Wangen an der Aare

Letzte Woche meldete der Voi-Quartierladen im Liebefeld bei Köniz mit tiefroten Zahlen Konkurs an. In Wangen an der Aare ist das pure Gegenteil der Fall.

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Mit Erfolg: Laut Thomas Bornhauser, Leiter Kommunikation Migros, sei die Wanger-Filiale «hochprofitabel». 20 Prozent mehr Umsatz soll sie diesen Januar verbucht haben. Gar als «sensationell» bezeichnet Geschäftsleiter Markus Baumann den Verkauf im letzten Halbjahr.

Die Migros ist mit ihrem Partnerunternehmen in Wangen zufrieden. Anders als im Liebefeld bei Köniz: Der zweite Voi-Laden meldete nämlich vergangene Woche Konkurs an. Durch eine Kundin erfuhr die Migros, dass die Filiale geschlossen sei.

Die Migros kündete den Vertrag mit dem Franchisenunternehmer. Seit Anfang dieser Woche unterhält sie ihn wieder - doch dieses Mal selbstständig. Im Januar soll die Könizer Filiale 20 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet haben.

Der Kundenfranken liegt tiefer

«Wir haben ältere und treue Stammkunden», erklärt sich Baumann den Erfolg seiner Filiale. Er sei auf die Wünsche der Kunden eingegangen, habe das Sortiment angepasst. Nun gibt es etwa mehr Frischwaren (Früchte, Gemüse, Milchprodukte) als früher.

Doch auch hier sei der Start Ende 2007 «hart» gewesen, sagt Baumann. Viele Kunden hätten sich während des Umbaus nach Herzogenbuchsee oder Langenthal orientiert. «Bis Mitte letzten Jahres lief es nicht gerade gut.»

Als Konsequenz schloss Baumann das Post- und das Reinigungsangebot. Das Bistro indes blieb bestehen. Dieses will der Berner Geschäftsleiter nun mit Blumen und Milchglas-Fenstern aufwerten. «Die Kunden haben sich von aussen beobachtet gefühlt. Sowas nehme ich ernst.»

Zwei neue Stellen generiert

Einige Kunden beschwerten sich auch über das Korpus-Kassensystem, das anstelle des Fliessbandes zum Einsatz kommt. Der provisorische Jahresabschluss 2008 weist laut Baumann alledem zum Trotz einen Gewinn auf. Die Kundenzahlen sind in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen. Gegenwärtig sollen es sogar mehr als zu Zeiten der alten Migros sein. Lediglich der jeweilige Kundenfranken liege tiefer, so Baumann. «Mir ist bewusst, dass die Leute für Grosseinkäufe nach Buchsi fahren.»

Der ehemalige Inhaber der Voi-Filiale in Köniz beschwerte sich gegenüber dem «Bund» über eine schlechte Zusammenarbeit mit der Migros. Baumann hingegen findet diesbezüglich nur lobende Worte: «Marketing und Betreuung sind spitzenmässig.» Bei Problemen könne er sich jederzeit in Schönbühl melden.

Baumann arbeitete 7,5 Jahre als Migros-Filialleiter in Grindelwald und Bern - später in einem Coop-Pronto. Zuletzt war er Gebietsleiter im Wankdorf-Center. Durch diese Erfahrungen habe er gewusst, auf was er sich in Wangen einlasse.

«Ein Restrisiko bleibt bei einer Einzelfirma immer bestehen.» Dieses scheint sich nun auszuzahlen: Baumann will zwei neue Stellen generieren. Bisher arbeiteten neben ihm zwölf Angestellte in der Voi (italienisch für «Sie») - vorwiegend aus der alten Migros und der Wanger Umgebung. «Mir ist wichtig, dass wir unsere Kundschaft kennen», sagt Baumann. Er spüre die Akzeptanz seiner Filiale im Städtli. (mz/jpw/dge)