Es sind traumhafte Videoaufnahmen, die das US-Magazin «National Geographic» am Dienstag auf Facebook gepostet hat. Im eineinhalbminütigen Clip ist zu sehen, wie die Rhätische Bahn durch die majestätische, tief verschneite Winterlandschaft im Bündnerland fährt.

Gegen 400'000 Mal wurde das Video in den ersten 48 Stunden bereits angeschaut: 1600 Mal geteilt, 4500 Likes, Hunderte begeisterter Kommentare. «Eine Eisenbahnfahrt, die man einfach gemacht haben muss», heisst es zum Beispiel. Andere schreiben, diese Landschaft müssten sie bis an ihr Lebensende irgendwann einmal sehen.

In noch mehr Bildern – die Rhätische Bahn auf den Unesco-Welterbestrecken:

Nichts mitbekommen

Die Rhätische Bahn geht viral – und hat damit nichts zu tun, wie Mediensprecherin Yvonne Dünser sagt. Man arbeite zwar mit «National Geographic» zusammen, aber nur für den Print. «Dass das Magazin jetzt auch online etwas gepostet hat, war nicht vereinbart, und wir haben auch nicht dafür bezahlt.»

Vom vielbeachteten Posting bekam die Rhätische Bahn vorerst auch gar nichts mit. Umso erfreuter ist sie nun über die Gratiswerbung. Zur Internet-Aktion der US-Plattform sagt sie:

«Unsere Hauptmärkte sind die Schweiz, Deutschland, Italien und England. Wir hoffen natürlich, dass dieses Video nun etwas weiter ausstrahlen wird.»

Andere Ausgangslage

«National Geographic» und eine Touristenattraktion in der Schweiz – da war doch schon mal was… Richtig: Ende 2015 zierte das Gasthaus Aescher im Alpstein das Titelbild des Magazins:

Diese Publikation sollte der Beginn eines Hypes sein – Horden von Touristen aus aller Welt besuchten den Aescher und die gleichnamige Bergbeiz in den Folgejahren. Vor kurzem gaben die Betreiber entnervt auf. Begründung: Auf solche Besuchermassen sei die Infrastruktur nicht ausgerichtet.

Aescher-Wirtin Nicole Knechtle im Interview:

St.Galler Tagblatt, August 2018

Vor einer ähnlichen Entwicklung bei der Rhätischen Bahn hat Yvonne Dünser keine Angst. Sie glaubt nicht, dass aus dem Bahnvideo ein Hype entstehen wird.

«Und wenn doch, dann freuen wir uns über die vielen zusätzlichen Passagiere.»

Einen Touristenansturm könnte die Rhätische Bahn nämlich besser verkraften als die Bergbeiz im Alpstein: «Der Aescher, das ist ein Ort, ein Häuschen an exponierter Stelle. Die Ausgangslage bei uns ist anders: Die Passagiere haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Linien, und wir haben viele Züge, die sich über den Tag verteilen.»

Noch viel Platz für Passagiere

Grundsätzlich könne die Rhätische Bahn durchaus noch mehr Passagiere vertragen, stellt Yvonne Dünser weiter fest. «Längst nicht alle Züge sind proppenvoll.» Am stärksten genutzt werden die Züge der Rhätischen Bahn im Sommer und Winter. In der kalten Jahreszeit ist insbesondere die Bernina-Linie besonders beliebt.

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