«Verreckte Cheib!» Mit diesem Spruch ist Martin Horat weltberühmt geworden. Der Werbespot von Schweiz Tourismus, in dem der 67-jährige Muotathaler Wetterprophet von einem Ameisenhaufen aus einen schneereichen Winter vorhersagt, ging um die Welt. Er lief im Schweizer, deutschen, niederländischen, französischen, italienischen und britischen Fernsehen. Knapp 170000-mal wurde der Film, bei dem Oscar-Preisträger Xavier Koller Regie führte, auf der Internetplattform Youtube angeklickt – ein sensationeller Erfolg für den Schweizer Tourismus.

Der Wetterprophet Martin Horat und die Ameisen

Der Wetterprophet Martin Horat und die Ameisen

Störung der Ameisen befürchtet

Doch damit ist vorläufig Schluss. Auf Intervention des Bundesamts für Umwelt (Bafu) hat Schweiz Tourismus den Spot vom Netz genommen, wie Marketingleiterin Nicole Diermeier bestätigt. Grund dafür war die Beschwerde einer besorgten Tierschützerin. Diese hatte sich daran gestört, dass Horat auf den unter Naturschutz stehenden Roten Waldameisen sass.

Das stimmt jedoch nicht, wie Diermeier sagt: «Es handelt sich bei dem Ameisenhaufen um Schwarze Ameisen.» Daher bestehe seitens Schweiz Tourismus kein Vergehen gegen den Tierschutz. Dies sei bereits im Vorfeld sorgfältig mit verschiedenen Stellen abgeklärt worden. «Selbstverständlich hätten wir keinen Drehort gewählt, der geschützte Tiere oder die Natur im Allgemeinen gefährden würde», beteuert sie.

Bewilligungen eingeholt

Für den Dreh und die Benutzung des Ameisenhaufens seien Bewilligungen vom Förster und vom Waldbesitzer eingeholt worden. Der besagte Ameisenhaufen sei einer von jenen, mit welchem Horat bereits lange vor dem Spot seine Prognosen gestellt habe. «Wir haben Martin Horat nichts aufgezwungen», so Diermeier. «Er zeigte seine authentischen Methoden zur Wettervorhersage.»

Förster kritisiert den Film

Hanspeter Nussbaumer, Revierförster im Kanton Zug, bestätigt, dass er Schweiz Tourismus eine Drehbewilligung in seinem Revier ausgestellt hat. «Was genau sie drehen wollten, war mir nicht bekannt.» Seines Wissens wurde der Spot an verschiedenen Orten gedreht. «Wo sich dieser Ameisenhaufen befindet, weiss ich nicht.» Nussbaumer hat nicht nur Freude am Film. «Jedem Kind bringt man bei, dass es Ameisen nicht stören soll», sagt er. Dass sich Horat nun im Fernsehen in den Haufe setze, finde er «schon speziell».

Kein Vorbild für Zuschauer

Das Bafu bestätigt, dass er Schweiz Tourismus angehalten habe, den Spot vom Netz zu nehmen. «Ameisenhaufen sind schützenswert und das Bafu findet, dass der Spot nicht gerade ein Vorbild dafür ist, wie man mit ihnen umgeht», sagt Sprecherin Elisabeth Maret. Die Zuschauer könnten sich animiert fühlen, sich ebenfalls einmal in einen Ameisenhaufen zu setzen. Die Frage, ob es sich in dem Spot um eine geschützte Art handelt, ist für das Bafu zweitrangig. «Die Leute wissen nicht, ob es sich um eine geschützte Art handelt oder nicht.» Schweiz Tourismus will jetzt das Gespräch mit dem Bafu suchen, um das Missverständnis aus der Welt zu räumen. Man wolle den Spot auch in Zukunft gern weiterverwenden.