Facebook
Wahlkampf auf «Facebook»

Der Kampf um die Ständerats-Ersatzwahl ist längst in der Social Community «Facebook» angekommen. Roland Fürst (CVP) und Roberto Zanetti (SP) nützen die Plattform aktiv, SVP-Kandidat Roland F. Borer zeigt sich skeptisch.

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Pascal Mülchi

«Heute stehen keine Wahlkampfveranstaltungen auf dem Programm», schrieb Roland Fürst (CVP) gestern Freitag um viertel vor Eins auf «Facebook». Roberto Zanetti (SP) freut sich in der Social Community über den weltmeisterlichen Triumph der U17: «Wunder sind also doch möglich - ein gutes Omen für die Ständeratswahlen vom 29. November! Wiederholen wir doch das Wunder.» Und auf der Pinnwand des dritten Kandidaten um die Ständerats-Ersatzwahl, Roland F. Borer (SVP), schreibt eine «Userin»: «Ich wünsche dir viel Glück!»

Borer skeptisch, Fürst und Zanetti begeistert

Der Kampf um die Ständerats-Ersatzwahl ist im grössten - mehr als 300 Millionen Nutzer und Nutzerinnen dürften es mittlerweile sein - Online-Kontaktnetzwerk «Facebook» angekommen. Fürst speist die von ihm gegründete Gruppe «Roland Fürst in den Ständerat» in Eigenregie. Für die Gruppe «Wir wählen Roberto Zanetti!» ist ein treuer Zanetti-Wahlkampfhelfer zuständig. Borer dagegen erfuhr von Bekannten ob seiner Präsenz auf «Facebook». Wer dahinter steckt - trotz einiger Anstrengungen - weiss er nicht.

«Es interessiert mich auch nicht», sagt Roland F. Borer. Für den SVP-Kandiaten ist klar: «In Facebook tummeln sich viele Betrüger.» Deshalb habe er auch nicht vor, bei diesen Übungen künftig mitzumachen, sonst würde er ja die Spielregeln akzeptieren, so Borer. Doch ereilt ihn gegenüber seinen zwei Kontrahenten nicht ein Nachteil? «Das muss ich halt einfach akzeptieren», erklärt der Nationalrat wenig beeindruckt. CVP-Kontrahent Roland Fürst dagegen schwingt schon fast ein Loblieb auf «Facebook»: «Es ist ein geniales Medium, schnell und günstig.»

Fürst sieht vor allem die Chance, gezielt junge Leute zu erreichen. «Facebook ist wenig stur, sondern locker, womit man eine ganz andere Wählerschaft erreicht als beispielsweise mit Inseraten», ist Fürst überzeugt. Der CVP-Kandidat hält seine Fans und potenziellen Wähler und Wählerinnen - darunter auch die beiden FdP-Politiker Andreas Gasche und Marco Lupi - ständig auf dem Laufenden. «Eine aktuelle Seite mit Stil ist mir wichtig.»

Auch SP-Ständerats-Kandidat Roberto Zanetti glaubt, dank seiner «Facebook»-Präsenz Leute zu erreichen, die er sonst nicht erreichen würde. «Es ist einleuchtend, warum man da mitmachen sollte», meint er. Die Seite ist laut ihm zwar einerseits ein zusätzlicher Stressfaktor, andererseits aber auch eine Motivationsspritze. Zanetti beantwortet und kommentiert von seinem privaten Profil aus nahezu alle direkt an ihn gerichteten Nachrichten auf der Pinnwand. Klar, das beansprucht Zeit, doch «wenn ich nach einem anstrengenden Wahlkampftag nach Hause komme, sind die vielen Meldungen ein Aufsteller und motivieren mich.»

Bislang nur Positives erlebt

Roberto Zanetti wie Roland Fürst haben bisher nur gute Erfahrungen mit ihren «Facebook»-Fan-Gruppen gemacht. Roland F. Borers grundlegende Skepsis erübrigt ein Urteil. Zanetti wie Fürst geben die Mitgliederzahlen recht: Während Zanettis Gruppe kontinuierlich anwächst und mittlerweile 724 «Befürworter» zählt (Stand 20.11.09 17 Uhr), outen sich 439 als Anhänger von Fürst.

«Auch wenn es einige Gruppenmitglieder hat, die noch gar nicht wählen können, hoffe ich, dass die meisten dann auch wirklich für mich an der Urne wählen», sagt Zanetti. Fürst weiss aus eigener Erfahrung, dass ein solcher Auftritt gut ankommt. Der CVP-Exponent hat auch schon in der Vergangenheit auf «Facebook» gesetzt. «Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv.» Zanetti hat dieses Wahlkampfmittel zum ersten Mal ergriffen. Fürst und Zanetti betreiben zudem ein privates Profil.

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