Versichertenkarte
Versichertenkarte: «Nicht bei Adam und Eva beginnen»

Bald sollen alle Krankenakten auf einem zentralen Server gespeichert sein. Eine gute Idee finden die meisten, doch an der Umsetzung hapere es: Die Karte mit Zugriff auf das elektronische Patientendossier bringe nichts und koste viel.

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Martin Rupf

Zu Hause am Computer seine Röntgenbilder anschauen oder dem Arzt per Tastendruck Einblick in seine persönliche Krankheitsgeschichte ermöglichen. Geht es nach der
eHealth-Strategie des Bundes, soll dies mit Einführung des elektronischen Patientendossiers bald möglich sein. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die neue Versichertenkarte, die bis Ende April einen Grossteil der Krankenversicherten erhält.

«Fangen nicht von vorne an»

Doch Kritiker der eHealth-Strategie stören sich an dieser Karte. Sie bringe nichts, koste nur viel und sei der beste Beweis, dass der Bund in seiner eHealth-Strategie den falschen Weg eingeschlagen habe. Grundsätzlich stellen Versicherer und Leistungserbringer die Vorteile eines elektronischen Dossiers nicht infrage. Doch der eingeschlagene Weg sei der falsche (Ausgabe vom 15. 2.).

«Die eHealth-Strategie geht davon aus, man müsse bei Adam und Eva beginnen», sagt Reto Egloff, Geschäftsleitungsmitglied der Krankenkasse KPT. Dabei werde vergessen, dass sowohl Leistungserbringer, Versicherer wie auch Versicherte bereits über eine sehr gute Informatik-Infrastruktur verfügen. So auch die KPT, die zusammen mit Microsoft die Gesundheitsplattform VitaClic entwickelt habe. «Anstatt auf grüner Wiese zu beginnen, sollten bestehende Prozesse zwischen den Partnern im Gesundheitswesen vernetzt werden», fordert Egloff.

In die gleiche Richtung geht Heinz Bhend, Leiter der Informatikgruppe der Hausärzte Schweiz: «Mit der Einführung der Versichertenkarte müssen wir unsere Prozesse an diese anpassen.» Es müsste aber genau umgekehrt sein: Neue Lösungen hätten sich an bestehenden Prozessen zu orientieren. «Auf der Versichertenkarte selber sollen keine Daten gespeichert werden.» Vielmehr solle die Karte als Zugangsschlüssel für das elektronische Patientendossier dienen», sagt Bhend.

Hausarzt Bhend gibt weiter zu bedenken, dass heute immer noch 85 Prozent aller Hausärzte ihre Kundendaten auf Papier erfassen. «Die Krankenakten zu digitalisieren, ist sehr aufwändig und teuer.»

Das neue System ist teuer

Dass mit dem elektronischen Dossier Kosten gespart werden könne, glaubt auch Paul Rhyn vom Krankenkassenverband Santésuisse nicht: «Das elektronische Dossier wird sicher für mehr Transparenz und weniger Fehler sorgen.» Aber tiefere Kosten werde das neue System keine zur Folge haben, so Rhyn. «Stimmt», sagt Adrian Schmid, Leiter des Koordinationsorgans Bund - Kantone. Das neue System sei eine Investition. «Eine Investition, die sich weniger in Franken und Rappen auszahlt, sondern in mehr Sicherheit für Patienten sowie in einer besseren Qualität der Gesundheitsversorgung», ist Schmid überzeugt.

Ganz andere Sorgen hat Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patienten-Organisation. «Es muss gewährleistet sein, dass die Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt sind.» Grundsätzlich habe sie nichts gegen das Dossier. Aber: «Es muss freiwillig sein, wir wollen keinen gläsernen Patienten.»