Der bisherige IWC-Vorsitzende war angeblich aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Marokko gekommen. Sein Vertreter ist Anthony Liverpool, der Botschafter des Staates Antigua und Barbuda in Japan.

Nach Recherchen der britischen Zeitung "Sunday Times" hat Japan ihm die Reise nach und das Luxushotel in Agadir bezahlt. "Wenn die IWC-Staaten diesen Vorsitzenden weiter dulden, dann dulden sie eine korrupte Walfangkommission. Die IWC verliert damit ihre Glaubwürdigkeit", sagt Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife.

"In den letzten 20 Jahren zahlte Japan Milliarden Dollar an Staaten der Karibik, des Pazifiks und Afrikas, die seither der IWC beitraten und Japans Walfanginteressen unterstützen", sagt Altherr. "Ich selbst habe auf IWC-Tagungen schon Delegierte aus Karibikstaaten gesehen, die erst ihre online-Kontoauszüge prüften, bevor sie ihre Wortmeldungen im Sinne Japans machten."

Auf dem Tisch liegt ein Kompromissvorschlag der IWC, der eine kontrollierte Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs vorsieht. Tierschützer warnen vor einem "Rückschritt für den Walschutz". Seit 1986 gilt ein Moratorium für den kommerziellen Walfang.

Allerdings gibt es Ausnahmen für Japan, Island und Norwegen, die auf ihre Tradition verweisen. In der Jagdsaison 2008/2009 wurden mehr als 1500 Meeressäuger getötet. Kritik zieht insbesondere Japan auf sich, das zu wissenschaftlichen Zwecken jagen darf. Das Fleisch der Tiere landet jedoch immer wieder in Feinschmecker-Restaurants des asiatischen Landes.

Nach dem Vorschlag der IWC sollen die drei Länder weiter Wale jagen dürfen, die Zahl der getöteten Tiere jedoch in den nächsten zehn Jahren reduzieren. Bis 2015 soll die Zahl der zur Tötung zugelassenen Wale immerhin noch bei 90 Prozent der 2008/2009 getöteten Tiere liegen. Bis 2020 soll die Zahl der gejagten Wale dann sinken.