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Verwirrung um Risikoliste – muss man in Quarantäne, wenn ein Land neu auf die Liste kommt?

Wenn das Urlaubsparadies zum Risikoland wird - die Malediven könnten schon bald dazu gehören.

Wenn das Urlaubsparadies zum Risikoland wird - die Malediven könnten schon bald dazu gehören.

Anfangs Monat hat das BAG eine Liste mit quarantänepflichtigen Ländern herausgegeben. Die nächste Aktualisierung wurde für Mittwoch in Aussicht gestellt. Müssen Rückkehrer, die bereits vor der Aktualisierung in einem neu auf die Liste geratenem Land waren, nun in Quarantäne? Nachdem dies Anfang Monat verneint wurde, sieht es nun anders aus.

Um was geht es?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat Anfangs Juli eine Liste mit quarantänepflichtigen Ländern herausgegeben. Personen, die in eines dieser Länder gereist sind, müssen bei der Rückkehr in eine zehntägige Quarantäne. Kontrolliert wird dies stichprobenmässig, hält man die Quarantäne nicht ein, drohen Bussen bis zu 10'000 Franken.

Die Liste der Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko wird laufend aktualisiert. Das BAG sprach von einer monatlichen Erneuerung, nun ist es voraussichtlich am Mittwoch wieder soweit. Laut Patrick Mathys vom BAG kommen mindestens ein Dutzend neue Länder dazu.

Auf die Liste kommt jedes Land, welches mehr als 60 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner meldete in den vergangenen 14 Tagen. Wie stark eine allfällige Welle vor diesen zwei Wochen war, ist dabei nicht relevant.

Schaut man sich die Liste der Länder an, die in den letzten zwei Wochen der Quarantänevorgaben entsprachen, ergibt sich folgendes Bild:

Länder mit über 60 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner in 14 Tagen, die noch nicht auf der BAG-Risikoliste sind:

Es ist noch nicht sicher, ob all diese Länder tatsächlich auf der Quarantäneliste landen. Hält das BAG seine eigenen Vorgaben ein, sollte dies jedoch der Fall sein.

Ich mache gerade Ferien in Bosnien, muss ich nun in Quarantäne?

Das kommt darauf an. Wird Bosnien und Herzegowina oder ein anderes Land der obigen Grafik tatsächlich am Mittwoch auf die Quarantäneliste gesetzt, dann muss man sich bei der Ankunft in der Schweiz für 10 Tagen in Quarantäne begeben.

Laut Daniel Dauwalder, Mediensprecher des BAG, spielt es dabei keine Rolle, ob man sich bereits vor der Aktualisierung in einem neu quarantänepflichtigem Land befand.

Dies überrascht zum Teil, da der Leiter Sektion Krisenbewältigung des BAG, Patrick Mathys, bei der Ankündigung der Quarantänepflicht Anfangs Juli noch das Gegenteil verkündet hat. Auch Mike Schüpbach vom Rechtsbereich des BAG sagte:

Nun ist also alles anders und es gilt lediglich, ob man sich in den letzten 14 Tagen in einem Staat mit erhöhtem Infektionsrisiko aufgehalten hat.

Aber das ist doch nicht meine Schuld! Kriege ich jetzt noch Lohn während der Quarantäne?

Jein. Eine Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers kann wohl bejaht werden, müsste aber von Fall zu Fall entschieden werden. Ganz sicher besteht jedoch Anspruch auf Erwerbsausfall-Entschädigung gemäss Covid-19-Verordnung, da die Quarantäne nicht absehbar war.

Nochmals: Dies gilt nur in Fällen, bei denen man unverschuldet in Quarantäne muss. Für Personen, die wissentlich in ein Land reisen, dass auf der Liste steht, gilt dies nicht. Aus rechtlicher Sicht gilt die Quarantäne tendenziell als Arbeitsverhinderung, und diese Verhinderung muss für eine allfällige Entschädigung unverschuldet sein.

Ich habe Ferien gebucht, kriege ich nun mein Geld zurück?

Wahrscheinlich schon. Auch hier lässt sich dies aber nicht abschliessend beantworten. Bei Hotelplan heisst es, dass gebuchte Pauschalreisen in neu auf die Liste gekommene Länder verschoben werden können oder auch ganz annuliert. In letzterem Fall wird einem das Geld zurückerstattet. Gleiches gilt bei Kuoni.

Bei der Swiss heisst es, dass die Risikoliste bei der Bearbeitung der Rückerstattungen keine Rolle spielt. Wird der Flug von der Swiss selbst annulliert, kriegt man sein Geld zurück. Ansonsten ist lediglich eine Umbuchung möglich.

Bei der Mobiliar zeigt man sich indes kulant. Obwohl eine Reise in ein Risikoland kein Versicherungsereignis darstellt – denn Quarantäne verhindert eine Reise nicht – gewährt man Kunden Versicherungsschutz, «sofern für die Kundin oder den Kunden bei der Reisebuchung die Quarantäne-Pflicht nicht bekannt oder nicht vorhersehbar war und man vom Reiseveranstalter keine Rückerstattung erhält.»

Auf jeden Fall sollte man sich aber bei seiner Reiseversicherung erkundigen, da jedes Unternehmen anders mit der Situation umgeht.

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