Anschlag in Olten
Vor Attentat in Olten: Es gab Hinweise zu drei Anschlägen

Die Nervosität ist gross nach dem Anschlag in Olten. Die Kantonspolizei Solothurn fordert Firmen und der Atomindustrie nahestehende Personen auf, wachsam zu sein.

Christof Forster undBenno Tuchschmid
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Die Wucht der Detonation zerstörte den Bürotisch. keystone

Die Wucht der Detonation zerstörte den Bürotisch. keystone

Ob die Kantonspolizei Personen unter Polizeischutz gestellt hat? «Wenn wir es täten, würden wir es nicht sagen», sagt Andreas Mock, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn. Auch bei den Stromkonzernen gibt man sich zu den Massnahmen bedeckt.

Zwar haben Axpo, Alpiq und BKW ihre Sicherheitsmassnahmen verstärkt, über Details will man sich nicht äussern. «Wir haben eine ganze Palette von Massnahmen umgesetzt, auch beim Personenschutz», sagt BKW-Sprecher Antonio Sommavilla.

Verbindungen zu Camenisch

Ganz überraschend kam der Anschlag in Olten offenbar nicht für die Behörden. Am 29. März habe es Informationen gegeben, wonach drei Anschläge geplant seien, sagte gestern Carlo Bulletti, Verfahrensleiter der Bundesanwaltschaft. Er vermutet, dass die anarchistische Gruppierung FAI aus Italien nebst dem Attentat in Olten auch hinter der Bombenexplosion in Livorno steht, bei dem ein italienischer Soldat schwer verletzt wurde.

In Griechenland galt die Paketbombe einem Gefängnisdirektor. Sie konnte abgefangen werden. FAI steht für «Federazione Anarchica Informale» (siehe Artikel rechts). Ihre Mitglieder bezeichnen sich selbst als «Öko-Anarchisten». Es bestehen Verbindungen zum Schweizer Öko-Terroristen Marco Camenisch. Dieser sprengte Strommasten, erschoss einen Grenzwächter und sitzt seit langem im Gefängnis.

Von dort aus hat er einen Hungerstreik gemacht für die drei FAI-Mitglieder, welche ein Attentat auf das IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon geplant hatten. Das Kommando wurde im letzten April von der Kantonspolizei Zürich abgefangen und sitzt nun in Untersuchungshaft.

Nur aus Zufall noch am Leben

Mit dem Anschlag von Olten erreicht der politische Terrorismus eine neue Dimension. Die Bundesanwaltschaft war noch nie mit einer solchen Sprengwirkung konfrontiert. Welche Art von Sprengstoff verwendet wurde, konnte Bulletti nicht sagen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen laufen noch. Bereits klar sei, dass es sich um schnell detonierenden Sprengstoff handle.

Die Explosion hat praktisch das ganze Zimmer bis zur Deckenbeleuchtung zerstört. Im Holztisch klafft ein postkartengrosses Loch. Die Swissnuclear-Angestellte sei nur aus Zufall noch am Leben, sagte Bulletti: «Die Absicht ist nicht gewesen, jemandem Angst zu machen, sondern zu töten.» Die Bundesanwaltschaft wollte sich gestern nicht zum Zustand der verletzten Sekretärin äussern.

In einem auf Italienisch verfassten Schreiben, das dem Paket beilag, bekennt sich die FAI zum Anschlag. «Die Urheber sind Leute, welche die Welt mit Gewalt verändern wollen», sagte Bulletti. In einem langen Brief gehe es um Freiheitsgedanken und Vorstellungen, wie die Gesellschaft aussehen sollte. Mehr wollte der Staatsanwalt dazu nicht sagen: «Wir wollen diesen Leuten keine Plattform bieten.»