Zuwanderung
Wald im Mittelland roden, damit es mehr Platz hat für neue Einwohner

Der Berner Regierungspräsident Christoph Neuhaus bricht mit einem Tabu: Der Wald soll im dicht besiedelten Mittelland, das an seine Wachstumsgrenzen stösst, teilweise für Wohnen und Arbeiten weichen.

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«Im letzten Jahrzehnt wuchs der Wald im Kanton Bern um über 700 Hektaren, gleichzeitig schreitet die Entleerung des Alpenraumes auch in Bern fort», sagt Neuhaus (SVP) gegenüber der Zeitung „Schweiz am Sonntag". Dem Kanton Bern fehlten aber die Entwicklungsmöglichkeiten auf der Mittelland-Achse Thun-Bern-Biel. Deshalb müsse der Wald zum Thema werden. «Wir brauchen eine Flexibilisierung der Waldfläche», sagt er. «Man muss sich überlegen, ob der Kanton Bern die 700 Hektaren Wald, die in den letzten zehn Jahren zusätzlich wuchsen, kompensieren kann. Oder zumindest einen Teil davon.»

Neuhaus weiss, dass er mit seiner Forderung «ein Sakrileg» begeht, wie er selbst gesteht. Sogar in seiner eigenen Partei, der SVP, werde er damit teilweise «auf Granit stossen», glaubt er. Mit Denkverboten komme man aber nicht mehr weiter. «2035 werden wir 10 Millionen Einwohner zählen. Wir müssen uns Gedanken machen», sagt der Berner Regierungspräsident.

«Zwei Millionen zusätzliche Menschen benötigen 1,3 Millionen zusätzliche Wohnungen.» Neuhaus: «Bill Gates wird seine Computerprogrammierer nie im Justistal bei Sumiswald ansiedeln.» Es gehe darum, die Entwicklung «dort aufzufangen, wo es der Markt verlangt». Deshalb sei die Entwicklung im Mittelland zentral.