecommuniqué soll demnach erst in zwei bis drei Wochen folgen.

Laut Jörg Niederer will die Marti AG aus ihrem Kieswerk in Walliswil bei Bipp Kies via Güterbahnhof Wangen nach Zürich transportieren. Grundsätzlich sieht er im Kombiverkehr eine gute Lösung. «Doch so, wie das die Firma tut, kann man nicht mit uns umgehen.» Er habe Peter Balmer am Informationsanlass mitgeteilt, dass er sein Haus für eine halbe Million Franken kaufen könne. «Denn so viel wird es noch wert sein, wenn das hier derart lärmend weitergeht », ist sich Niederer sicher.

Christian Egli wohnt ebenfalls an der Sternenstrasse. Auch ihn erzürnen die Absichten der Marti AG. «Die Angelegenheit ist unzumutbar.» Nun hat er sich über den Rechtsweg informiert. Scheinbar müssten grosse Veränderungen im Transportwesen – wie die beim Güterbahnhof Wangen – auf Bundesebene bewilligt werden. Gregor Saladin vom Bundesamt für Verkehr (BAV) hingegen sagt, dass in diesem Fall der Kanton Bern eine entsprechende Bewilligung ausstellen müsse.

«Warum verladen sie nicht in Riedholz?»

Sorgen bereitet Anwohner Egli auch, dass der Strassenbelag überbelastet wird. «Der Bahnhofplatz wurde ja erst kürzlich mit Steuergeldern saniert. » Auch er bezeichnet die Grundidee der Marti AG als gut. «Das Ergebnis gleicht aber viel mehr einer Hau-Ruck- Aktion.»

Man müsse nun das Gespräch mit der Firma suchen. Denn vom neuen Verladestandort sei ein ganzes Quartier betroffen. Sein Nachbar Jörg Niederer hat auch schon einen Lösungsvorschlag parat: «Warum laden sie nicht in Riedholz um? Auf dem Areal der Firma Borregaard liegen Umschlagmöglichkeiten brach.»

Auch der Wanger Gemeinderat wurde über das Vorhaben nicht informiert. Nun erwarte man von der Marti AG genaue Projekt-Unterlagen, sagt Gemeindeschreiber Peter Bühler. Es handle sich um ein laufendes Verfahren. Man kläre die Sachlage auch selber ab. «Solange wir keinen Gesamtüberblick haben, kann der Gemeinderat aber keine Stellungnahme abgeben», so Bühler. Fortsetzung folgt in diesem Lärmstreit. (mz/jpw/wst)