Listerienbefall

Verseuchter Käse fordert zehn Tote – Strafverfahren gegen Schwyzer Käserei

Die Käserei in Steinerberg (SZ) wurde bereits im Mai geschlossen.

Die Käserei in Steinerberg (SZ) wurde bereits im Mai geschlossen.

Gegen den Betriebsleiter einer Schwyzer Käserei wird wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung ermittelt. Solche Listerienbefälle sind selten.

Das Unheil kündigte sich schon im vergangenen Mai an: Damals wurde bekannt, dass bei einer internen Inspektion durch den Bund in Produkten der Schwyzer Käserei Vogel Listerien gefunden wurden. Der Betrieb in Steinerberg informierte seine Abnehmer und forderte diese auf, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Sie alarmierte auch das Laboratorium der Urkantone und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. Ursprünglich gingen die Behörden davon aus, dass sich im Wallis in der Folge vier Spitalpatienten mit diesen Listerien infizierten. Einer davon, der an einer schweren Krebserkrankung litt, starb noch im Mai an den Folgen der Infektionskrankheit. Kurz danach schloss der Steinerberger Betrieb.

Es gilt die Unschuldsvermutung. Doch im Moment scheint alles noch schlimmer zu sein, als am Anfang angenommen. Die Staatsanwaltschaft Innerschwyz hat nämlich ein Strafverfahren gegen den Betriebsleiter der Käserei eröffnet. Gemäss Franziska Steiner, der Leitenden Staatsanwältin, wird wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz untersucht. «Wir haben im Juli vom Labor der Urkantone diese Strafanzeige erhalten», erklärt Steiner die Ausgangslage. Gemäss der Strafanzeige seien seit 2018 mutmasslich 34 Erkrankungen auf denselben Listerienstamm zurückzuführen, wie er im Brie der Steinerberger Käserei nachgewiesen werden konnte. Dies hätten Analysen im Auftrag des Bundes ergeben. Zehn der 34 erkrankten Personen seien gemäss Strafanzeige verstorben.

Opfer über die ganze Schweiz verteilt

Das heisst: Vom Auftreten der ersten Listerienfälle dauerte es beinahe zwei Jahre, bis die Käserei geschlossen wurde. Weshalb? Gemäss Anzeige wurden sowohl 2018 wie auch 2020 mehrere Listerienerkrankungen bekannt, erklärt Staatsanwältin Franziska Steiner: «Dass die Fälle auf den gleichen Listerienstamm zurückzuführen sind, wurde erst dieses Jahr klar.» Wo genau die Todesfälle registriert werden mussten und ob es sich um junge oder alte Personen handelte, wird nicht bekanntgegeben. «Die Todesfälle sind unseres Wissens über die ganze Schweiz verteilt», erklärt Beat Kollöffel, stellvertretender Kantonschemiker im Laboratorium der Urkantone in Brunnen. Genaueres könne er nicht sagen. «Zum einen, weil der Bund zuständig ist, zum anderen aber auch, weil es hier auch um Patientenschutz geht.» Auch im zuständigen Bundesamt in Bern hält man sich bedeckt. «Nein, es gibt Fälle in der ganzen Schweiz», erklärt ein Sprecher auf die Frage, ob es nur im Kanton Wallis zu Todesfällen gekommen sei.

Die Strafanzeige bestätigt jedenfalls Aussagen von Kollöffel, die er bereits im Mai dieses Jahres gegenüber dieser Zeitung machte. «Wir können kaum von einer Strafanzeige absehen. Ein Listerienbefall solchen Ausmasses ist eher selten. Das kann nicht ohne Folgen für den Betrieb sein.»

Aufwendiges Untersuchungsverfahren

Das Strafverfahren ist nun eröffnet. Wie lange es dauert und ob es am Schluss zu einer Anklage kommt, bleibt im Moment offen. «Zusammen mit der Kantonspolizei Schwyz werden nun die Untersuchungen sorgfältig aber schnell geführt», sagt Steiner. Konkret: Neben dem Beschuldigten sollen auch weitere Experten befragt werden.

Das alles wird aber nicht so schnell gehen. Die Staatsanwältin geht jedenfalls nicht davon aus, dass die Untersuchungen noch dieses Jahr abgeschlossen werden können. Steiner: «Das Untersuchungsverfahren wird sehr aufwendig sein und lange dauern.»

Meistgesehen

Artboard 1