Grossbrand
Walliser Waldbrand begann in einem Holzschopf

Fünf Tage nach dem Waldbrand von Visp sind noch immer Dutzende Einsatzkräfte vor Ort. Während die Ermittlungen zur Brandursache auf Hochtouren laufen, liefert ein neuer Zeuge wichtige Hinweise.

Cyrill Pinto (Text und Bild)
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Luc Gaugaz alarmierte als Erster die Polizei

Luc Gaugaz alarmierte als Erster die Polizei

Solothurner Zeitung

Am Himmel über Visp rotieren noch immer Helikopter, welche die Glutnester des verheerenden Waldbrands vom letzten Dienstag aus der Luft bekämpfen. Unterstützt werden sie dabei von Aufklärungsfahrzeugen einer Artillerieeinheit, die mit ihren Wärmebildkameras Schwelbrände ausfindig machen.

Der Brand vom letzten Dienstagnachmittag zerstörte nach ersten Schätzungen rund 100 Hektaren Schutzwald. Aber auch Existenzen sind kaputt. Jean-Luc Gaugaz hatte dort, wo der Brand ausbrach, einen Service-Betrieb für Hochdruckreiniger. Er war es, der die Flammen beim angrenzenden Holzschopf bemerkte.

Schopf wird abgerissen

Um 15.31 Uhr am Dienstagnachmittag schlug Gaugaz, der selbst 13 Jahre Dienst bei einer Feuerwehr leistete, als Erster Alarm. Er weiss: Das Grundstück mit dem Holzschopf darauf gehört einem Taxi-Unternehmer gleich auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Der Schopf wurde früher von zwei Personen gemietet. Seit ein paar Monaten stand er leer. «Er wurde geräumt und sollte in den nächsten Wochen abgerissen werden», sagt Gaugaz.

Der Nachbar mit der gegenüberliegenden Alba-Garage bestätigt diese Information. Fatim Hoxha steht nach dem Brand ebenfalls vor dem Nichts. Ein zwischen dem zuerst in Brand geratenen Holzschopf und der Alba-Garage abgestelltes Auto ging in der Hitze in Flammen auf. Dann fing Hoxhas Garage Feuer.

Die Aussage Gaugaz’ ist für die Ermittler wichtig, um den Beginn des Brandes vom Dienstag einzukreisen. Spekulationen, dass ein abgestelltes Fahrzeug am Rand der angrenzenden Hauptstrasse oder eine weggeworfene Zigarette den Brand im leerstehenden Holzschopf ausgelöst haben könnten, hält Gaugaz für «Unsinn». Wie sich das Feuer aber entfachte, weiss auch Gaugaz nicht.

Schutzwald fehlt nun

Etwas mehr Glück als seine Nachbarn, welche alles verloren, hatte Oenologe Josef-Marie Chanton. Als er bei seiner Kellerei eintraf, wo fast die gesamte Ernte des letzten Jahres eingelagert ist, stand der Wald gleich über dem Betrieb bereits in Vollbrand. «Nur dank dem Einsatz der Feuerwehr konnte unser Betrieb gerettet werden.» Die Feuerwehr kühlte das Dach der Kellerei mit Wasser. Ein kleiner Streifen Wald gleich hinter dem Betrieb konnte gerettet werden.

Waldbrand in Visp: Verheerende Schäden bleiben zurück
8 Bilder
Total abgebrannt
Feruerwehrleute sind noch immer im Einsatz
Zerstörte Bäume soweit das Auge reicht
Blick von obenauf Visp
Auf rund hundert Hektaren sind die Bäume verbrannt

Waldbrand in Visp: Verheerende Schäden bleiben zurück

Keystone

Nur: Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Chanton kann sich daran erinnern, dass in seiner Jugendzeit im Winter an der Stelle Schneerutsche bis ins Tal abgingen. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schutzwald das darunterliegende Gebiet schützte. Dieser Schutzwald wurde nun ein Raub der Flammen.

Der entstandene Schaden und die Kosten für den Löscheinsatz werden auf mehrere Millionen Franken geschätzt.