Affäre Hildebrand
Verzichtete die SNB wegen Hildebrand-Affäre auf neue 1.30-Fr.-Limite?

In der Wirtschaftskommissions-Sitzung dürfte morgen Montag eine äusserst heikle Frage zur Sprache kommen, die bislang öffentlich nicht diskutiert wurde: Hat die Affäre Auswirkungen auf den Wechselkurs?

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Die Schweizer Nationalbank soll einen höheren Mindestkurs geprüft haben. (Archiv)

Die Schweizer Nationalbank soll einen höheren Mindestkurs geprüft haben. (Archiv)

Keystone

Die Zeitung „Der Sonntag" legt dazu brisante Rechercheergebnisse vor. Exportwirtschaft und Tourismus fordern verzweifelt eine Erhöhung des Euro-Mindestkurses von Fr. 1.20, den die Nationalbank am 6. September 2011 einführte.

Nicht wenige Analysten hatten erwartet, dass die SNB vor Weihnachten eine Anhebung des Mindestkurses bekannt geben würde. Der Ökonom Klaus Wellershoff sagte Ende Oktober auf «Newsnet»: «Wir rechnen mit einer Anhebung im Dezember.» Diese Erwartung verstärkte sich, als Anfang Dezember an den Devisenmärkten der Euro nahe an die 1.25-Franken-Marke herankam. Jetzt wäre doch die Gelegenheit für die Nationalbank gut, die Limite auf 1.30 zu erhöhen, so die Hoffnung.

Erhöhung der Limite wurde geprüft

Doch am 15. Dezember trat Hildebrand vor die Medien und kündigte an, die SNB werde weiterhin die Grenze von 1.20 durchsetzen. Gegenüber dem «Sonntag» sagt nun eine Quelle, die gewöhnlich gut informiert ist über die Vorgänge in der Nationalbank: «Es wurde ernsthaft geprüft, die Limite zu erhöhen.» Brisant ist die Begründung, warum darauf verzichtet wurde: «Es gab Hinweise auf eine geplante Destabilisierungs-Aktion gegen die Nationalbank im Zusammenhang mit einem Datenleck», so die Quelle.

Wurde die ersehnte Kurserhöhung verschoben, weil man Angst hatte, sie wäre im Wirbel um die Person Hildebrands angreifbar geworden? Zumindest ist davon auszugehen, dass Hildebrand bereits wusste, dass Kontoinformationen zu privaten Devisentransaktionen nach aussen gedrungen waren. Christoph Blocher hatte Micheline Calmy-Rey diesbezüglich am 8., 13. und 15. Dezember informiert. SNB-Sprecher Werner Abegg will sich nicht äussern «zu den Fragen, die den geldpolitischen Entscheidungsprozess ansprechen, wie Sie sicher verstehen werden», sagt er dem „Sonntag"