Krankenkasse
Verwaltungskosten: Das sind die effizientesten Krankenkassen

Die Krankenversicherer konnten 2013 ihre Effizienz erneut steigern: Laut den Aufsichtsdaten des Bundesamts für Gesundheit sind die Verwaltungskosten gegenüber dem Vorjahr um 0,1 auf fünf Prozent gesunken. 1996 lagen sie noch bei 7,6 Prozent.

Roman Seiler
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Versicherer am Arbeitsplatz

Versicherer am Arbeitsplatz

Keystone

Für SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr ist die Sachlage klar: Die 60 Anbieter der Grundversicherer «verschleudern Geld mit Werbung, Telefonmarketing und Bürokratie».

Der «Pseudowettbewerb» der Kassen hätte eben auch zur Folge, dass die Prämienzahler «2500 unnötige Kassenmitarbeiter» finanzierten. Auch deswegen wäre der Betrieb einer Einheitskasse günstiger.

Nur: Die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) publizierten Aufsichtsdaten zeigen das Gegenteil: Die Krankenversicherer arbeiten immer effizienter.

So sank 2013 der Anteil der Verwaltungskosten am Prämienvolumen um 0,1 auf 5,0 Prozent.

Zum Vergleich: 1996, als das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) eingeführt wurde, lag der Anteil noch bei 7,6 Prozent.

Für Felix Schneuwly, den Krankenversicherungsexperten des Internetvergleichsdiensts comparis.ch ist der Rückgang des Anteils der Verwaltungskosten an den Prämieneinnahmen ein «positives Zeichen»: «Der Wettbewerb funktioniert. Trotz tieferen Verwaltungskosten sinkt die von uns gemessene Kundenzufriedenheit nicht.»

Der Versicherte zahlt allerdings im Schnitt mehr: Pro Kopf erhöhten sich die Verwaltungskosten seit 1996 von 133 auf 153 Franken pro Jahr. Die Anforderungen an den Betrieb werden komplexer. «Seither erhöhten sich nicht nur die Aufwendungen für zusätzliche Regulierungen», sagt Paul Rhyn, Pressesprecher des Kassenverbands Santésuisse: «Die Zahl der von Krankenversicherern verarbeiteten Belege stieg von 63 auf mehr als 100 Millionen pro Jahr.»

Ein Argument von Jacqueline Fehr ist wohl stichhaltig. Sie sagt, es sei nicht überprüfbar, wie hoch der Anteil der Quersubventionierung der Verwaltungskosten in der Grundversicherung durch die Zusatzversicherungen sei. Dies «sozial sehr positiv», sagt Schneuwly. Denn dies dämpft die Kosten und damit auch den Prämienanstieg in der obligatorischen Grundversicherung mit Mitteln aus dem gewinnorientierten, privaten Versicherungszweig.

Diese Synergieffekte entfielen nach der Einführung einer Einheitskasse. Das hätte gemäss einer Studie der Krankenversicherer Mehrkosten in der Höhe von 400 Millionen Franken zur Folge.

Auch wenn der Anteil der Verwaltungskosten an dern Grundversicherungsprämien der gesamten Branche insgesamt tief ist: Es gibt frappierende Unterschiede zwischen den effizientesten und den ineffizientesten Anbietern (siehe Tabellen).

Grösse der Krankenkasse spielt keine Rolle

Dabei spielt die Grösse einer Kasse keine Rolle. So weist die Visana mit 443300 Kunden einen Verwaltungskostenanteil von nur drei Prozent aus. Die grössten Versicherer arbeiten allesamt weniger effizient.

Gleichzeitig sind aber auch kleinere Kassen nicht per se schlanker aufgestellt. Ausgerechnet die kleinste aller Krankenkassen, die des Walliser Dorfs Zeneggen, mit gerade mal 163 Versicherten wendet jeden sechsten Prämienfranken für die Verwaltung auf.

Eher ineffizient arbeitet zudem ausgerechnet die Discountkasse Assura. Die Billigkassen Sanagate, eine Tochter der CSS Gruppe, und die Compact, eine Tochter der Sanitas Gruppe, setzen jeden zehnten Prämienfranken für die Administration ein.

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Dabei behauptet die Sanagate auf ihrer Website, sie setze «auf einfache, innovative Strukturen» und halte die Kosten tief: «Wir verzichten auf teure Filialnetze.»

Compact sagt, sie biete eine «günstige Krankenversicherung ohne Extras». Der Kunde helfe, die Kosten tief zu halten, indem er die Administration mehrheitlich online abwickle.

Für einzelne Grundversicherer gibt es durchaus Spielraum für Kostensenkungen beim Betrieb. Die Publikation des Anteils der Verwaltungskosten an den Prämien auf dem Prämienrechner des BAG, priminfo.ch, kann dafür ein Anreiz sein.

Für eine Einheitskasse dürfte es schwierig werden, weniger Geld für die Verwaltung auszugeben. Die Kassen verrichten ihre Arbeit heute mehrheitlich günstig. Dies stellen auch die grossen unter Beweis, deren Anteil an den Prämien mehr oder weniger im Bereich der Durchschnittsquote von fünf Prozent liegen.

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