Gotthard-Durchstich
Von der Gepeinigten zur Heiligen - die Schutzpatronin Barbara

Sie beschützt die Mineure unter Tag, doch ihr Leben selbst war erfüllt von Peinigung und Marterung. Barbara, die Schutpatronin der Bergleute, passierte heute als erste den Spalt nach dem Durchstich am Gotthard.

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Keystone

Nein, ihr Leben war nicht schön, dafür umso mystischer. Das Leben der Schutzpatronin Barbara. So waren es heute weder Mineure noch Politiker oder Medienschaffende, welche als erste den Spalt nach dem Durchstich am Gotthard passierten. Die Ehre wurde ebendieser Barbara zu Teil. Der 56-jährige Polier Hubert Bär trug die Statue der heiligen Figur, der Schutzpatronin der Bergleute, von Süd nach Nord.

So umsorgt und gefeiert wie am heutigen Tage wurde die heilige Barbara zu ihren Lebzeiten nicht. Im Gegenteil: Barbara von Nikomedien war eine christliche Jungfrau, Märtyrerin und Heilige, die im 3. Jahrhundert gelebt haben soll, deren Existenz aber historisch nicht gesichert ist.

Marterung und Peinigung

Der Legende nach war Barbara eine sehr schöne und kluge junge Frau, so dass viele Männer aus Nikomedia um ihre Hand anhielten. Barbara aber wollte nicht heiraten und wies die Verehrer zurück. Die junge Frau besuchte eine Gruppe junger Christen, die sich trotz der Christenverfolgung durch den Kaiser heimlich trafen. Barbara lernte dort das Evangelium kennen und kam zu der Erkenntnis, dass sie Christin werden wollte. Barbaras Vater versuchte sie von der Außenwelt abzuschirmen und sperrte sie in einen eigens dafür gebauten Turm. Hauptgrund für das Einsperren des Mädchens war der verzweifelte Versuch des Vaters, Barbaras Hinwendung zum Christentum zu verhindern.

In der Abgeschiedenheit ihres Gefängnisses bekannte Barbara sich gegen den Willen des Vaters zum Christentum. Der Vater versuchte, sie mit Marterungen und Peinigungen umzustimmen, doch dies bestärkte sie noch in ihrem Glauben. Barbara konnte in einen Felsspalt fliehen, der sich wie durch ein Wunder vor ihr öffnete. Sie wurde dennoch von einem Hirten verraten. Der römische Statthalter Marcianu verurteilte sie sodann zum Tode. In der Stadt wurde sie schliesslich so grausam misshandelt, dass ihre Haut am Ende in Fetzen vom Körper hing. In der Gefängniszelle erschien ihr Christus und heilte ihre Wunden.

Der erbitterte Statthalter liess sie nun in der Öffentlichkeit mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln foltern. Vor ihrem Tod betete Barbara, daraufhin erschien ein Engel und hüllte sie in ein schneeweiss leuchtendes Gewand. Letztendlich enthauptete der grausame Vater seine Tochter selbst. Er wurde kurz darauf vom Blitz getroffen und verbrannte.

Ein Symbol der Standhaftigkeit

Die heilige Barbara gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit. Auf Bildern wird sie oft mit ihrem Attribut, dem Turm, dargestellt. Die Beziehung der Heiligen Barbara zum Bergbau wird durch das Motiv des Felsens dargestellt, der sich öffnet und Barbara verbirgt. Der Blitzschlag kann unter anderem auch auf die Gefahren unter Tage hinweisen.

Ausserdem soll die Heilige vor einem unerwarteten und jähen Tod schützen - ein weiterer Bezugspunkt zum Bergbau. Daher sind in vielen Bergwerken Schreine eingerichtet, in denen die heilige Barbara dargestellt ist. (sza)