Risikosportarten
Wandern kann man auch in Zukunft ohne Brevet

Das Bundesamt für Sport (Baspo) krebst zurück und erklärt, Wanderer seien vom Gesetz für Risikosportarten nie betroffen gewesen. Das Baspo verpasste allerdings bereits zweimal die Chance, die vermeintlich betroffenen Vereine besser aufzuklären.

Anna Wanner
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Um zu Wandern, braucht es auch in Zukunft kein Brevet (Symbolbild)

Um zu Wandern, braucht es auch in Zukunft kein Brevet (Symbolbild)

Keystone

Risikosportarten wie Canyoning oder Riverrafting sollen strenger reguliert werden. Das beschloss das Parlament, nachdem 1999 bei einem Canyoning-Unglück am Saxetbach 21 Menschen gestorben waren. Doch die Verordnung, die das Bundesamt für Sport (Baspo) ausarbeitete, geht vielen Naturbildungs- und Freizeitvereinen zu weit: Nicht nur Risikosport-Anbieter erhalten strengere Regeln auferlegt. Das Gesetz betrifft allgemein «gewerbsmässig angebotene Outdoor-Aktivitäten».

Waldkindergärten, Pfadi oder WWF-Lager-Organisatoren befürchten nun, dass sie bald eine Bewilligung einholen müssen, um ins Freie zu gehen. Die «Verordnung über das Bergführerwesen und das Anbieten weiterer Risikosportarten» sei zu wenig klar formuliert.

«Berechtigte Einwände»

Die Vereine kritisieren folgende Passage: «Wer als Wanderleiter gewerbsmässig Aktivitäten im schnee- oder eisbedeckten gebirgigen Gelände anbietet, braucht eine Bewilligung.» Vor allem der Begriff «gewerbsmässig» irritiere. Zählen Schulen und Vereine auch dazu?

Das Baspo beschwichtigt: «Wanderer waren nie von dieser Regelung betroffen», sagt Sprecher Christoph Lauener. Man habe aber erkannt, dass unterschiedliche Interpretationen möglich seien. Gemäss Lauener fällt eine Mutter, die eine Schulreise begleitet und dafür entlöhnt wird, «natürlich nicht» in die Kategorie «gewerbsmässig». Auch dass eine Schulklasse ohne Bewilligung nicht mehr in ein Lager reisen darf, sei nie zur Diskussion gestanden.

«Überhaupt sind solche Sommeraktivitäten vom Gesetz ausgeschlossen», sagt Lauener. Das Gelände müsste schon regelmässig von Schnee und Eis bedeckt sein – wie etwa ein Gletscher –, damit eine Aktivität unter das Gesetz falle.

Klärung misslang schon zweimal

Nur: «Gebirgiges Gelände», wie es das Baspo jetzt definiert, umfasst die halbe Schweiz. Dazu zählen nicht nur die Alpen, sondern auch der Jura, das Emmental oder das Toggenburg. Christoph Lauener gibt zwar zu, dass die Zone weit gefasst sei. Er sagt aber auch: «Es werden nur Aktivitäten erfasst, die ein Risiko im Sinne des Gesetzgebers darstellen.» Und die müssten noch präzisiert werden.

Das Baspo verpasste allerdings bereits zweimal die Chance, die vermeintlich betroffenen Vereine besser aufzuklären. In der Fragestunde der letzten Session antwortete Sportminister Ueli Maurer schwammig auf die Fragen von der Berner SVP-Nationalrätin Nadja Pieren. Sie konnte trotz Nachhaken nicht definitiv klären, ob sie künftig eine Bewilligung braucht, um mit Kindern an der Emme bräteln zu gehen. Das Baspo revidiert nun die Verordnung; das Gesetz tritt 2013 in Kraft.

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