Olten
Waldheim AG soll dicht machen

Die Waldheim AG soll ihre Pforten auf Mitte 2010 schliessen. Das Amt für soziale Sicherheit ist der Ansicht, dass dort die Basisqualität der Betreuung nicht mehr gewährleistet ist. Der Heimleiter seinerseits denkt nicht wirklich an ein Aus.

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Waldheim

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Solothurner Zeitung

Adriana Gubler

Das Sozialimperium von Miodrag Stojanovic droht zusammenzubrechen: In fünf Häusern in Olten und im Kosthaus in Schönenwerd betreuen seine Angestellten Menschen mit psychischen Problemen - aber nicht mehr lange, wenn es nach dem Kanton geht. Die kantonale Betriebsbewilligung läuft bis Ende dieses Jahres aus. «Wir werden die Bewilligung nicht erneuern», hält Marcel Chatelain, Chef Amt für soziale Sicherheit (ASO), fest. Von heute auf morgen könne eine solche soziale Einrichtung wie das Waldheim natürlich nicht schliessen, deshalb gewähre der Kanton der Institution eine Übergangsfrist bis Mitte 2010.

Über das Ziel hinausgeschossen

Die Gründe für den Entscheid des kantonalen Amts wiegen schwer: Es geht davon aus, dass die Basisqualität der Betreuung in den Institutionen der Waldheim AG wegen der Ausweitung des Angebots auf Dauer nicht gewährleistet werden kann. «Menschen mit psychischen Problemen in Verbindung mit sozialen Schwierigkeiten waren in unserer Vereinbarung das Zielpublikum», erklärt Chatelain den ursprünglichen Zweck der seit 1992 bestehenden Waldheim AG. Allerdings hat sich das Angebot in den letzten Jahren erweitert.

Der Chef des ASO zählt auf, welche Leistungen hinzugekommen sind: Hotellerieleistungen mit ambulantem psychiatrischem Angebot, stationäre Pflege zu rehabilitativ-klinischen Dienstleistungen, stationäre Beherbergungen im Rahmen des Fürsorgerischen Freiheitsentzugs (FFE). Die Vorwürfe des Kantons bestreitet Heimleiter Stojanovic in keinster Weise. Dem Kanton passen diese vielfältigen Leistungen aber ganz und gar nicht: « Für ein derart breites Angebot, nicht zuletzt auch für mehrheitlich ausserkantonale Platzierungen, besteht für den Kanton Solothurn kein Bedarf im Rahmen einer Heimbewilligung», erläutert Chatelain.

Verstoss von Seiten Stojanovics

Hinzu kommt, dass die Waldheim AG zumindest in einem Punkt gegen die Bewilligung des Kantons verstossen hat. «Für die Aufnahme von Menschen mit stationärem FFE liegt im Fall der Waldheim AG keine Bewilligung vor», sagt Chatelain. Im vergangenen halben Jahr hat sich der Kanton wegen der auslaufenden Betriebsbewilligung intensiv mit Stojanoivcs Imperium beschäftigt. Dabei hat er festgestellt, dass unter anderem Menschen mit FFE behandelt werden. Zudem wurden von der Gebäudeversicherung auferlegte Brandschutzmassnahmen an einem Standort der Waldheim AG nicht zeitgerecht umgesetzt. Es sind dies laut Chatelain nicht die ersten Differenzen im Bezug auf die Waldheim AG. «Wir hatten schon zuvor Meinungsverschiedenheiten bei der Durchsetzung verschiedener Auflagen, die sich jetzt bei der Frage der Erneuerung der Betriebsbewilligung kumulieren, sagt der Chef des ASO.

Von Seiten des Kantons her bedeutet der Entscheid gegen eine Verlängerung der Betriebsbewilligung das Aus für die Waldheim AG - es sei denn, Stojanovic reicht ein vollkommen neues, sauberes Gesuch ein. Und genau das hat er bereits gemacht. «Die Situation ist nicht mehr wie sie es zu unserem Beginn 1992 war, die Bedürfnisse haben sich verändert», sagt Stojanovic. Immer mehr Patienten sind von psychosomatischen Krankheiten betroffen. Es bedarf laut Stojanovic Institutionen, in denen diese Fälle behandelt werden. Dieses Angebot will er künftig in seinen Häusern in Olten anbieten, dafür hat er bereits Gesuche eingereicht. Und in Schönenwerd bemüht er sich um die Bewilligung für eine private Klinik im Kosthaus. Stojanovic rechnet damit, dass er bald eine Antwort vom Kanton bekommt. Er hofft, dass er die Bewilligung erhält und damit nahtlos an den Übergangsbetrieb in der Waldheim AG anknüpfen kann. Von einem negativen Entscheid würde sich Stojanovic nicht aufhalten lassen: «Auch in Aarburg, Bern oder Luzern gibt es den Bedarf nach einer solchen Institution.» Sowieso hat er dem Kanton in Aussicht gestellt, den Hauptteil seines Betriebes in den Kanton Bern zu verlegen. Schliesslich kommen die meisten Bewohnerinnen gar nicht aus dem Kanton Solothurn, sondern den restlichen Kantonen.

Keine Entlassungen geplant

Vorläufig hat Stojanovic deshalb auch nicht vor, Entlassungen bei seinen rund 70 Angestellten vorzunehmen. Das Vorgehen zum Abbau der Plätze wird jedoch seitens des Kantons verfügt. Die Waldheim AG will dann prüfen, ob sie die Verfügung anfechten will. Das letzte Wort scheint noch lange nicht gesprochen.