Solothurn
Vorläufig gilt ein Aufnahmestopp

Der Verein Tagesmütter Solothurn steckt in einer finanziellen Krise. Das in der Rechnung 2008 ausgewiesene Defizit von 25 362 Franken resultiert aus nicht kostendeckenden Betreuungsverhältnissen und zu tief budgetierten Verwaltungskosten und Sozialleistungen.

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Tagesmutter

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Aargauer Zeitung

KATHARINA ARNI-HOWALD

«Wir müssen ab sofort wirtschaftliches Denken und Handeln in den Vordergrund rücken», gibt Vereinspräsidentin Monica Cassidy Barth im Jahresbericht des rund 80 Mitglieder zählenden Vereins klar zu verstehen. Dieser bietet berufstätigen Eltern Betreuungsplätze in Form von Tagesmüttern an, die vertraglich angestellt sind und nach kantonalen Empfehlungen entlöhnt werden. Wäh-rend sich Solothurn, Langendorf und Feldbrunnen auf einen Zusammenarbeitsvertrag mit dem Verein geeinigt haben, weigerten sich bisher die anderen umliegenden Gemeinden, mit dem Verein vertraglich zusammenzuarbeiten und damit eine Defizitgarantie abzugeben, falls die Elternbeiträge nicht ausreichen.

Dies hatte nun Folgen. «Zwei Fünftel des Defizits entstanden aus Betreuungsverhältnissen mit Eltern aus nicht angeschlossenen Gemeinden und konnten nicht subventioniert werden», so Cassidy. «Das können wir uns in Zukunft ebenso wenig mehr leisten wie Geschwisterrabatte, die eine Kostendeckung verunmöglichen.» Während für die drei angeschlossenen Gemeinden der einkommensabhängige Tarif zwischen 2.50 und 9.50 Franken und die Geschwisterrabatte bestehen bleiben, gilt für Eltern von anderen Gemeinden ab sofort ein Stundenansatz von 12 Franken pro Stunde und Kind. Zudem hat der Vorstand einen vorläufigen Aufnahmestopp verfügt, bis sich die Lage stabilisiert hat und das bei der Stadt - sie deckt drei Fünftel der Betreuungsverhältnisse - eingereichte Gesuch um einen Nachtragskredit genehmigt ist.

Plötzlich waren viel mehr Kinder da

Für die Ende 2008 fehlende und zur Auszahlung der Löhne notwendige Liquidität sorgte der Vorbezug einer ersten Tranche der städtischen Subventionen für das Jahr 2009. In Ausarbeitung befindet sich zur Zeit auch eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt, die auf Beginn des Jahres 2010 zum Tragen kommen soll. «Dadurch wird die Positionierung des Vereins Tagesmütter innerhalb des gesamten Angebotes für familienergänzende Kinderbetreuung neu definiert», erklärt Monika Cassidy Barth.

Die finanziellen Probleme gingen einher mit einem sprunghaften Anstieg der zu betreuenden Kinder von 38 (2007) auf 60 (2008). 12 davon stammten aus nicht angeschlossenen Gemeinden. Als Folge musste die Zahl der Tagesmütter von 17 auf 26 erhöht werden. Vor allem die Betreuung von Babies habe stark zugenommen, stellen die Verantwortlichen fest.

Ob der Trend der familienexternen Betreuung in der Wirtschaftskrise unbegrenzt weiter geht, wagt die Präsidentin noch nicht schlüssig zu beantworten. «Es könnte sein, dass Mütter wieder vermehrt zu Hause bleiben müssen und sich selbst um die Kinderbetreuung kümmern», mutmasst die Ärztin für Kinderpsychiatrie. Nach einer längeren Vakanz konnte die Stelle «Aus- und Weiterbildung» wieder besetzt werden. Mit Cornelia Probst (Bellach) nimmt damit wieder eine Tagesmutter Einsitz im Vorstand.