Steigende Infektionszahlen

Viel Rot und etwas Orange: So steht die Coronavirus-Ampel in Ihrem Kanton

Die Corona-Ampel steht in den meisten Kantonen auf Rot.

Die Corona-Ampel steht in den meisten Kantonen auf Rot.

Ein Schema zeigt den Ernst der Lage. Muss der Bund nun ran? Der Präsident der Gesundheitsdirektoren sagt: Die Kantone hätten die Lage im Griff.

Das Virus breitet sich aus. Am Freitag vermeldete der Bund 1487 Infektionen. Das sind so viele wie seit dem Höhepunkt der Krise nicht mehr. Gleichzeitig beschwichtigen Experten. Die höheren Ansteckungszahlen hätten auch mit einer besseren Rückverfolgung zu tun. Die Dunkelziffer sei kleiner. Wie dramatisch präsentiert sich die Situation wirklich?

Um die Corona-Lage in den Kantonen zu beobachten und zu vergleichen, kursierte unter Kantonsärzten im Sommer ein Ampelschema. Zwei Faktoren bestimmen, ob die Ampel auf grün, gelb, orange oder rot steht: die Anzahl Corona-Kranker pro 100'000 Einwohner und die Zunahme der Ansteckungen gegenüber der Vorwoche.

Nehmen die Ansteckungen gegenüber der Vorwoche bis zu 10 Prozent zu, schaltet die Ampel erst ab 75 Ansteckungen pro 100'000 Einwohnern auf Rot. Sind es mehr als 20 Prozent, kommt der einzelne Kanton schon bei 25 Fällen pro 100'000 Einwohnern in den roten Bereich.

© CH Media

Die Redaktion von CH Media hat die Berechnung für die 26 Kantone mit den neuesten Corona-Zahlen gemacht. Das Resultat: Die Ampel steht in 23 von 26 Kantonen auf Rot. Nur in den Kantonen Glarus, Solothurn und Zürich steht sie auf Orange. Im gelben oder gar grünen Bereich liegt keiner der Kantone.

In sämtlichen Kantonen ausser Zürich liegt die Zunahme der Ansteckungen über 20 Prozent gegenüber der Vorwoche. In allen Kantonen ausser Glarus und Solothurn haben sich mehr als 24 Personen pro 100'000 Einwohner angesteckt.

Es wird eng für die Kantonswappen im roten Bereich. Stand der Daten: 9. Oktober

Es wird eng für die Kantonswappen im roten Bereich. Stand der Daten: 9. Oktober

Nun stecken sich auch Alte wieder an

Der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz und Gesundheitsdirektor von Basel, Lukas Engelberger, sagt: «Wir sind in einer kritischen Phase». Die Infektionen stiegen stark – und dies in allen Kantonen. Und er fügt an:

Engelberger kann keinen eindeutigen Seuchenherd ausmachen. Es kämen viele Faktoren zusammen. Privatparties etwa, aber auch Reisende, die sich infizierten. Vor allem aber liege es am Verhalten der Einzelnen.

Engelberger rät zudem von privaten Festen in grossem Stil an.

Muss der Bund übernehmen?

Das Corona-Konzept mit dem Ampelsystem stammt aus dem Kanton Zug und diente den Kantonsärzten als Grundlage für die Erarbeitung von eigenen Konzepten. Je nach Eskalationsstufe und Farbe sieht es verschiedenen Massnahmen vor. Vor dem Hintergrund des Ampelsystems lässt sich auch verstehen, warum diese Woche Bern und Zug die Maskenpflicht in Läden einführte und das Tessin Clubs und Tanzlokale schloss. Sie kippten in den roten Bereich.

Das Ampel-Konzept sieht vor, dass bei der Stufe Rot, dem Bund wieder mehr Gewicht zukommen soll. Die Zusammenarbeit solle über die Kantone hinaus gehen, heisst es im Konzept. Muss jetzt, wo beinahe alle Kantone im roten Bereich sind, der Bund übernehmen?

Gesundheitsminister Alain Berset verneint dies diese Woche. Gesundheitsdirektorenpräsident Engelberger winkt ebenfalls ab. «Die Kantone haben die Lage im Griff. Der Bund könnte es nicht besser», sagt er. Er relativiert das Ampelkonzept zudem als teilweise bereits überholt. Er sagt:

Heute sei man weiter. Darum dürfe man das Schema nicht zu streng auslegen, die Zahlen nicht absolut sehen.

Die Kantone arbeiten gemäss Engelberger zudem eng mit dem BAG zusammen. Vor allem im Bereich Information spiele der Bund aber eine zentrale Rolle.

Das BAG intensivierte am Freitag die Kommunikation. Das Plakat mit dem Aufruf zum Händewaschen, Abstandhalten und Maskentragen erhält eine neue Farbe. Es erstrahlt nun in Orange statt bisher in Blau. Mit Blick auf die Corona-Ampel könnte man sagen: Rot wäre auch nicht falsch gewesen.

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