Wahlcouverts bilden Konfliktherd

Im Keller der Stadtverwaltung stellen Pensionierte die Couverts zusammen. (Bild: Urs Byland)

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Im Keller der Stadtverwaltung stellen Pensionierte die Couverts zusammen. (Bild: Urs Byland)

Morgen Samstag erhalten Grenchner Bürgerinnen und Bürger das Stimmmaterial für die Gemeinderatswahl vom 17. Mai. Die 10 000 Postsendungen sorgen zwischen der städtischen Verwaltung und der Post für dicke Luft.

Brigit Leuenberger

«Früher war es einfacher», sagt Roland Schär. Der Chef der Grenchner Einwohnerkontrolle ist dafür verantwortlich, dass sämtliche Wahlunterlagen zur richtigen Zeit in den Briefkästen der städtischen Bevölkerung liegen. Früher, so erklärt er, seien die Briefsendungen etappenweise von den Postangestellten per Töffli bei der Stadtverwaltung abgeholt und sogleich vertragen worden. Ein eingespieltes Team von Seniorinnen und Senioren sorgte dafür, dass das Wahlmaterial nicht nur verpackt, sondern auch nach Strassenzügen sortiert wurde.

Dem ist nun nicht mehr so. Seit der Eröffnung des Verteilzentrums in Härkingen funktioniert das Zusammenspiel zwischen der lokalen Poststelle und der Stadt nicht mehr. «Es wurde ihnen verboten, die Unterlagen bei uns zu holen», weiss Roland Schär. Die 10 000 Wahlcouverts müssten jetzt in Rollboxen gesammelt werden. Sind diese verpackt, fährt ein Lastwagen vor, der die Ladung nach Härkingen bringt.

Dort wird sie sortiert und anschliessend wieder nach Grenchen gebracht, wo sie an einem einzigen Morgen verteilt werden muss. «Wir finden diesen Umweg unnötig», betont Stadtschreiber François Scheidegger. Für die Stadt käme das Ganze teurer, weil sie die Couverts mit einer A-, statt wie zuvor mit einer B-Post-Marke versehen muss. «Für die Post ist das Ganze stressiger, weil sie innert 24 Stunden alle Sendungen verteilen muss. Wobei Letzteres natürlich nicht unser Problem ist.»

Andere Gemeinden sind speditiver

Anders sieht das Oliver Flüeler. Der Mediensprecher der Post lokalisiert das Problem nicht bei der Neuorganisation mit dem Verteilzentrum. «Das Problem liegt bei der Stadt Grenchen», hält er fest. Die Grenchnerinnen und Grenchner seien im Kanton stets die Letzten, die ihre Wahlunterlagen erhielten. «Alle anderen Gemeinden schaffen es offenbar, das Material speditiver zu verarbeiten.» Die Post sei durchaus interessiert daran, die Briefsendungen der Stadt Grenchen früher zu erhalten. «Wir hätten dann auch günstigere Angebote, etwa die B1-Post, die innert dreier Tage, oder die B2-Post, die innerhalb von sechs Tagen zugestellt wird. Dies gäbe den Postangestellten natürlich mehr Freiheit», räumt er ein.

Die Post habe jedoch gar keine Probleme damit, die 10 000 Briefsendungen innert eines Tages zuzustellen. Und auch auf die Frage, ob ein Transport von Grenchen nach Härkingen und zurück ökologisch gesehen Sinn macht, hat Oliver Flüeler eine Antwort: «Kein Lastwagen hat ausschliesslich Briefe geladen, die wieder nach Grenchen gehen.» Der Postsprecher rät der Stadt, «die Wahlunterlagen früher anzufordern, damit das Zeitfenster zum Verpacken grösser wird».

Mehr Stress für die Pösteler

Die Aussagen von Oliver Flüeler ärgern Roland Schär. «Das Ganze ist keineswegs unsere Schuld, sondern ein Problem der Post», betont er. Grenchen sei eine grosse Gemeinde. Das Einpacken solcher Mengen beanspruche mehr Zeit als bei kleineren Gemeinden. «Wir müssen dafür sogar zusätzliches Personal einstellen.» Zudem stelle die Staatskanzlei das Wahlmaterial allen Gemeinden zur gleichen Zeit zur Verfügung, nämlich genau eineinhalb Wochen vor dem effektiven Abgabetermin. «Das Zeitfenster können wir nicht vergrössern. Und mehr als acht Personen können wir nicht beschäftigen. Dazu fehlt uns der Platz.»

Bei der ganzen Angelegenheit, so Roland Schär, habe er vor allem mit den lokalen Postangestellten Bedauern. «Auch wenn es von oben heisst, dass alles kein Problem ist, so gibt es für die Pöstler doch viel Stress und Mehrarbeit am Samstag.» Beim lokalen Poststellenleiter, Mario Zambetti, gibt es dazu allerdings keine Auskunft. «Sie sollten darüber überhaupt keinen Artikel schreiben», ist das Einzige, was er dazu zu sagen hat.

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