Viele Vorschläge – keine Lösung

Knapp 20 Varianten liegen zur ÖV-Erschliessung des aufstrebenden Allschwiler Bachgrabengebietes auf dem Tisch. Die von Basel-Stadt vehement geforderte 8er-Tramverlängerung erweist sich dabei als schwer umsetzbar.

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Tramlinienverlängerung Allschwil

Tramlinienverlängerung Allschwil

Zur Verfügung gestellt

Michael Nittnaus

«Lasst uns doch wieder einen sachlichen, pragmatischen Weg einschlagen», so der dringliche Wunsch von Anton Lauber. Der Allschwiler Gemeindepräsident sieht sich zu Unrecht unter Druck gesetzt. Dies, seitdem der Basler Grosse Rat den städtischen Beitrag an den 48er-Bus gestrichen und zudem abgelehnt hat, den Anschluss Allschwils an die Nordtangente in den kantonalen Richtplan aufzunehmen (die bz berichtete). «Das ist reine Machtpolitik und kein partnerschaftliches Verhalten», findet Lauber klare Worte. Als besonders stossend empfindet er, dass Basel-Stadt ein Bekenntnis Allschwils zur Verlängerung der Tramlinie 8 ins Gewerbegebiet Bachgraben fordert - nur dann würde der 48er unterstützt. «Der Bus sollte nicht gegen das Tram ausgespielt werden», so Lauber.

Studie völlig veraltet

Der Gemeindepräsident ist keineswegs generell gegen eine Tramverlängerung. Doch Stand heute erweise sich keine der unzähligen Varianten als optimal. Wichtig ist, zwischen den durch Studien erarbeiteten und den lediglich von politischer Seite ins Spiel gebrachten Vorschlägen zu unterscheiden.

Studie Planungsbüro Jud, 2002: Die aktuellen Forderungen, die Michael Wüthrich, Präsident der Basler Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission, oder der Baselbieter SVP-Landrat Josua Studer hervorbringen, stützen sich darauf. Für Lauber ist das unverständlich, befasst sich die Studie doch überhaupt nicht mit dem Bachgrabengebiet, das erst später aufblühte. Vielmehr ging es ausdrücklich um die Anbindung der Wohnquartiere an den Bahnhof SBB. Auch den 33er- sowie 64er-Bus gab es damals noch nicht. Die Variante, die die Studie zur Weiterverfolgung empfahl (siehe Karte: a), ist damit überholt.

Studie Keller & Partner, 2007: Regelrecht ignoriert würde dagegen die neueste Studie, die sich explizit mit dem Gewerbegebiet Bachgraben befasst. «Dabei wurde das Gutachten von beiden Basel mitgetragen», wundert sich Lauber. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Verlängerung des 8ers über den Grabenring bis zur französischen Grenze (e) für das Gewerbegebiet bei hohen Kosten von zu geringem Nutzen ist. Eine Abzweigung in den Hegenheimermattweg wird auch wegen der beschränkten Platzverhältnisse verworfen. «Tram und Autos können dort unmöglich nebeneinander fahren», gibt Lauber zu bedenken. Auch die Fahrzeit zum Bahnhof SBB von geschätzten 17 Minuten übertrifft die des 48er-Busses um fünf Minuten.

Die Studie empfahl 2007, drei Massnahmen weiter zu verfolgen: Die Taktverdichtung des 38ers, den Direktbus zum Bahnhof SBB sowie die Verlängerung des 38ers ins Ziegeleiareal. «Dank 48er und 64er haben wir dies umgesetzt. Allschwil bekennt sich also eindeutig zum ÖV und ist aktiv», kontert Lauber die Kritik.

Neues trinationales Projekt

Die politischen Vorschläge ihrerseits dürften technisch kaum umsetzbar sein. So führt einer durch den Gemeindepark (c) und ein anderer auf der Parkallee per Rampe über den Bach (d). Josua Studer bevorzugt in einem Postulat vom 3. Januar dagegen eine «Berglinie» (f). «Dafür bräuchte es wohl eine Zahnradbahn», so Laubers lakonischer Kommentar. Falls man eine wirklich zukunftsorientierte ÖV-Lösung anstrebe, so sei der Fall klar: «Dann muss vor allem das Elsass erschlossen werden, das massiven Durchgangsverkehr generiert.» Lauber trifft sich deswegen am 25. Januar im Rahmen des trinationalen Verkehrsprojektes C14 mit Baudirektor Jörg Krähenbühl zu ersten Gesprächen.