Tageschule Attiswil

«Vielleicht müssen wir uns einen Stoss geben»

Am Montag, Dienstag und Donnerstag besteht in Attiswil momentan ein grosser Bedarf für die Tagesschule. Ob dies aber auf das kommende Schuljahr hin so bleiben wird, ist ungewiss. Trotz vielen Fragezeichen ist die Tagesschule aber auf Kurs.

Marisa Cordeiro

In der Theorie vielversprechend und in der Praxis für kleine Gemeinden nicht einfach umzusetzen, ist die Tagesschule, die gemäss Volksschulgesetz ab August 2010 «bei Bedarf» eingeführt werden muss.

Dabei liegt die Krux gerade in der Bedarfsabklärung, wie der Attiswiler Gemeinderat Peter Zysset (SP), Präsident der Schulkommission, erläutert: Ein grosses Fragezeichen stelle für viele nämlich der noch unbekannte Stundenplan dar. Wie sollten so etwa unregelmässig arbeitende Eltern bereits jetzt wissen, an welchen Tagen, zu welcher Zeit sie nächstes Schuljahr ihre Kinder in die Tagesschule schicken wollen?

Kommt hinzu, dass in Attiswil von den aktuell gut 120 Schülern im Sommer 2010 insgesamt 35 nach Wiedlisbach wechseln werden, sollte das Oberstufenzentrum im August 2010 definitiv umgesetzt werden. Entsprechend vage sind die Ergebnisse der vom Kanton geforderten Bedarfsabklärung.

Ein Resultat mit Vorbehalten

Vor den Sommerferien führte die Attiswiler Schulkommission eine solche Bedarfsabklärung durch. Rund ein Drittel der angeschriebenen Eltern nahm daran teil. Am grössten sei gemäss Zysset der Bedarf am Montag, Dienstag und Donnerstag. Ausreichender Bedarf - gemäss Volksschulgesetz mindestens zehn Kinder pro Modul - wurden für den Mittagstisch und die Frühbetreuung erzielt.

Dieses Resultat habe ihn kaum überrascht, sagt Zysset. «Mir war bewusst, dass in Attiswil viele gut ausgebildete, berufstätige Mütter, aber auch alleinerziehende Elternteile leben.» Er schmunzelt, wenn er sich zugleich an früher erinnert: «Noch vor vier Jahren schlug mir ein rauer Wind entgegen, als ich den Vorschlag einer Tagesschule vorbrachte.»

Zysset macht aber auch Vorbehalte gegenüber der Umsetzung: Er wisse von Nachbargemeinden, dass der Bedarf bei der Abklärung zunächst gross, die definitiven Anmeldungen dann aber weit darunter liegen können. So komme es vor, dass letztlich die nötigen zehn Kinder pro Modul nicht mehr erreicht würden. Genau das bereitet den Gemeinden bei der Planung auch Schwierigkeiten.

Abwartwohnung ein Glücksfall

Trotzdem: Die Tagesschule in Attiswil ist auf Kurs. Klar ist bereits, dass sie in der leer stehenden Abwartwohnung direkt neben dem Schulhaus einquartiert werden soll. «Ein Glücksfall», wie Zysset findet. «Die Nähe zur Schule war vielen Eltern bei der Umfrage ein Anliegen.» Je nach dem müssten die bisher dort durchgeführten Musik- und Religionsstunden in andere Räume ausweichen.

Ebenfalls abgeklärt werde zurzeit, ob das Essen für den Mittagstisch selber gekocht oder durch ein Catering bereitgestellt wird. Die Schulkommission habe entsprechende Offerten angefordert. Zysset sagt: «Unter Umständen kommt es günstiger, wenn das Essen geliefert wird. Selber zu kochen ist schliesslich auch mit Aufwand verbunden.»

Bekenntnis für junge Familien

Für das Tagesschulangebot sieht die Schulkommission im Budget 2010 17 000 Franken vor. Allerdings hingen die effektiven Kosten sehr davon ab, wie gross der Anteil der Betreuung durch eine pädagogisch ausgebildete Person sei, merkt Zysset an.

Konkreter werde es erst im Frühling, wenn auch der Stundenplan bekannt sei und die Eltern ihre Kinder verbindlich anmelden müssten. «Sollte es tatsächlich so kommen, dass der Bedarf von zehn Kindern wider Erwarten nicht erreicht wird, muss sich der Gemeinderat unter Umständen einen Stoss geben und der Tagesschule die Chance einer einjährigen Pilotphase geben», sagt Zysset. Dies wäre auch ein Signal nach aussen. «Schliesslich will Attiswil wachsen und ein Dorf für junge Familien sein.»

Ein Prospekt folgt

So oder so ist die Schulkommission darum bemüht, möglichst viele offene Fragezeichen im Voraus zu klären. «Besonders in der Startphase ist Transparenz wichtig», sagt Zysset. Deshalb sollen die Eltern im März vor der definitiven Anmeldung einen Prospekt erhalten, in dem die Betreuungs- und Ernährungsgrundsätze erläutert sind. Eine Preisliste wird Auskunft über die sozial abgestufte Kostenbeteiligung der oder des Erziehungsberechtigten geben.

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