Kontaminiertes Pouletfleisch

Verseuchtes Pouletfleisch in den Regalen Schweizer Grossverteiler

Bei den Schweizer Grossverteilern wurde dekontaminiertes Pouletfleisch entdeckt.

Bei den Schweizer Grossverteilern wurde dekontaminiertes Pouletfleisch entdeckt.

9 von 20 Geflügelprodukte von Schweizer Detailhändlern sind mit antibiotikaresistenten Keimen kontaminiert. Auf dieses Ergebnis kam der «Kassensturz» bei einer Probe. Betroffen sind unter anderem Migros, Coop und Aldi.

Fast die Hälfte aller vom «Kassensturz» getesteten Geflügelprodukte erhielten antibiotikaresistente Keime. Die Truten- und Pouletprodukte, welche von den Grossverteilern Migros, Coop, Lidl, Aldi und Spar stammen, wurden in einem spezialisierten Labor in Deutschland untersucht.

Laborleiter Thomas Fenner sagt der Sendung «Kassensturz»: «Das ist ein Problem, weil wir den Keim beim Verzehr in uns aufnehmen».

Als der Infektiologe Andreas Widmer vom Basler Universitätsspital vom Resultat der Proben hört, zeigt er sich gegenüber dem Schweizer Konsumentenmagazin besorgt: «Wenn das Fleisch derart breit kontaminiert ist, ist es eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit der Bevölkerung Träger dieser Resistenzformen ist und somit Antibiotika für den Menschen wirkungslos wird.»

Grossverteiler wollen Kontrollen verstärken

Coop gibt gegenüber der az zu, dass bei zwei von drei getesteten Produkten die besagten Keime festgestellt wurden.

Gemäss Sprecher Urs Meier liegt die Ursache vor allem in der unkritischen Verabreichung zur Präventation und Behandlung von Krankheiten in der Tierhaltung. «Es ist uns seit vielen Jahren ein grosses Anliegen, mit Antibiotika so restriktiv wie möglich umzugehen, trotzdem sind solche Vorkommnisse nicht komplett auszuschliessen», so Meier.

Er weist darauf hin, dass bei Beachtung der Küchenhygiene und korrektem Durcherhitzen trotzdem keine Gefahr für den Konsumenten herrsche.

Ähnlich klingt es bei der Migros, die drei Produkte mit dem antibiotikaresistenten Keim in ihrem Sortiment hat.

«Die Migros wird sich dafür einsetzen, dass unsere Lieferanten die schon heute angewendete Praxis bei der Zusammenarbeit mit Tierärzten und die Vergabe von nötigen Antibiotika beibehalten. Unsere Lieferanten sind schon seit einiger Zeit an vorbeugenden Massnahmen für eine bessere Tierhaltung,» sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel gegenüber der az.

Auch sie weist darauf hin, dass das Fleisch bei korrekter Verarbeitung für den Konsumenten harmlos sei.

Aldi will Lieferanten öfter überprüfen

Bei Aldi zeigt man sich über das Ergebnis überrascht: «Der Lieferant des kontaminierten Produkts wird mehrmals jährlich geprüft und es ist bisher zu keiner Beanstandung gekommen», so Aldi-Sprecher Sven Bradke.

Trotzdem ist der Discounter gewillt, die Kontrollen weiter zu verbessern: «Wir werden weitere Massnahmen evaluieren, um die Vorsorge und Kontrolle zu verfeinern.».

Ob Lidl und Spar ebenfalls von den Ergebnissen betroffen sind, ist unklar. Beide Discounter waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Lauernde Gefahren

Im heutigen «Kassensturz» wird genauer auf die Auswirkungen einer Antibiotikaresistenz eingegangen. So zeigt das Schweizer Fernsehen das Schicksal einer 71-jährigen Frau, die durch eine harmlose Blasenentzündung in Lebensgefahr geriet.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1