«Walter muss sich überlegen, wie seine Zukunft aussieht», sagte SVP-Parteipräsident Toni Brunner heute im «Blick». Grund für die Aussage: Walter dürfte nächstes Jahr Nationalrats-Präsident werden. «Beides kann er nicht machen», gab Brunner den Tarif bekannt.

Das sieht nun auch Hansjörg Walter so. Heute Nachmittag gab der Thurgauer bekannt, dass er der per Novermber 2012 als Bauernpräsident zurücktreten wird. Bis Hansjörg Walter definitiv zurücktritt, springen 2012 die beiden SBV-Vizepräsidenten Josef Dissler und Fritz Glauser in die Bresche. Die politische Interessenvertretung hingegen übernimmt Verbandsdirektor und FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois.

Brunner lanciert Blocher

SVP-Präsident Toni Brunner hat bereits eine Nachfolgelösung für Walter zu Hand: Kein geringerer als Chefstratege Christoph Blocher soll übernehmen. «Christoph Blocher als Bauernpräsident wäre das Beste, was unserem Stand passieren könnte.»

Blocher selbst lässt ausrichten, dass er das Amt nicht suche. Will heissen: er lehnt es auch nicht ab. Qualifiziert fürs Amt wäre Blocher wohl. Als ersten Beruf hat er nämlich Bauer gelernt, bevor er Jurist und Unternehmer bei Ems wurde.

Bauer, aktiv gesucht

Beim SBV hält man von Blocher aber offenbar wenig. Sprecher Urs Schneider: «Das ist parteipolitisches Kalkül und unrealistisch.» Der Bauernpräsident sollte ein aktiver Bauer mit eigenem Betrieb sein, der täglich mit den Problemen der Landwirtschaft konfrontiert sei. Auch vom Alter her komme Blocher «eher nicht in Frage».

Walters Nachfolger oder Nachfolgerin im Bauernverband muss laut Schneider breite Kenntnisse in den landwirtschaftlichen Dossiers mitbringen. Doch die politische Versiertheit alleine genüge nicht: "Er muss viel Verständnis für die bäuerliche Basis mitbringen, ein guter Kommunikator und eine Führungspersönlichkeit sein."

Für Walters Nachfolge setzt der Vorstand auf den 1. Januar 2012 eine Findungskommission ein - sie wird ein besonderes Augenmerk auf die Parlamentsmitglieder richten. «Es wäre für den Verband und seine politische Arbeit wichtig, erneut ein Ratsmitglied an der Spitze zu haben», so der Bauernverband. Die Wahlen der Verbandsgremien finden dann im November 2012 statt.

Auch im Parlament geniesst Walter hohes Ansehen. Im Dezember 2008 wäre er beinahe Bundesrat geworden: Linke, Grüne und Teile der CVP hatten ihn als Sprengkandidaten gegen Ueli Maurer ins Spiel gebracht. Walter erhielt 121 Stimmen, obwohl er bereits im Vorfeld angekündigt hatte, dass er die Wahl nicht annehmen würde. Maurer wurde schliesslich mit 122 Stimmen in die Regierung gewählt. (rsn/sda)

(rsn)