Der Moderator gab sich alle Mühe. «Sind Sie daran interessiert, das Departement zu wechseln?», fragte er in der RTS-«Tagesschau» am Sonntagabend gleich dreimal. Sein Gegenüber, Bundesrat Alain Berset, liess jedoch alle Versuche, ihn zu einer eindeutigen Aussage zu verleiten, an sich abprallen. «Ich fühle mich sehr wohl im Innendepartement und es stehen noch viele Projekte an. Wir werden diese Diskussion im Bundesrat führen», sagte er.

Berset wand sich derart diplomatisch, dass es stilistisch als Bewerbungsschreiben fürs Aussendepartement durchgegangen wäre (in jungen Jahren hatte der Freiburger die Prüfung zur Diplomatenausbildung absolviert). Eine inhaltliche Deutung ist ungleich schwieriger. Zwar gab er kein klares Versprechen ab, im Innendepartement verbleiben zu wollen, eindeutige Wechselgelüste liess er wie schon in den vergangenen Wochen aber auch nicht durchblicken.

Der Zeitpunkt ist brisant: Am Mittwoch wird das neue Mitglied des Bundesrats vereidigt, am Freitag steht aller Voraussicht nach die Departementsverteilung an und am Sonntag findet eine der wichtigsten Abstimmungen der Legislatur statt – die Reform der Altersvorsorge, die Berset verantwortet und seit Monaten auf allen Kanälen verteidigt.

Was Toni Brunner gestern gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» sagte, ist deshalb vor diesem Hintergrund zu verstehen. Der frühere SVP-Präsident hofft auf ein Scheitern der Vorlage – und den Abgang Bersets aus dem EDI. Der SP-Bundesrat habe es bei der parlamentarischen Debatte der Rentenreform versäumt, eine Brücke zu bauen, kritisierte er. Im Falle einer Niederlage könne Berset innert nützlicher Frist keine weiteren Reformen anpacken – weshalb «wir mit ihm vor mehreren verlorenen Jahren stehen».

Doch erhebt die SVP überhaupt Anspruch aufs Innendepartement? Fraktionschef Adrian Amstutz verweigert jeden Kommentar – und so gibts in der Partei noch keine einhellige Meinung. «Ich fände es falsch, wenn Guy Parmelin das VBS nach nicht einmal zwei Jahren im Amt abgäbe», sagt der Zürcher Nationalrat Roger Köppel. «Man würde ihm dies zu Recht als Flucht auslegen.» Auf einen Wechsel drängt hingegen der Bündner Nationalrat Heinz Brand: «Wenn möglich, soll Parmelin das Justiz- oder das Innendepartement übernehmen», sagt er. «Die SVP muss endlich Verantwortung im Asyl- und Ausländerbereich übernehmen und den Beweis erbringen, dass sie in Schlüsseldepartementen zu einer wirksameren Politik fähig ist als die Linke.» Bloss: Weder Köppel noch Brand gehen davon aus, dass Berset überhaupt wechselwillig ist.

Pfister: «Berset bleibt»

Auch in anderen Parteien glaubt man nicht, Berset hege ernsthafte Ambitionen, gerade jetzt das EDA zu übernehmen. Die Tatsache, dass die Departemente wohl wie geplant noch diese Woche verteilt würden, spreche klar für einen Verbleib des Innenministers, sagt CVP-Präsident Gerhard Pfister. Denn: «Würde sein Wechsel noch vor der AHV-Abstimmung verkündet und ginge diese knapp verloren, würde ihm die Niederlage angelastet.» So oder so hält es der Zuger für besser, wenn das Aussendepartement in Händen der Mitte-Parteien bleibt. «Nur ein FDP- oder ein CVP-Bundesrat kann den erfolgreichen bilateralen Weg glaubwürdig vertreten.»

Ähnlich sieht es der Aargauer FDP-Ständerat Philipp Müller: Zwar sei sein «Traumszenario», dass die SVP die beiden Departemente mit dem stärksten aussenpolitischen Bezug – also das EDA und das EJPD – übernehme, weil sie dann «endlich einmal» Verantwortung übernehmen müsste. «Doch das ist weder realistisch noch konstruktiv. Deshalb begrüsse ich es, wenn das Aussendepartement in FDP-Hand bleibt.» Die aussenpolitische Achse sei in den letzten Jahren ohnehin über den Freisinn und die SP gelaufen.

Levrat: «Unanständige Attacke»

Wenn Berset wie erwartet am Innendepartement festhält, dürfte also alles beim Alten bleiben: Parmelin wird kaum ins EDA wechseln wollen, Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann werden spätestens 2019 zurücktreten, und Ueli Maurer hat vor erst 22 Monaten das Finanzdepartement übernommen und entsprechend kaum Wechselgelüste. Simonetta Sommaruga schliesslich dürfte warten, bis sie nach Leuthards Rücktritt ins beliebte Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsdepartement wechseln kann.

Toni Brunners Angriff auf Berset dürfte daher vor allem von der Hoffnung genährt sein, Unruhe ins Lager der AHV-Befürworter zu bringen. Das sieht auch SP-Chef Levrat so: «Die Attacke ist unanständig, unschweizerisch und von einer seltenen Arroganz.» Die Absicht dahinter sei fadenscheinig: Die SVP wolle kurz vor der Abstimmung Bundesrat Berset destabilisieren.

Kurz: Es würde nicht verwundern, wenn die nächsten drei Tage weniger Überraschungen mit sich brächten, als sich manch einer erhofft. Sprich: Der Tessiner Ignazio Cassis wird in den Bundesrat gewählt – und eine Departements-Rochade in der Landesregierung bleibt aus.