Hans Lüthi

Ein Aufschrei ging durch die Aargauer Kulturszene, als die Vereinbarung über den kulturellen Lastenausgleich mit Zürich und Luzern bekannt wurde: 4,9 Millionen Franken wird unser Kanton ab 2010 an die beiden Nachbarn bezahlen.

Den Hauptbrocken von 4,4 Millionen Franken an die Zürcher - fast 3 Millionen für das Opernhaus und je 1 Million Franken für Schauspielhaus und Tonhalle. Aus dem Fenster geworfenes Geld, könn-te da ein Steuerzahler meinen, in völliger Unkenntnis der Sachlage.

160 Millionen Franken für den Aargau

Doch die Fakten sprechen eine völlig andere Sprache, denn der kulturelle Beitrag ist Teil des Neuen Finanzausgleichs (NFA). «Nächstes Jahr zahlt der Kanton Zürich über 600 Millionen Franken, der Aargau bekommt über 160 Millionen Franken», argumentierte Landammann und Finanzdirektor Roland Brogli. Die Verteilung des Kulturkuchens ist eines von neun Projekten.

Für ihre kulturellen Leuchttürme müssen die Standortkantone zuerst einmal 25 Prozent selber bezahlen, dann wird nach Besucherzahlen aufgeteilt. Der Aargau berappt also nicht einfach die ausgehandelten knapp 5 Millionen Franken im Jahr, sondern genau nach Besucheranteil im Zürcher Opernhaus und in den anderen Kulturtempeln.

Die 10 Prozent Rabatt für die eigenen Leuchttürme bezeichnete Brogli als sehr guten Vertrag. Und der zuerst skeptische neue Kulturdirektor Alex Hürzeler bekannte, die getroffene Regelung sei für den Aargau wirklich gut, ein externes Büro sorge für neutrale Berechnungen.

Viel Geld für die Kulturschaffenden

Eine Ja-Mehrheit zeichnete sich schon früh bei der Behandlung im Parlament ab, als nämlich Beat Unternährer (svp, Unterentfelden) für die knappe Mehrheit der SVP Zustimmung signalisierte. Es wurme schon ein bisschen, dass gleich viel Geld nach Zürich fliesse, wie für die gute Qualität der Aargauer Kulturschaffenden zur Verfügung stehe.

«Aber wir müssen grossräumiger denken», das Kulturangebot der Nachbarn bringe auch uns und unserem Standort sehr viel. Apropos eigene Kultur: «41 Millionen Franken sind im Kulturbudget 2010, 9 Millionen mehr als dieses Jahr», präzisierte Roland Brogli an die Adresse der Akteure. Wenn auch ohne Begeisterung: Befürworter kamen aus allen Fraktionen.

«Der Kulturkanton kann sich besser verkaufen, das Museum Aargau profitiert auch von 50 Prozent ausserkantonalen Besuchern», meinte Esther Gebhard-Schöni (evp, Möriken-Wildegg).

Aargau als verlässlicher Partner

«Der Aargau ist ein verlässlicher Partner, ein Nein wäre wirklich peinlich», gab Nicole Meier (cvp, Baden) zu bedenken. Von einem für die Freisinnigen «schwer verdaulichen Brocken, der geschluckt werden muss», sprach Maja Wanner (fdp, Würenlos). Dies mit Hinweis auf die 160 Millionen aus dem NFA und einen Schönheitsfehler: «Leider sind die Kulturkosten der Kantone bei den Verhandlungen nicht berücksichtigt worden.»

Aber das System sei fair und schmälere die eigene Kultur keineswegs. Zwei Redner bekannten sich als Gegner: Christoph Riner (svp, Zeihen) will nicht 5 Millionen für elitäre Kultur aufwerfen, an teure Institutionen in Zürich, zu denen man nichts zu sagen habe.

Und Jörg Villiger (gr, Aarburg) meinte, an die grossen Häuser gebe man Millionen, für die ärmsten habe man kein Geld. Änderungen am Vertrag standen nicht zur Debatte, der Beitritt erfolgte mit 103 zu 28 Stimmen, die Finanzierung mit 102 zu 29 Stimmen.