Es sind happige Vorwürfe, die eine besorgte Mutter von zwei Kindern erhebt: Wegen Kinderschändung sei B. S. 1996 zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. S. ist einer der Gründer und Präsident des Basler Elternkomitees, das den Einsatz des Basler Sexkoffers und den Sexualkundeunterricht in Kindergarten und Primarschule bekämpft und auf Bundesebene die Volksinitiative «gegen die Sexualisierung von Kindergarten und Primarschule» initiiert hat. Die Unterschriftensammlung wurde diese Woche lanciert. B. S. ist auch Mitglied des Initiativkomitees. Besser gesagt: Er war dort Mitglied.

Urteil ohne «Schuldeingeständnis»

Denn seit gestern Abend ist sein Name von der Liste im Internet verschwunden. Gegen 22 Uhr bestätigte dann das überparteiliche Komitee hinter der Schutzinitiative mit einer Mitteilung, dass B. S. Mitte der Neunzigerjahre «aufgrund sexueller Kontakte zu einer Minderjährigen» «ohne Schuldeingeständnis» verurteilt wurde. Das Initiativkomitee habe B. S. aufgefordert, alle Aktivitäten, die mit der Volksinitiative in Verbindung stehen, zu unterlassen. «Wir wurden über die Vorwürfe unterrichtet», hatte Dominik Müggler, Mitglied des Initiativkomitees schon zuvor auf Anfrage erklärt. «Wir haben ihm gesagt, er müsse zurücktreten, wenn sich die Vorwürfe erhärten sollten.»

Daraufhin habe B. S. zwar «seine Unschuld beteuert», aber sein Engagement für die Initiative und auch im Elternkomitee zurückgezogen. «Mit der Kampagne an sich hat das aber nichts zu tun, diese wird weitergeführt», hielt Müggler fest.

Die «Sache» steht im Vordergrund

«Wir hätten den Auftakt lieber mit besseren Neuigkeiten bestritten», sagt der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner, Co-Präsident des Initiativkomitees. Den Initianten gehe es aber um die Sache. Und das ist laut Initiativtext, dass die Sexualerziehung Sache der Eltern sei und es vor dem neunten Lebensjahr keinen Sexualunterricht geben dürfe. Denn, so steht es auf der Homepage: «Kinder sollen ihre Kindheit unbeschwert erleben dürfen.»

Ein Fiasko für die Initianten

Es ist ein herber Rückschlag für die Kinderschutz-Initiative, dass nun einer der Mitinitianten mit einem Sexualdelikt in Verbindung gebracht wird. Das ist auch Frehner klar. «Das Schlimmste, was jetzt passieren könnte, ist, dass es heisst, hier sammelten Pädophile.» Auch SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi, ein Mitglied des Initiativkomitees, ist sich der negativen Effekte bewusst: «Es ist natürlich nicht ideal, wenn man mit so etwas auf die Strasse Unterschriften sammeln gehen muss.» Und: «Leider ist man vor solchen Typen nie gefeit, wenn man die Komitee-Mitglieder nicht durchleuchtet.» Ausser einem sofortigen Ausschluss könne man leider nicht viel machen. Doch auch er hält fest: An der Sache an sich ändere sich aber nichts.

Erst einmal alles abgestritten

Konfrontiert mit den Anschuldigungen, hatte B. S. gestern zunächst die Vorwürfe abgestritten. Später war er nicht mehr erreichbar, um zu seinem Rückzug aus dem Initiativkomitee Stellung zunehmen.

Laut der Gerichtsberichterstattung aus der Zeit, in der die Vorwürfe datieren, verurteilte das Baselbieter Strafgericht den Hauptangeklagten zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, weil er sein Opfer zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr unzählige Male im Auto sexuell missbraucht habe. Dem Mädchen habe er als Gegenleistung für den Sex Geld gegeben. Der Mann war zum Zeitpunkt des Prozesses 45 Jahre alt.