Asylsuchende
Vier von fünf bleiben: Auch Schweiz verstösst gegen Dublin-Abkommen

Noch nie seit dem Schweizer Beitritt zum Dublin-Abkommen im Dezember 2008 scheiterten so viele Gesuche wie im letzten Jahr. Das zeigt eine Gegenüberstellung der Dublin-Gesuche und der tatsächlich erfolgten Übernahmen durch Partnerstaaten.

Merken
Drucken
Teilen
Noch nie seit dem Schweizer Beitritt zum Dublin-Abkommen im Dezember 2008 scheiterten so viele Gesuche wie im letzten Jahr. (Archiv)

Noch nie seit dem Schweizer Beitritt zum Dublin-Abkommen im Dezember 2008 scheiterten so viele Gesuche wie im letzten Jahr. (Archiv)

Keystone

14900 Gesuche um Rücknahme stellte die Schweiz im letzten Jahr an Staaten wie Italien oder Griechenland. Nur 2683 Personen reisten tatsächlich aus, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet.

Laut dem Staatssekretariat für Migration liegt das vor allem an der Überlastung des italienischen Asyl- und Aufnahmesystems. Italien ist der wichtigste Partnerstaat der Schweiz im Dublin-System. Die europäische Flüchtlingspolitik ist in der Krise. Italien, Frankreich und Österreich wehren sich mit verschiedenen Tricks gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und verstossen gegen Abkommen.

Tessiner Politiker kritisieren, dass sich die Schweiz trotzdem an die Regeln halte und darum zur Alternativroute für Flüchtlinge werde, die von Süditalien in den Norden wollen. Doch auch die Schweizer Behörden halten sich nicht an die Regeln. «Werden Asylbewerber aufgegriffen, müssten sie laut Dublin-Abkommen vollständig registriert werden. Das geschieht nicht immer, und es gibt auch in der Schweiz Fälle, in denen Asylsuchende unregistriert in andere Zielländer weiterreisen», sagt Alberto Achermann, Professor für Migrationsrecht, gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Wenn Asylsuchende vor der Registrierung weiterreisen, ist es später zum Beispiel für Deutschland schwieriger, sie gestützt auf das Dublin-Abkommen in die Schweiz rückzuführen. Léa Wertheimer, Sprecherin des Staatssekretariats für Migration, sagt dazu: «Wir halten uns an die Vereinbarungen von Dublin. Wenn jemand zu erkennen gibt, dass er den Schutz der Schweiz möchte, wird das Gesuch aufgenommen.»