Schweiz

Vom Beinahe-Bundesrat zum Verschmähten: Genfer Regierungsrat Pierre Maudet tritt zurück

2017 kandidierte er für die FDP als Bundesrat, nun ist Pierre Maudet aus der Genfer Regierung zurückgetreten.

2017 kandidierte er für die FDP als Bundesrat, nun ist Pierre Maudet aus der Genfer Regierung zurückgetreten.

Nach jahrelanger Kritik zieht der Genfer Regierungsrat Pierre Maudet die Konsequenzen und tritt zurück. Allerdings will er als Unabhängiger für die eigene Nachfolge kandidieren.

(rwa) «Ich werde Anfang nächster Woche meinen Rücktritt einreichen», sagte Maudet an einer Medienkonferenz. Er werde ein Kandidat für seine eigene Nachfolge sein. Maudet begründet den Schritt damit, dass nur das Volk einen Magistraten seines Amtes entheben könne. Die Wahl soll nächsten Frühling stattfinden.

Maudet war wegen einer Abu-Dhabi-Luxusreise in die Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, dass sie den Fall vor Gericht bringen will. Dabei geht es um den Verdacht der Vorteilsnahme. Im Zusammenhang mit diesem Skandal hatten ihm seine Genfer Regierungskollegen mehrere Dossiers entzogen. Erst gestern Mittwoch entzog sie ihm vorläufig auch die Departementsleitung. Ursache war eine Untersuchung, die einen signifikanten Anstieg der Abwesenheitsrate innerhalb der Generaldirektion für wirtschaftliche Entwicklung, Forschung und Innovation zwischen Mai 2019 und April 2020 zu Tage gefördert hatte.

Glanzvolle Karriere

Der einstige Bundesratskandidat der FDP ist mittlerweile nicht einmal mehr Parteimitglied. Der kantonale Parteivorstand hatte nach einem langen Streit den Ausschluss beschlossen. Damit ist Maudet auch nicht mehr Teil der nationalen Partei. Vom Rücktritt als Regierungsrat wollte Maudet trotzdem lange Zeit nichts wissen: «Ich stelle meine ganze Energie in den Dienst der Genfer Bevölkerung, der Unternehmen und der Arbeitnehmer», sagt er noch im August in einem Interview.

2017 hatte Maudet für die Nachfolge von Didier Burkhalter kandidiert. Am Ende wählte die Bundesversammlung jedoch den Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis zum neuen Bundesrat. Das Nachsehen hatte auch die heutige Nationalratspräsidentin Isabelle Moret. Die Bundesratskandidatur war der Höhepunkt einer steilen Politkarriere. Maudet wurde mit 21 Jahren ins Genfer Stadtparlament gewählt. 2007 schaffte er den Sprung in die Stadtregierung. 2012 wurde der Jurist in die Genfer Kantonsregierung gewählt.

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