Kurzinterview Martin Köchli
Wahlfach Glück: Wir wollen den Regierungsrat «gluschtig» machen

Drei Grüne Grossräte beantragen die Einführung des Wahlfachs «Glück» für Aargauer Schülerinnen und Schüler. Im Unterricht sollen gemäss Martin Köchli wichtige Werte fürs Leben vermittelt werden.

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Martin Köchli

Martin Köchli

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein solches Postulat einzureichen?

Martin Köchli: Ich beschäftige mich schon seit längerer Zeit mit diesem Thema. In unserer Gesellschaft gehen wichtige Grundwerte im Bereich der Sozialkompetenzen verloren. Vieles dreht sich nur noch ums Materielle. Dann habe ich in einer Zeitung über diesen "Glück"-Unterricht gelesen. Dieser findet in Deutschland schon seit zwei Jahren mit Erfolg statt. Wieso also nicht auch bei uns? Mit unserem Postulat wollen wir den Regierungsrat «gluschtig» machen. Sozusagen eine «ansteckende Gesundheit» auslösen. Wir müssen neu lernen, was Glück ist, und das auch ernst nehmen. Damit bei den Jungen anzufangen, scheint mir richtig.

Wie genau soll der «Glück»- Unterricht aussehen?

Köchli: Verschiedene Fachleute werden mit den Schülerinnen und Schülern zu Themen wie beispielsweise Selbstwert, Selbstbild, Freude am Leben, Freude an der eigenen Leistung arbeiten. Den Jugendlichen soll eine Kompetenz im Umgang mit den vielen vermeintlichen «Glücklich-Machern», also von Konsumgütern bishin zu Sekten, vermittelt werden. Sie sollen lernen, bewusst zu entscheiden.
Ich stelle mir dabei Lehrpersonen mit einer gewissen Lebenserfahrung vor. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn die Schülerschaft auch Lust auf diesen Unterricht hat. Als Vorbild können wir eine Heidelberger Schule nehmen, die ihren Unterricht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut hat.

Wieso soll der Unterricht nur auf der Oberstufe stattfinden?

Köchli: Ich habe mit einer Kindergärtnerin gesprochen. Ganz einfach: Die Kleinen brauchen einen solchen Unterricht nicht. Sie wissen, was sie tun müssen, um glücklich zu sein. Jugendliche hingegen, die auf den Weg des Erwachsenwerdens einbiegen, brauchen Unterstützung. Sie wissen gar nicht mehr, nach was sie suchen. Die Glücksbeschaffung wird häufig in die Freizeit verlegt oder mit Materiellem befriedigt.

Wie soll das Ganze finanziert werden?

Köchli: Hier argumentiere ich wie ein Bauer: Man kann schon säen, wenn man die Aussicht auf eine reiche Ernte hat. Von den besseren Sozialkompetenzen profitieren die Gesellschaft und auch die Arbeitswelt. Zudem würden wir ja klein anfangen. Mit ganz wenigen Stunden. (skh)