Waffeninitiative

Waffeninitiative: Doch nicht das Ende des Schiesssports?

Die Behauptung, die Armeewaffe würde bei einer Annahme der Waffenschutzinitiative als Sportgerät verboten, ist irreführend - das sagen zumindest die Befürworter des Volksbegehrens.

In einem Land, das einen Armbrust-Schützen als Nationalhelden feiert, wäre ein Verbot des Schiesssportes undenkbar. Just dies prophezeit das Nein-Komitee zur Waffeninitiative für den Fall, dass das Volksbegehren am 13.Februar an der Urne durchkommen sollte.

«Die Initiative verbietet das private Schiessen mit Armeewaffen, obwohl rund 80 Prozent des Schiesssports mit Ordonnanzgewehren absolviert werden», erklärte Jakob Büchler (CVP, SG), Präsident der Sicherheitskommission des Nationalrates, gestern in Bern an einer Pressekonferenz.

Ihre Sorge um das Schiessen als Breitensport begründen die Initiativgegner mit Artikel 2 und 4 der Verfassungsvorlage: Erstens verlangt die Waffeninitiative, dass jeder Sportschütze einen Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis erbringen muss, sofern er eine Waffe besitzen und benützen will.

Zweitens sieht das Begehren vor, dass Ordonnanzwaffen ausserhalb des Militärdienstes in gesicherten Räumen der Armee aufbewahrt werden müssen.

«Ausnahmen» verschwiegen

Wohlweislich erwähnen die Gegner nicht, dass der Initiativtext in Artikel 4 auf Gesetzesebene «Ausnahmen» vorsieht – «namentlich für lizenzierte Sportschützen».

In einem Gastbeitrag für die Online-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» bekräftigte SP-Nationalrätin und Initiantin Chantal Galladé jüngst, dass «Schützen, Jäger und Sammler von der Initiative ausgenommen sind».

Dessen ungeachtet wagte Sicherheitspolitiker Büchler gestern die Behauptung, dass Sportschützen wie alle übrigen Soldaten ihre Armeewaffe nach einem Volks-Ja extern einlagern müssten. Mit der Folge, dass «Schützenfeste nicht mehr durchgeführt» werden könnten, so Büchler.

Ebenso eindringlich warnt Dora Andres, Präsidentin des Schweizer Schützenverbandes (SSV): Sie rechnet nach einem Volks-Ja mit dem «Aus für 85 Prozent aller Schützen, die heute diesen Sport mit der Armeewaffe betreiben». Sie beruft sich auf eine angebliche Aussage der Zürcher Alt-Nationalrätin Rosmarie Zapfl (CVP, ZH), wonach das Sturmgewehr nach Annahme der Initiative «eine moderne Kriegswaffe» und «kein Sportgerät für den Präzisionsschuss auf 300 Meter» sei.

Die Initiativbefürworterin dementiert: «Für mich darf die Armeewaffe ein Sportgerät bleiben», sagt Zapfl. Im Militärschützenverein habe sie «auch schon mit einer Ordonnanzwaffe geschossen».

«Immense Bürokratie»

Einen weiteren Grund für das drohende Ende der Schützentradition erkennen die Gegner im Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis, den die Waffeninitiative verlangt. Dora Andres spricht von einem «klaren Misstrauensbekenntnis» gegenüber den Schützen – «die zusätzliche Bürokratie wäre immens».

Auch dieses Argument scheint weit hergeholt: Laut Nationalrat Josef Lang (Grüne, ZG) trafen sich Vertreter des Initiativkomitees im Sommer 2009 mit der damaligen SSV-Präsidentin Rita Fuhrer in Zürich, «um zu klären, was ein Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis ist», so Lang.

«Unsere Schlussfolgerung war, dass wir eine gängige Schützenlizenz als Fähigkeitsnachweis akzeptieren würden.» Als Bedarfsnachweis sei zudem die Mitgliedschaft in einem Schützenverein ausreichend. Lang räumt ein, dass die Lizenz-Hürde damit «nicht gerade hoch» sei: «Am Ende würden sowieso Bürgerliche über das Ausführungsgesetz entscheiden. Sie werden kaum weiter gehen, als diese Lizenz zu verlangen.»

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