City-Vereinigung
Vom Prager Frühling zur Gartencity

Sprüngli-Präsident Milan Prenosil ist designierter Präsident der City-Vereinigung Zürich. Mit der Sommeraktion «Gartencity» setzt er auf mehr Kunst statt Kommerz. Nun soll Milan Prenosil Präsident der City-Vereinigung Zürich werden. Wer ist der Mann, der künftig 1500 Zürcher Unternehmen vertritt?

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Milan Prenosil

Milan Prenosil

Aargauer Zeitung

Matthias Scharrer

Es riecht nach Leckereien im Treppenhaus zu seinem Büro am Paradeplatz. Die Düfte aus der Küche des Café Sprüngli ziehe durchs Haus. Ein paar Stufen weiter oben liegt Milan Prenosils Arbeitsplatz, ausstaffiert mit Stuckdecke, Kristallüster, ornamentenreichen Teppichen und gediegenen Massivholz-Möbeln. Das Haus atmet Tradition: Seit 1859 ist es Sitz der Confiserie Sprüngli AG, deren Verwaltungsratspräsidium Milan Prenosil innehat.

Mit Gasmaske im Kindergarten

Der Mann ist bestens vernetzt in der Zürcher Gesellschaft: Er präsidiert die Mietervereinigung ShopVille, sitzt im regionalen Wirtschaftsbeirat der Nationalbank, gehört zum kantonalen territorialen Verbindungsstab der Armee und ist Vizepräsident der City Vereinigung Zürich.

Seine Wahl zum neuen Präsidenten der Vereinigung, die 1500 Zürcher Unternehmen vertritt, dürfte an der Generalversammlung vom 27. Mai Formsache sein. Nach parteipolitischer Bindung gefragt, sagt Prenosil: «Ich bin parteilos. Aber mein Herz schlägt für die FDP.»

Man könnte auch sagen: Der Mann ist bestens integriert. Denn Prenosil stammt aus einer Familie, die den Wirren des Prager Frühlings entkam. Seine ersten sechs Lebensjahre verbrachte er in der tschechischen Hauptstadt. «Den Prager Frühling habe ich noch lebhaft in Erinnerung», sagt er.

«Die Panzer, die Demonstrationen, die wehenden Fahnen. Wir mussten mit der Gasmaske in den Kindergarten.» Näher möchte er auf diese Privatangelegenheiten nicht eingehen. Prag ‘68 ist weit weg und lange her, von der Chefetage am Paradeplatz aus gesehen.

Schwimmendes Restaurant

Ein Restaurant auf einem Floss bei der Quaibrücke, an der Mündung des Zürichsees in die Limmat: Was während der Euro 08 ein Grosserfolg war, soll auch künftig möglich sein, wenn es nach dem designierten Präsident der City-Vereinigung Zürich geht. «Wir werden uns bemühen, noch vor den Sommerferien zwei entsprechende Vorstösse im Zürcher Kantons- und Gemeinderat zu lancieren», sagt Milan Prenosil im Gespräch mit dieser Zeitung. (MTS)

Parkplatz-Kompromiss am Ende?

Viel näher sind die riesigen künstlerisch gestalteten Blumentöpfe, die jetzt überall in der Zürcher City stehen. Prenosil war bei der diesjährigen Sommeraktion der City-Vereinigung federführend. Ein Testlauf fürs Präsidium? Er bejaht. Und betont, es sei eine «wertige» Aktion. «Als Detaillisten sind wir natürlich umsatzorientiert. Aber es geht auch darum, die Stadt mit über 300 Blumentöpfen zu begrünen. Es geht auch um Klima, Umwelt und sympathische Kreativität.»

Nach den früheren Aktionen mit Kuhfiguren, Bänken und Teddys wollte die City Vereinigung laut Prenosil diesmal mehr Abstand von offensichtlichen Werbeinhalten nehmen. Und ein Zeichen setzen: «Auch in Krisenzeiten ziehen wir eine gute Aktion durch.»

Sein Hauptziel mit der City Vereinigung sei es, den Standort Zürich zu stärken. «Zürich ist bereits enorm attraktiv. Aber wir müssen seinen Vorzügen Sorge tragen und sie in der gegenwärtigen Krise nicht zu Tode sparen.» Am wichtigsten sind für ihn die Erschliessung durch öffentlichen Verkehr, Flughafen und Privatverkehr sowie die Promotion Zürichs als Reisedestination.

Besonders unter den Nägeln brennt Prenosil der Dauerbrenner Parkplätze. Den «historischen Kompromiss», wonach die Anzahl Parkplätze in Zürich nicht steigen und neue Parkplätze nur noch unterirdisch entstehen dürfen, nennt er «okay, aber ausgereizt». Nach der geplanten Räumung des Münsterhofs von Autos sei der Bestand an oberirdischen Parkplätzen zu halten. «Der Umsatz pro Kunde ist mit dem Auto einfach höher», so Prenosil.

Eine Stadt im Spagat

Dass globale Unternehmen das alteingesessene Gewerbe zunehmend aus Zürichs City verdrängen, findet er schade. Aber angesichts ständig steigender Mieten, bedingt durch die nach wie vor grosse Nachfrage nach attraktiven Mietflächen sei dies unausweichlich. «Wir leben in einem freiheitlichen Land, mit einer verfassungsmässig verankerten Handels- und Gewerbefreiheit. Es kann einem gefallen oder nicht - es ist so.»

Man könne höchstens Vermieter und Immobilienmakler darauf sensibilisieren, dass die Qualität erhalten bleibe. Und es gebe durchaus neue Keimzellen des Gewerbes, etwa im Rennwegquartier.
«Gerade die Mischform zwischen Klein- und Grossstadt, der Spagat zwischen globaler und lokaler Identität macht Zürich attraktiv», sagt Milan Prenosil, Zürcher aus Prag und Gewerbler am Bankenplatz.

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