So viele Regierungsräte an einem Ort - das habe er noch nie erlebt, sagte Bundesrat Moritz Leuenberger bei der Eröffnung der A4 in Affoltern. Es kamen 10 aus mehreren Kantonen. Unter den 200 eingeladenen Gästen marschierten neben Vertretern der Ämtler Gemeindebehörden vor allem solche auf, die sich während Jahren mit dem umstrittenen Autobahnteilstück befasst haben: Kantonsingenieur Felix Muff und einer seiner Vorgänger Georges Pleisch sowie Ingenieur Jean Thiry, der die N4 im «Anzeiger» als «mein Lebenswerk» bezeichnete. Sein Nachfolger, Paul Meili, war natürlich auch da; auch er hat sich inzwischen aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen.

Längst zurückgezogen hat sich der ehemalige LdU-Nationalrat Walter Biel, der in den 80er-Jahren die nach ihm benannte nationalrätliche Kommission präsidierte und die geplanten Autobahnteilstücke unter die Lupe nahm. Ihn sah man in angeregter Unterhaltung mit alt Nationalrat Rolf Hegetschweiler, der während vieler Jahre an vorderster Front für die A4 kämpfte - und an der Eröffnung auf einen Kämpfer gegen die Autobahn im Säuliamt traf: Hans Rudolf Haegi.

Alt Ständerat und alt Regierungsrat Hans Hofmann liess sich den Eröffnungsakt ebenfalls nicht entgegen. Als Regierungsrat, der nach eigenen Aussagen mit der Baudirektion «einen Gemischtwarenladen» führte, erteilte er 1996 mit dem Spatenstich grünes Licht für den Bau der Westumfahrung. Sein Wunsch, Westumfahrung/Üetlibergtunnel und A4 gemeinsam zu eröffnen, ging dann nicht in Erfüllung.

«Ich sage besser nichts», sagte ein ungenannt sein wollender Amtsträger aus dem Säuliamt, als er die frühere Zürcher Baudirektorin Dorothée Fierz begrüsste. Und sie antwortete: «Ich bin froh...». Fierz hatte sich damals gegen den Bau der Autobahnraststätte gestemmt und zog den Zorn der Macher auf sich. Längst vergessen: Sie bewegte sich frei auf dem Raststättenareal ... Und genoss zusammen mit den 200 Gästen das Mittagessen: Geschmorte Kalbsschulter, zu der auch Wein serviert wurde - etwas, das es seit der ordentlichen Inbetriebnahme der Raststätte dort nicht mehr gibt. Dieses lukullische Mahl liess sich Bundesrat Moritz Leuenberger entgehen. Der Verkehrsminister machte sich aus dem Staub, nachdem er den Journalisten für ergänzende Gespräche sowie Interviews zur Verfügung stand und einen Liveauftritt in der 13-Uhr-Tagesschau des Schweizer Fernsehens hinter sich gebracht hatte. Er wurde von Affolterns Gemeindepräsidentin Irene Enderli in ihrer Ansprache im Rahmen des Mittagessens trotzdem begrüsst - mit unüberhörbar leicht ironischem Unterton... Zwischen Mittagessen und Dessert der Blick durch die Fensterfront: Die ersten Autos auf der A4.