Georgien
Wahrheit über Georgien-Krieg

Vor rund einem Jahr überfielen georgische Truppen Südossetien.

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Heidi Tagliavini

Heidi Tagliavini

Aargauer Zeitung

Christian Weisflog, Moskau

Seit vergangenem Dezember reist die 59-jährige Baslerin zwischen Moskau, Tiflis, Brüssel und Washington hin und her - als Leiterin einer nahezu unmöglichen Mission: Gemeinsam mit einem deutschen und einem polnischen Diplomaten sowie einem 15-köpfigen Expertenteam soll sie im Auftrag der EU die Wahrheit über den Georgien-Krieg vor einem Jahr ans Tageslicht bringen.

Begonnen hatte alles nach dem Ende der Sowjetunion: Die Abchasen und Südosseten, die nicht mit den Georgiern in einem unabhängigen Staat leben wollten, erkämpften sich in Kriegen ihre faktische Unabhängigkeit. Nach einem Waffenstillstand stationierte Russland in der Region Friedenssoldaten. Doch je mehr Georgien einen EU- sowie einen Nato-Beitritt anstrebte, desto weniger trat Moskau als neutraler Vermittler auf.

In der Nacht vom 7. auf den 8. August verlor der georgische Präsident Michail Saakaschwili vermutlich die Nerven. Als der russische Premierminister Wladimir Putin an der Eröffnung der olympischen Sommerspiele in Peking weilte, schickte er seine Truppen los, um Südossetien gewaltsam zurückzuerobern. Auf diesen Moment schien Moskau nur gewartet zu haben. Russische Panzer eroberten Abchasien und Südossetien innerhalb von fünf Tagen, danach anerkannte der russische Präsident die beiden Regionen als souveräne Staaten.

Aber wer war in diesem Krieg nun der Aggressor? Georgien, das seine territoriale Einheit mit Waffengewalt wiederherstellen wollte? Oder doch Russland, das Georgien immer mehr provozierte und letztlich einen souveränen Nachbarstaat bombardierte? Und wer verantwortet die Menschenrechtsverletzungen? All diese schwierigen Fragen soll Tagliavinis Team bis Ende September beantworten.