Gotthard-Basistunnel
Vorsicht bei Testfahrten mit Güterzügen

Fast 1600 Testfahrten hat die Alptransit AG im neuen Tunnel bereits durchgeführt – die Testfahrten mit Güterzügen aber wurden deutlich reduziert

Gerhard Lob, Erstfeld
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Noch 80 Tage, dann gehts los im Gotthard-Basistunnel: Journalisten an der Multifunktionsstelle von Sedrun.

Noch 80 Tage, dann gehts los im Gotthard-Basistunnel: Journalisten an der Multifunktionsstelle von Sedrun.

Arnd Wiegmann/reuters

Die offizielle Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, des mit 57 Kilometer längsten Bahntunnels der Welt, naht. Am 1. Juni ist es so weit. Das sind noch gut 80 Tage. «Wir werden bereit sein zur Schlüsselübergabe an die SBB, auch wenn das Erreichen dieses Ziels anspruchsvoll bleibt», sagte gestern Renzo Simoni, Geschäftsführer der Alptransit Gotthard AG (ATG). Die Bauherrin des Gotthard-Basistunnels hatte rund 50 Medienschaffende aus dem In- und Ausland nach Erstfeld eingeladen, um über den Testbetrieb zu informieren und nochmals eine «letzte Fahrt» in den Tunnel zu ermöglichen. Der Testbetrieb unter Federführung der ATG läuft im Moment auf Hochtouren; ab dem Eröffnungstag werden die SBB den Tunnel dann im Probebetrieb führen, bis am 11. Dezember die fahrplanmässige Inbetriebnahme erfolgt.

57 Kilometer lang ist der neue Gotthard-Basis-Tunnel.
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17 Jahre dauerte die Gesamtbauzeit.
Bislang verlief der Testbetrieb im Gotthard ohne Probleme.
Bis zu 2400 Arbeiter und Arbeiterinnen arbeiteten am Jahrhundertbauwerk.
Die Heilige Barbara wacht über die Sicherheit der Arbeiter.
3500 Testfahrten sollen bis Ende Mai durchgeführt werden.
Klaustrophobie-Alarm? Auch für Herznotfälle ist bei der Medienorientierung gesorgt.
28,2 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial fiel beim Bau des Tunnels an.
Das Medieninteresse ist gross.
Sammelstelle bei einem Notfall.

57 Kilometer lang ist der neue Gotthard-Basis-Tunnel.

Keystone

67000 gefahrene Testkilometer

Die Bilanz zum bisherigen Testbetrieb fällt positiv aus. Im Oktober 2015 wurden die Fahrten aufgenommen und ohne grössere Zwischenfälle während fünf Monaten durchgeführt. Bisher wurden fast 1600 Testfahrten mit 67 000 gefahrenen Testkilometern bewältigt. Weitere 2000 Fahrten sind geplant. Fahrbahn, Stromversorgung, Tunnelleittechnik, Zugsicherung und viele weitere Dinge werden auf Herz und Nieren geprüft. Ein von der Deutschen Bahn gemieteter ICE-Messzug wurde bis auf 275 km/h beschleunigt. Dies war nötig, um die Zulassung für die im Tunnel zulässige Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zu erhalten. Um 10 Prozent nämlich muss dieses Limit im Test überschritten werden.

Nur in einem Nebensatz erwähnt wurde anlässlich der offiziellen Präsentationen, dass die geplanten Testfahrten mit Güterzügen deutlich reduziert wurden. Was ist der Grund? «Bei Güterzügen wissen wir nicht genau, ob Gefahrengut geladen ist», antwortete Christopher Kennepohl, Leiter Betriebsprozesse von Alptransit. Bei der Rettungsübung «Gottardo» vom Januar habe man daher auf einen Güterzug mit verladenen Lastwagen und Chauffeuren – die sogenannte Rollende Landstrasse (Rola) – umgestellt. Einer dieser Camions hatte allerdings auch Gefahrengut geladen. 95 Prozent der Testfahrten verliefen laut ATG weitgehend problemlos, ebenso Prozesstests, Fahrzeugtests, und Rettungsübungen.

Die Strecke vom Nordportal in Erstfeld bis zur Multifunktionsstelle (MFS) Sedrun beträgt rund 20 Kilometer. Dank einer Geschwindigkeit von 200 km/h brauchte der Zug bei der Medienfahrt nur wenige Minuten. Die MFS in Sedrun erwies sich dann als wahres Labyrinth, in dem man leicht die Orientierung verlieren kann. Grüne Leuchtanzeigen signalisieren den Fluchtweg im Falle einer Evakuierung. Für Gehbehinderte stehen Rollstühle bereit, um den mehr als einen Kilometer langen Fluchtweg in die Gegenröhre zu bewältigen.

In den Kavernen sind zahlreiche technische Räume untergebracht, die klimatisiert werden müssen. Zwei vertikale Schächte verbinden die MFS mit der Erdoberfläche in Sedrun. Der 800 Meter hohe Schacht I dient unter anderem als Frischluftkanal für den Gotthard-Basistunnel. Ein Mini-Kraftwerk wird aus den Schmutzwasserleitungen im Entwässerungstrennsystem gespeist.

Keine Diskussion ums Catering

Die Multifunktionsstellen von Sedrun und Faido sind die einzigen Bereiche im Inneren des Tunnels, die videoüberwacht sind. Im Ereignisfall kann man so von der Betriebszentrale in Pollegio sehen, was sich in diesen Kavernen abspielt. Auf Wunsch der SBB wurden die Tunnelportale Nord und Süd mit Videokameras nachgerüstet. Grund sind Sicherheitsüberlegungen in Zusammenhang mit möglichen Anschlägen.

80 Tage fehlen. Alles scheint bereit zu sein für das grosse Fest. Nach den heissen Diskussionen um das Catering anlässlich des Hauptdurchschlags beim Ceneri-Basistunnel in diesem Januar, als eine Tessiner Firma italienischen Wein ausschenkte, und der Vergabe des Caterings für die Eröffnungsfeier am 1. Juni an ein Luzerner Unternehmen auch für die Tessiner Portalseite, schien sich gestern für einmal niemand an der Verpflegung durch die Alptransit Gotthard AG zu stören. Es gab nach der Besichtigungsfahrt italienischen Rotwein sowie Weisswein aus der Romandie zum Lunch.

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