Er ist Michael Laubers Mann für spezielle Fälle. Tobias Kauer, langjähriger Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte. Schlagzeilen machte Kauer zuletzt beim Betrugsfall um den mittlerweile verstorbenen Financier Dieter Behring. Als Bundesanwalt Lauber seine «Fokussierungsstrategie» einleitete, übernahm Kauer das Dossier vom vormaligen Leiter Werner Pfister.

Die neue Strategie bestand darin, den Grossteil der Vorwürfe gegen Behrings Mitbeschuldigte inklusive den Vorwurf des Anlagebetrugs fallenzulassen. Resultat war, dass nur Behring vor Gericht kam und dort verurteilt wurde. Bis heute sind im Fall mehrere 100 Millionen an abgezweigten Kundengeldern aus dem Betrugsschema verschwunden. Behring fühlte sich von Kauer ungerecht behandelt und beteuerte immer, das noch fehlende Geld sei nicht bei ihm, sondern bei seinen ehemaligen Mitbeschuldigten.

Von Behring zur Fifa

Jetzt soll Kauer nach Informationen dieser Zeitung einen neuen heissen Auftrag von Lauber erhalten haben: Ihm sei die Leitung der Fifa-Taskforce der Bundesanwaltschaft (BA) übertragen wollen, sagen Insider.

Die Taskforce braucht einen neuen Chef, weil der letzte laut einem Entscheid des Bundesstrafgerichts wegen Befangenheit in den Ausstand muss. Im gleichen Entscheid wurde auch festgehalten, dass Lauber selbst seit März 2016, seinem ersten bisher bekannten Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino, befangen ist. Die Fifa-Strafverfahren der BA sind damit nachhaltig beschädigt.

Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zur neuen Leitung ihrer Taskforce und zur Personalie Kauer äussern. Man habe in einer Mitteilung in der Vorwoche gesagt, was zu sagen sei.

Wieder einer mit Fifa-Nähe

Aber laut informierten Kreisen innerhalb der Bundesanwaltschaft soll auch der neue Taskforce-Chef Kauer kein unbeschriebenes Blatt sein im Fifa-Zusammenhang. So heisst es, der altgediente Staatsanwalt aus Zürich habe im Gespräch mit Kollegen einst selbst mit einem Posten in der Fifa geliebäugelt. Es wird auch ihm also eine gewisse Nähe zum Weltfussballverband nachgesagt.

Weiter wird erwähnt, dass Kauer einst Dozent für Wirtschaftskriminalität am Competence Center Forensik und Wirtschaftskriminalität (CCFW) an der Hochschule Luzern war. Einer seiner Studenten dort war gemäss den Quellen der ehemalige Chefermittler der Fifa-Ethikkommission, Cornel Borbély. Dieser wurde 2017 von Infantino abgesetzt. Borbély war später Mitglied der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA).

Borbélys ungeklärte Rolle

Borbélys Name fiel zuletzt unter anderem auch im Zusammenhang mit der Strafanzeige, die Lauber im Herbst 2018 gegen seinen Chef Wirtschaftskriminalität Olivier Thormann eingereicht hatte. Borbély hatte Lauber Material gegen Thormann geliefert. Borbély wiederum stützte sich auf Informationen von Marco Villiger, ehemaliger Chefjurist der Fifa. Das Verfahren gegen Thormann war allerdings ein erstaunlich wuchtiger Schuss in den Ofen: Wenig später wurde es eingestellt, weil strafrechtlich an den Vorwürfen nichts dran war.

Für Beobachter verdeutlicht die Einsetzung von Kauer aber auch: Die Bundesanwaltschaft hat ein Personalproblem. Verschiedene Ermittler fallen wegen bereits festgestellter oder absehbarer Befangenheit im Fifa-Verfahren aus. Zudem haben in den letzten Jahren viele erfahrene Staatsanwälte die Bundesanwaltschaft verlassen. Manche gingen wegen Lauber, andere wurden von ihm nicht wiedergewählt.

Viertes Treffen?

Inzwischen machen Treffen von Bundesanwalt Michael Lauber mit der Fifa weitere Schlagzeilen. Bisher gilt als gesichert, dass sich Lauber ab März 2016 drei Mal mit dem Fifa-Boss Gianni Infantino traf. Protokolle von den Treffen gibt es keine.

Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete jetzt von einem «vierten Treffen» von Lauber mit der Fifa. Dieses habe vermutlich im Oktober oder November 2015 im Büro des Bundesanwalts stattgefunden. Allerdings sei Infantino damals nicht mit von der Partie gewesen.

Welchen Stellenwert dieses angebliche vierte Treffen hat, ist unklar. Lauber hatte Ende letzten Jahres auch gegenüber seiner Aufsichtsbehörde erklärt, «auf Stufe Bundesanwalt» habe es nur zwei Treffen mit Fifa-Chef Infantino gegeben. Später wurde zufällig ein drittes derartiges Geheim-Treffen bekannt. Lauber räumte es aufgrund seiner Agenda-Einträge ein, kann sich aber wie Infantino und andere Teilnehmer angeblich nicht daran erinnern.

«Gespräche» in Laubers Büro

Dass sich Lauber in seinem Büro auch mit dem ehemaligen Fifa-Chefjuristen Marco Villiger traf, geht aus der Einstellungsverfügung im Verfahren gegen Olivier Thormann hervor.

Der Leiter der BA-Abteilung Wirtschaftskriminalität Thormann hatte im Oktober 2018 ausgesagt, dass es bereits vor April 2016 «Gespräche» zwischen ihm, dem Fifa-Mann Villiger und dem Bundesanwalt Lauber gegeben habe. Diese «Gespräche», es kann sich also auch um mehr als ein Treffen gehandelt haben, hätten im Büro Laubers stattgefunden. Villiger habe dabei «bezüglich Vorgänge in der Fifa informiert». Das geht aus der Einstellungsverfügung hervor, in die diese Zeitung Einblick hatte.

Warten auf Ermittler gegen Lauber

Fest steht: Die Wirren um Bundesanwalt Lauber und sein Vorgehen im Fall der Fifa-Strafverfahren werden nicht weniger. Demnächst sollte die Aufsichtsbehörde AB-BA nach langer Suche den Namen des externen Experten publizieren, der das Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt durchführen soll. Die Suche gestaltet sich offenbar auch darum schwierig, weil Lauber vorgeschlagene Experten ablehnen kann, sofern er sie für befangen hält.

Das Disziplinarverfahren hat Lauber im Zusammenhang mit seinen ominösen Geheimtreffen mit Fifa-Boss Infantino am Hals. Unter anderem ist nicht klar, warum es zu den Treffen kam und worum es dabei wirklich ging. Auch der Verdacht der Amtsgeheimnisverletzungen bei dieser Treffen steht im Raum.