Sicherheit

Verschlüsselung: Gibt es überhaupt Schutz vor der NSA?

So wird ein Telefongespräch verschlüsselt: Vortrag der Firma Crypto in Steinhausen ZG am Donnerstag, 19. Februar 2015. Keystone

So wird ein Telefongespräch verschlüsselt: Vortrag der Firma Crypto in Steinhausen ZG am Donnerstag, 19. Februar 2015. Keystone

Die Armee kauft Verschlüsselungsgeräte bei einer mysteriösen Firma, doch es gibt eine Alternative.

Die Armee baut für rund 60 Millionen Franken bis 2020 das «Führungsnetz Schweiz» aus. Dieses soll im Krisenfall die Kommunikation zwischen militärischen und zivilen Führungskräften sicherstellen – ein Projekt von strategischer Bedeutung. Um dieses Netz vor Sabotage oder Abhöraktionen zu schützen, vertraut die Armee auf Verschlüsselungsgeräte der Crypto AG in Zug. Diese Firma stand während Jahrzehnten im Ruch, eng mit dem amerikanischen Geheimdienst NSA zu kooperieren. Wiederholt tauchten in der Presse Vorwürfe auf, die Firma habe in die Geräte eine «Hintertür» eingebaut, die es den Amerikanern erlaube, die Kommunikation zu entziffern. Die Crypto AG bestreitet die Vorwürfe bis heute vehement. «Jeder der eingesetzten Algorithmen ist einzigartig und steht unter der ausschliesslichen Kontrolle des jeweiligen Kunden», teilt die Firma mit.

Auch die Schweizer Armee gibt Entwarnung: «Es kann ausgeschlossen werden, dass hochsensible Daten von Unbefugten mitgelesen werden können.» Bei sensiblen Elementen sorge die Armee dafür, dass Sicherungssysteme unabhängig von den Herstellern programmiert und aktiviert werden könnten. So werde sichergestellt, dass die privaten Firmen oder andere externe Stellen keinen Zugriff auf Systeme und Daten erhalten.

Eine reine Erfindung?

Alles im grünen Bereich also? Die NSA nicht in der Lage, die Schweizer Krisenkommunikation zu kontrollieren? Unabhängige Experten sind vorsichtig. «Ein solches Sicherungssystem würde ich gerne einmal sehen», sagt ein Kryptologe. Er halte dies für eine «reine Erfindung». Er ist überzeugt: «In solche Verschlüsselungsgeräte lässt sich nichts einbauen, weil es dort in der Regel schlicht weder mechanisch noch elektronisch Platz dafür habe. Ein anderer Experte sagt: «Könnte die Armee die Geräte selber programmieren, dann müsste sie diese nicht von der Crypto AG einkaufen.» Er glaube schlicht nicht, dass die Schweizer Spezialisten die Software durchschauen könnten.

Die Frage ist: Hat die Schweiz überhaupt eine Alternative zur besagten Firma Crypto AG? Die Armee will diese Frage nicht beantworten. Das Beschaffungsverfahren ist geheim. Über Auswahlkriterien, Anforderungen, Menge und Preis wird geschwiegen. Armasuisse, das Bundesamt für Rüstung, sagt lediglich: «Beschaffungen im Crypto-Bereich sind von einer öffentlichen Ausschreibung ausgenommen.» Bei solchen Beschaffungen werde das Einladungsverfahren angewendet. Das bedeutet: Armasuisse lädt mindestens drei Anbieter ein, Offerten einzureichen. Dann wird ausgewählt.

Insider vermuten, dass nebst der Crypto AG auch die Omnisec in Dällikon (ZH) ein Angebot eingereicht hat. Das ist die zweite renommierte Schweizer Firma, die hochsensible Chiffriergeräte für Militär und Geheimdienste produziert. Laut Recherchen der «Wochenzeitung» wurde die Mehrheit ihres Aktienkapitals von 20 Millionen Franken «mindestens bis ins Jahr 2000» von den USA aus kontrolliert. Heute ist der Schweizer Hans-Jörg Bärtschi Besitzer der Firma. Der dritte Anbieter ist unbekannt.

Indes: Es gibt eine Alternative: Die Spezialisten der Sektion Kryptologie des Verteidigungsdepartements entwickeln zusammen mit der Abteilung für Informations- und Objektsicherheit (IOS) seit 20 Jahren Versionen einer Software für die «integrale Sicherheit» von Computern. Damit können allerdings nur einzelne PCs oder E-Mails verschlüsselt werden, nicht ganze Datenströme. Experten halten es dennoch für möglich, dass die Eidgenossenschaft eine von ihr kontrollierte Firma mit der Entwicklung von Verschlüsselungsgeräten beauftragen würde. Das wäre die einzige Variante, um ein Datentransfer zur NSA sicher auszuschliessen.

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