Pensionskassen

Vorbezüge für Hauskäufe sinken - wegen strengerer Hypotheken-Vergabe

Ein Schild für eine Wohnungsbesichtigung: Innenminister Berset will verbieten, dass sich Schweizer Pensionskassenvermögen auszahlen lassen und das Geld für den Bau eines Hauses oder die Gründung eines Unternehmens ausgeben. (Symbolbild)

Ein Schild für eine Wohnungsbesichtigung: Innenminister Berset will verbieten, dass sich Schweizer Pensionskassenvermögen auszahlen lassen und das Geld für den Bau eines Hauses oder die Gründung eines Unternehmens ausgeben. (Symbolbild)

Neue Zahlen zeigen: 2012 zogen Schweizer 224 Millionen Franken weniger für den Kauf von Wohneigentum aus den Pensionskassen ab als 2010. Dennoch will Alain Berset Kapitalbezüge abschaffen.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Zahlen sprechen nicht für Alain Berset. Der Innenminister will verbieten, dass sich Schweizerinnen und Schweizer ihr obligatorisches Pensionskassenvermögen auszahlen lassen und das Geld für den Bau eines Hauses oder die Gründung eines Unternehmens ausgeben. Denn sonst, so Bersets Befürchtung, liegen viele von ihnen in späteren Jahren dem Steuerzahler auf der Tasche und beziehen neben AHV oder IV kostspielige Ergänzungsleistungen.

Ein Blick in die neueste Pensionskassenstatistik des Bundes für das Jahr 2012 zeigt jedoch, dass das Problem insbesondere bei den Vorbezügen für Wohneigentum weit weniger virulent ist, als man erwarten würde. So entnahmen Häuser- und Wohnungskäufer der zweiten Säule zwischen 2006 und 2010 jährlich konstant um die 2,2 Milliarden Franken. 2012 ging die Summe der Bezüge dann stark zurück: um gut zehn Prozent oder rund 224 Millionen Franken, von 2,19 auf 1,97 Milliarden. Die Zahlen für 2013 werden im Herbst publiziert.

Vorschriften zeigten Wirkung

Der Grund für den Rückgang im Jahr 2012 liegt laut dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in den verschärften Eigenmittelvorschriften für Neuhypotheken, welche die Banken im Juli desselben Jahres als Massnahme gegen die Überhitzung des Immobilienmarktes einführten.

Seither dürfen Eigenheimkäufer das notwendige Eigenkapital (in der Regel 20 Prozent des Kaufpreises) nur noch zur Hälfte aus ihrer Pensionskasse decken. Den Rest müssen sie in Form von «echten» Ersparnissen einschiessen. Personen mit wenig Vermögen sind dazu nicht in der Lage, womit sie einen Grund weniger haben, ihre zweite Säule anzuzapfen.

Ein BSV-Sprecher sagt, der Bundesrat sei trotz Rückgang überzeugt, dass die Abschaffung der Kapitalbezüge notwendig sei. Die Kantone berichteten immer wieder von «teilweise gravierenden» Einzelfällen – also von Personen, die sich ihr Pensionskassenvermögen auszahlen lassen und dann fahrlässigerweise verprassen.

Leichtes Wachstum

Zusätzlichen Schub dürfte die Debatte um Kapitalbezüge durch die gestern erfolgte Veröffentlichung der Statistik der Ergänzungsleistungen erhalten. Laut BSV bezogen letztes Jahr 300 700 Personen Ergänzungsleistungen. Die Ausgaben stiegen um 2,1 Prozent auf 4,5 Milliarden Franken – ein eher schwaches Wachstum. Im Durchschnitt betrugen die ausbezahlten Ergänzungsleistungen 1659 Franken pro Monat. Ob und wie stark der Vorbezug von Pensionskassenkapital zu einer späteren Abhängigkeit von Ergänzungsleistungen beiträgt, ist wissenschaftlich nicht geklärt.

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