In zwölf Tagen wählt die Bundesversammlung den Bundesrat. Seit Wochen schiessen Spekulationen ins Kraut, wie sich die Schweizer Regierung dereinst zusammensetzen wird. Täglich erscheinen Berichte über die drei nominierten SVP-Kandidaten: Ihnen wird auf den Zahn gefühlt, die Medien registrieren jede Bewegung vor der Wahl am 9. Dezember.

Anfängliche Skepsis verflogen
Gleichentags wird in Bundesbern ein zweiter wichtiger Posten neu besetzt, jener des Bundeskanzlers. Er setzt die Themen auf der bundesrätlichen Agenda. Die aktuelle «achte Bundesrätin» Corina Casanova kündigte bereits im Sommer ihren Rücktritt an.

Die Parteien hätten also reichlich Zeit gehabt, eigene Kandidaten aufzustellen. Doch ausser der CVP hat keine Partei den Hut in den Ring geworfen. Walter Thurnherr, der Generalsekretär von Bundesrätin Doris Leuthard, ist auch zwei Wochen vor der Wahl noch immer einziger Kandidat.

Dabei hatten sich nach der frühen Bekanntgabe von Thurnherrs Kandidatur Anfang Oktober durchaus kritische Stimmen zu Wort gemeldet. Die Grünen meldeten Vorbehalte an. Und die SP hegte eigene Ambitionen auf das Amt.

Doch diese sind inzwischen wieder verflogen. Kommunikationschef Michael Sorg sagt, die Partei habe eine Kandidatur geprüft, sich aber schliesslich dagegen entschieden. «Wir anerkennen den Anspruch der CVP auf das Amt des Bundeskanzlers», sagt er.

Und: «Die SP unterstützt Walter Thurnherr. Er hat im Departement von Doris Leuthard keinen schlechten Job gemacht, und bewiesen, dass er fachlich stark ist.»

Keine Konkurrenz in Sicht
Ähnlich tönt es auf Anfrage bei anderen Parteien – wenn auch die Unterstützung weniger explizit ausfällt. SVP-Generalsekretär Martin Baltisser sagt, die Volkspartei konzentriere sich auf die Bundesratswahl und verzichte deshalb auf eine Kandidatur.

«Wenn Walter Thurnherr der einzige Kandidat bleibt, wird ihn die Fraktion wohl auch unterstützen.» Die FDP gibt sich zugeknöpfter. Sprecher Georg Därendinger will sich nicht auf den Kandidaten festlegen, er verweist auf die Hearings am Dienstag – auch wenn Thurnherr ausser Konkurrenz steht. Gewiss sei einzig, dass die FDP keine eigene Kandidatur plant.

Selbst die Grünen, die den CVP-Kandidaten ursprünglich schmähen wollten, geben Thurnherr nun immerhin eine Chance. Co-Präsidentin Regula Rytz sagt: «Wir werden in den Hearings die Fragen klären, die noch offen sind.» Aus ihrer Sicht sei Thurnherr aber der einzige Kandidat.

Geringe Chancen gegen Thurnherr
Dass es diesmal bei der Wahl des Kanzlers keine Auswahl gibt, hat nichts mit dem Anspruch zu tun, den die CVP auf das Amt erhebt. Frühere Kanzler gehörten auch der FDP und SP an. Die fehlende Konkurrenz ist vielmehr mit der Personalie verknüpft.

Thurnherr sei kompetent und einflussreich, wird ihm von allen Seiten attestiert. Rytz verdeutlicht: «Eine Kampfkandidatur ist aus unserer Sicht chancenlos.» Die Grünen hätten versucht, eigene Kandidaten aufzubauen – die Anfragen seien auch auf Interesse gestossen. «Doch die Kandidaten hätten eine Chance sehen müssen.»

Auch Michael Sorg sagt: «An guten SP-Kandidaten hätte es nicht gemangelt.» Dem Vernehmen nach wollte sich die Partei die Option offen lassen, Vizekanzler und Bundesratssprecher André Simonazzi ins Rennen zu schicken.

Er selbst wollte dazu gestern keine Stellung nehmen. Und seine Sprengkandidatur scheint vom Tisch. Sprich: Thurnherr ist so gut wie gewählt.