Todesschütze

Vormund im Fall Daillon versagte und übersah alle Warnzeichen

Einwohner von Daillon gedenken der Opfer.

Einwohner von Daillon gedenken der Opfer.

Der Amokläufer von Daillon (VS), Florian B. , hat seit 2005 einen Vormund zur Seite. Beim Vormund handelt es nicht um einen Laien, sondern um eine Person, die zu 100 Prozent bei der Gemeinde Conthey (VS) angestellt ist.

Warum konnte Florian B. ungeachtet Waffen sammeln? Der Gemeindepräsident von Conthey, Christophe Germanier, nimmt den Angestellten gegenüber dem «Sonntag» in Schutz: «Es ist nicht möglich festzustellen, wer im Besitz einer Waffe ist und wer nicht.» Wie viele andere Mündel der Gemeindeangestellte betreute, will Germanier nicht sagen.

Doch in der Regel sind es sehr viele, wie Diana Wider sagt, die Generalsekretärin der Konferenz der Kantone für Kindes- und Erwachsenenschutz (KOKES). «Zwischen 80 und 100 Fälle betreut ein Vormund durchschnittlich», sagt sie zum «Sonntag». Ein Vormund habe pro Mündel und Jahr lediglich für drei bis fünf Gespräche Zeit. «Oft reicht das nur, um finanzielle oder soziale Probleme zu besprechen, nicht aber, um abzuklären, ob die jeweilige Person Waffen besitzt.»

Josef Sachs, Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie, nimmt die Vormundschaftsbehörden in die Pflicht: «Viele Behörden und Fachstellen sind heute noch zu wenig auf potenzielle Waffengewalt bei Klienten sensibilisiert.» Die Frage nach einem allfälligen Waffenbesitz gehe oft vergessen.

Um ein Gefahrenpotenzial zu erkennen, gäbe es durchaus Anzeichen. «Wenn psychisch angeschlagene Personen Drohungen aussprechen oder Waffen und Munition sammeln, dann sind das Alarmzeichen. Das Umfeld müsste aktiv werden und die Waffen einziehen», sagt Sachs dem «Sonntag». Wer psychisch angeschlagene Personen betreue, sei in den nächsten Jahren stark gefordert.

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