Eine Stadt, im Protest so vereint wie sonst nur bei Meisterfeiern ihres erfolgreichen Fussballklubs: Als die Post im vergangenen November ankündigte, die Filiale «Basel 1» an bester Innenstadtlage per Ende 2018 schliessen zu wollen, gingen Bürger auf die Strasse, und der kantonale Wirtschaftsminister sprach höchstpersönlich in Bern vor. Zwar wird fast überall, wo Poststellen verschwinden sollen, lautstark protestiert. Nirgends aber war das Unverständnis grösser als in Basel, wo die Hauptpost seit 164 Jahren in einem imposanten Sandsteinbau residiert. Entsprechend erleichtert reagierte der zuständige SP-Regierungsrat Christoph Brutschin, als die Post kürzlich bekannt gab, «Basel 1» im Unterschied zu drei anderen städtischen Poststellen vorerst zu verschonen.

«Es fliesst kein gelbes Blut»

Nun aber warnt die Gewerkschaft Syndicom gegenüber der «Nordwestschweiz» vor einem weiteren, versteckten Service-public-Abbau. Seit die Konzernspitze Anfang 2016 für jede Poststelle Produktivitätsziele eingeführt habe, entschieden sich immer mehr Filialleiter für einen Stellenabbau, sagt Zentralsekretär Roland Lamprecht. «So können sie die Produktivität kurzfristig steigern: Weniger Angestellte sollen die gleiche Leistung bringen.» In Genf seien 15 Postangestellte zu Pensenreduktionen gezwungen worden, in Freiburg und Basel je sechs – vier in der Hauptpost und zwei in der ohnehin dem Tod geweihten Filiale in Kleinhüningen. Der Druck, Angestellte zu Pensenreduktionen anzuhalten, werde von den Regionenleitern an die Poststellenleiter weitergegeben, sagt Lamprecht. «Ihr Interesse ist handfest: Ihr Bonus zum Jahresende hängt direkt davon ab, ob die Filialen in ihren Gebieten ihre Produktivitätsziele erreicht haben.»

Auch die Kunden würden die Pensenreduktionen spüren, ist der Gewerkschafter überzeugt: Zum einen müssten sie länger anstehen, wenn weniger Angestellte vor Ort seien; zum anderen dürfte es sich negativ auswirken, wenn die Motivation der Mitarbeiter leide. Lamprechts Fazit: «Wenn sich die Post mit ihren Kahlschlägen nicht endlich zurückhält, riskiert sie, dass bei ihren Angestellten bald kein gelbes Blut mehr fliesst.»

Die Pensenreduktionen stünden im Zusammenhang mit dem Mengenrückgang in den Poststellen, sagt Postsprecherin Jacqueline Bühlmann. «Im Vergleich zum Jahr 2000 werden heute über 65 Prozent weniger Briefe, über 46 Prozent weniger Pakete und rund 40 Prozent weniger Einzahlungen am Postschalter abgegeben oder getätigt.» Die Post reagiere, indem beispielsweise zu gewissen Zeiten nur vier statt fünf Schalter geöffnet würden. «Natürlich benötigen wir dann auch weniger Personal.» In einigen Fällen müssten die Beschäftigungsgrade angepasst werden, es könne aber auch vorkommen, dass eine Stelle ganz wegfällt. «Dann greift unser sehr gut ausgebauter Sozialplan.» Zu den Boni
sagt die Postsprecherin: «Gemessen am Gesamtlohn sind die Auswirkungen der Produktivitätsentwicklungen sehr klein – wer bei uns ‹Produktivität bolzt›, erhält keinen höheren Bonus.»

Regierungsrat Brutschin ist über die Pensenreduktion nicht überrascht: «Mit dem Fortbestand der Hauptpost wurde eine Reduktion der Öffnungszeiten von heute 07.30 auf 09.00 Uhr angekündigt», sagt er. «Dass damit Pensenreduktionen verbunden sind, hatte uns die Post mitgeteilt.»