Eidgenössisches Jodlerfest

Von «A» wie Alphorn bis «Z» wie Zäuerli – wir erklären Ihnen das Jodlerfest 2017

Jodlerfest in Brig, VS

Jodlerfest in Brig, VS

Bis Sonntag zieht es 150'000 Gäste und 12'000 Aktive ins Wallis. Jodeln gilt als klingendes Abbild der Schweiz. Unser «A bis Z» erklärt, warum auch Pygmäen jodeln, woher diese spezielle Gesangsform stammt – und was das Zäuerli ist.

Heute startet das 30. Eidgenössische Jodlerfest in Brig mit einem Festakt. Das Jodlerfest ist das grösste der Eidgenössischen Feste und es werden im Wallis 12'000 Aktive und 150'000 Besucher erwartet. Es wird alle drei Jahre vom Eidgenössischen Jodlerverband organisiert. Neben den Jodlern sind traditionellerweise auch die Alphornbläser und die Fahnenschwinger dabei. Herzstück des Jodlerfestes sind die Wettbewerbe in allen drei Kategorien, die von einer Jury bewertet werden sowie der grosse Festumzug am Sonntag. Nachfolgend Wissenswertes zum Jodel, zum Jodeln in der Schweiz und dem Eidgenössischen Jodlerfest.

A wie Alphorn

Das Alhorn ist heute ein Symbol der Schweizer Volksmusik. Tatsächlich war es aber noch um 1800 bei uns weitgehend unbekannt. An den Unspunnenfesten des 20. Jahrhundert wurde das Alphorn gezielt als Instrument der Alphirten gefördert. Richtig durchgesetzt hat sich das Instrument erst während der geistigen Landesverteidigung ab den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Heute ist das Alphorn ein Markenzeichen der Schweiz und hat eine enorme Verbreitung im ganzen Land. Rund 1700 Alphornbläser sind Mitglied im Eidg. Jodlerverband.

B wie Bibel

Als «Bibel des Jodelns» gilt das 1976 erschienene Buch «Musikfolklore und Musikfolklorismus» von Max Peter Baumann. Der Berner Musikwissenschaftler und Volkskundler untersucht darin sämtliche Aspekte des Phänomens Jodeln.

C wie Chor

Gejodelt wird Solo aus dem Stegreif, im Duett, meistens aber von den Jodlerclubs im Chor. Das Jodellied ist meistens mehrstimmig, wird im vierstimmigem Männerchor- und Gemischtchorsatz geschrieben. Oft im Wechselspiel zwischen Vorsänger und Chor.
DDudler Der Dudler ist eine lokale Bezeichnung (Niederösterreich und Wien) des Jodels. In Wien wird er vor allem von Frauen praktiziert. Im Unterschied zum Jodler wird der Dudler in geschlossenen Räumen gesungen und ist mit der Tradition des Heurigen verbunden. Durch die Nähe zum Bühnengesang und zur Kunstmusik wurde der Dudler im Lauf der Zeit kunstvoller, verzierter und schwieriger als der alpenländische Jodler.

E wie Eidgenössische Feste

Das sind nationale Feste, die beim Aufbau der Willensnation Schweiz eine tragende Rolle spielten und für den Zusammenhalt von Bedeutung sind. Die grössten Eidgenössischen sind das Jodlerfest (150'000 Besucher), Blasmusikfest (150'000), Volksmusikfest (100'000), Turnfest (100'000), Trachtenfest (75'000), Schwing- und Älplerfest (50'000) und das Unspunnenfest (50'000).

F wie Fahnenschwingen

Fahnenschwingen ist ein alter Volkssport, bei dem Fahnen in verschiedene, kunstvolle Schwingungen versetzt werden, hochgeworfen und wieder aufgefangen werden. Im 17. Jahrhundert ist das Fahnenschwingen aus der Mode gekommen. In der Schweiz konnte es sich behaupten, gehört zum Schweizer Brauchtum und ist mit Wettbewerben ins Eidg. Jodlerfest integriert. In Brig sind über 200 Fahnenschwinger für den Einzel- und Duett-Wettkampf gemeldet. Sie dürfen nur mit der Schweizer- oder einer Kantonsfahne schwingen. Das Fahnentuch muss mindestens 118 Zentimeter im Quadrat messen. Es werden Dutzende Schwünge praktiziert, wie zum Beispiel der Bodenschwung, der Unterschwung oder die Kniekehlenwelle.

G wie Gassmann

Alfred Leonz Gassmann (1876 – 1962) war Musiker, Komponist und wohl so etwas wie der Schweizer Volksmusik-Papst. Der Innerschweizer war Initiant und Mitbegründer des Schweizerischen Volksliedarchives in Basel. Sein grösstes Verdienst ist das Sammeln von Volksliedern und Instrumentalmusik. Pionierarbeit leistete er in seiner «Tonpsychologie des Schweizer Volksliedes» (1936) und schrieb 1938 das Standard-Werk «Blast mir das Alphorn noch einmal» für die Alphornbläser.

H wie Heimat

Jodel ist wie der Ländler und das Alphornblasen klingende Heimat. Vom Eidg. Jodlerverband wird das Jodeln seit dem 19. Jahrhundert als identitätsstiftender Gesang gefördert. Im ersten Teil des Jodelliedes wird die Schweizer Heimat thematisiert, glorifiziert und idealisiert.

Wow! Walliser jodeln DJ Antoines «Ma Chérie»

Wow! Walliser jodeln DJ Antoines «Ma Chérie»

Verländlerter Hip Hop, verpunkter Schlager - musikalische Crossover-Projekte sind in der Schweiz beliebt. Nun ist es einem Walliser Chörli gelungen, den House-Hit "Ma Chérie" von DJ Antoine in einen Jodel umzuwandeln. Entstanden sei die Idee im Zusammenhang mit einer Werbung für das eidgenössische Jodlerfest in Brig-Glis

I wie Innerschweiz

Die Innerschweiz gehört zusammen mit dem Toggenburg, dem Appenzellerland und dem Berner Oberland zum Kerngebiet des Schweizer Jodels. In diesen Regionen ist er gewachsen und wird heute noch gelebt. Das heisst: Er wird von Generation zu Generation weitergegeben. Die Jolderclubs sind hier stark und haben keine Nachwuchsprobleme. Die Jungen jodeln.

J wie Jodeln

Jodeln ist Singen ohne Text auf Lautsilben bei häufigem, schnellen Umschlagen zwischen Brust- und Kopfstimme (Registerwechsel). Kennzeichnende Merkmale des Jodelns sind auch grosse Intervallsprünge und grosser Tonumfang.

K wie Kuhreihen

Kuhreihen ist ein Lied, mit dem in den Schweizer Alpen und im Höheren Mittelland einst die Kühe zum Melken angelockt wurden. Der älteste, überlieferte Kuhreihen stammt von 1595. Melodien und Liedtexte von vor 1800 sind aus dem Emmental, Oberhasli, Entlebuch und Simmental belegt. Im französischsprachigen Greyerzerland im Kanton Freiburg heissen diese Lieder Ranz des vaches. Die Kuhreihen beeinflussten das im 19. Jahrhundert aufkommende schweizerdeutsche Jodellied.

L wie Löckler

Löckler ist die Appenzeller Variante des Kuhreihen (siehe K), die als besonders besonders reizvoll gilt. Der Senn setzt mit dem höchsten Ton in Bruststimme an und singt die Silben hö, hä, ä, trillert chromatisch abwärts und ruft dazwischen: Chönd wädli, wädli, wädli, wädli!

M wie Melanie Oesch

Melanie Oesch ist zwar eine virtuose Jodlerin, mit dem Jodlerfest und dem Jodlerverband hat sie aber nichts zu tun. Sie wie auch Kollege Peter Hinnen, der in den 60er-Jahren im In- und Ausland riesige Erfolge feierte, sind dem Kunst- oder Showjodel zuzurechnen.

Oeschs die Dritten: Die Jodelsprache

Oeschs die Dritten: Die Jodelsprache

N wie Naturjutz

Naturjutz oder Naturjodel ist die Urform des Schweizer Jodels. Sie wurde von den Bergbauern in der Innerschweiz, im Appenzellerland, Toggenburg und im Berner Oberland begründet und geprägt. Der Naturjodel war also stark regional geprägt. Der Eidg. Jodlerverband wollte ihn Anfang des 20. Jahrhunderts fördern und als nationale Gattung etablieren, erreichte aber genau das Gegenteil. Das Jodellied verdrängte den Naturjutz.

O wie Oesterreich

Die Förderung des Schweizer Jodels war gleichzeitig eine Abwehr gegen den Kunstjodel aus Österreich. Der Jodel galt auch bei uns bis ins 20. Jahrhundert als typische Tirolerei und das Tirolerjodellied erfreute sich auch bei uns grosser Popularität. In den Kreisen um den Eidg. Jodlerverband war diese Form des Salon- und Kunstjodels aber verpönt und galt als unschweizerisch. Trotzdem kann davon ausgegangen werden, dass der Jodel aus Österreich unseren Jodel stark beeinflusst hat.

P wie Pygmäen

Gejodelt wird nicht nur in den Alpenländern. Eigentlich in der ganzen Welt. In der Countrymusik der USA und Australien war er sehr populär. Jodelartige Kommunikationsformen existieren zudem bei den Eskimos, im Kaukasus, in Melanesien, in Palästina, China, Thailand und Kambodscha, Spanien (alalá), in Sápmi (Lappland) (joik), in Schweden (kulning), Polen, Slowakei, Rumänien, Georgien (krimanchuli) und Bulgarien. Die Pygmäen im zentralafrikanischen Regenwald haben eine besonders hochstehende Form des Jodels entwickelt.

Q wie Quetschbalken

Quetschbalken ist der etwas abwertend gemeinte Name für das Akkordeon. In der Schweizer Volksmusik ist er aber äusserst beliebt. Im Wettbewerb am Jodlerfest wurde lange nur das Akkordeon und das Schwyzerörgeli als Begleitinstrumente akzeptiert. Das hat sich am Jodlerfest in Chur vor drei Jahren zum ersten Mal geändert.

R wie Reglement

Der Eidg. Jodlerverband hat den Verbands-Jodel stark reglementiert. Zunächst, um dem Schweizer Jodel eine stärkere Prägung zu geben. Aber auch, um im Wettbewerb am Jodlerfest Kategorien und Kriterien zu schaffen. Das Reglement hat gleichzeitig zu einer Erstarrung geführt. Der Jodel hat sich deshalb lange nicht weiterentwickelt. Erst jetzt ist das Reglement etwas aufgeweicht worden (siehe Q).

S wie Stadt

Das Jodeln ist eine Sache der Bergler. Dort ist es entstanden, dort ist es heute immer noch gelebte Tradition. Die Entwicklung des Jodels und der Schweizer Volksmusik zur identitätsstiftenden Nationalmusik ist aber von Städtern vorangetrieben worden. Heute haben die Jodlerclubs in den urbanen Zentren zum Teil akute Nachwuchsprobleme. Es tut sich ein Graben zwischen Stadt und Land, resp. Stadt und Berggebieten auf.

T wie Talerschwingen

Talerschwingen kommt aus der Ostschweiz. Der schwingende Taler liefert im Appenzellerland und Toggenburg den Bordun, den immergleichen Halteton, zum Naturjodel.

U wie Ursprung

Der Jodel geht auf den Rufgesang der Hirten zurück. Sie entwickelten Techniken, um weite Distanzen zu überbrücken. Ähnliches gibt es in allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt. In den Alpen wurde von Alp zu Alp kommuniziert oder mit Juchzern oder Jodlern das Vieh angelockt.

V wie Verband

Der Eidgenössische Jodlerverband wurde am 8. Mai 1910 in Bern gegründet. Seine oberste Aufgabe ist die Bewahrung und Förderung des Jodelgesangs, Alphornblasens und Fahnenschwingens. Aktuelle Präsidentin ist die Bündnerin Karin Niederberger. Der Eidg. Jodlerverband hat aktuell 20000 aktive Mitglieder.

W wie Wettbewerb

Zu den Vorträgen am Eidg. Jodlerfest sind nur Formationen zugelassen, die sich beim regionalen Unterverband qualifiziert haben. Aufgetreten wird als Einzeljodler, im Duett, Trio, Quartett oder als Jodelgruppe. Neu ist der freie Vortrag. Die Vorträge werden vierstufig benotet: ungenügend, befriedigend, gut oder sehr gut. Beurteilt wird nach Tongebung und Aussprache; nach Rhythmik und Dynamik; nach harmonischer Reinheit und nach dem Gesamteindruck. Der Wettbewerb ist umstritten. Die Mitglieder haben sich vor einigen Jahren aber deutlich für die Beibehaltung des Wettbewerbs ausgesprochen.

X wie «Xang isch Xung»

«Xang isch Xung», sang schon Polo Hofer. Was für den Berner Mundart-Pop gilt, gilt bestimmt auch für aktiven Jodler und Jodlerinnen in Brig.

Y wie Yodel

Yodel ist der amerikanische Jodel, den deutschsprachige Auswanderer in die USA brachten. Er wird vor allem in der Country-Musik praktiziert und war in den späten 20er-Jahren und 30er Jahren besonders populär. Wichtigster Vertreter ist Jimmie Rodgers (1897 – 1933), der «Vater der Country-Musik».

Z wie Zäuerli

Zäuerli ist die Ausserrhoder Version des Naturjodels. In Appenzell Innerhoden heisst er Ruggusserli. Das Zäuerli wird ganz langsam gesungen. Das Rugguserli ist eine Nuance schneller, die Melodiebewegung etwas grösser.

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