Entführt?
Vermisste junge Frau meldet sich mit verurteiltem Vergewaltiger aus Serbien

Die Schweiz wartet noch immer auf die Auslieferung von Fabrice A. und schon wieder gibt es beunruhigende Nachrichten aus Genf. Nach einem Treffen mit einem verurteilten Vergewaltiger fehlte von einer jungen Serbin zunächst jede Spur.

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Die Haftanstalt in Gorgier (NE), in welcher der Serbe seine Haftstrafe wegen Vergewaltigung verbüsst hat.

Die Haftanstalt in Gorgier (NE), in welcher der Serbe seine Haftstrafe wegen Vergewaltigung verbüsst hat.

Keystone

Noch trauert Genf um die letzte Woche ermordete 34-jährige Sozialtherapeutin und bereits versetzen Schlagzeilen um eine zunächst verschwunden junge Frau die Westschweiz erneut in Sorge. Von der jungen Serbin aus Annemasse (F) fehlte seit vergangenem Donnerstag jede Spur. Wie «20 minutes» berichtete, soll sie am Tag ihres Verschwindens einen verurteilten Landsmann und Vergewaltiger getroffen haben, der seine Haftstrafe in der Neuenburger Haftanstalt Gorgier verbüsst hatte.

Die Beiden sollen sich nach der Entlassung des Mannes in Gorgier nach Genf begeben haben. Die Vermieter der jungen Frau, ebenfalls Serben, schlugen am Samstag in Annemasse Alarm, als ihre Mieterin nicht vom Treffen im nahen Genf zurückgekehrt war.

Lebenszeichen aus Serbien

Gemäss der Online-Plattform «Newsnet» soll sich der Serbe in der Zwischenzeit beim Amt für Strafvollzug im Kanton Freiburg telefonisch aus Serbien gemeldet haben. Amtsleiter Thomas Freytag gab zu Protokoll, auch mit der jungen Frau gesprochen zu haben. Sie habe betont, dass es sich um eine Liebesbeziehung handle. Sie sei nicht entführt worden. Die Beiden haben sich offenbar über eine Onlinedating-Plattform kennengelernt.

Er habe die Frau gebeten, sich bei Angehörigen und Bekannten in Frankreich zu melden, die bei der Polizei Alarm geschlagen haben, so Freytag.

Genfer Polizei ermittelt weiter

Die französische Kriminalpolizei hatte ihre Ermittlungen diese Woche aufgenommen. Ein Beamter äusserte sich gegenüber «20 minutes» besorgt, da es sich beim entlassenen Straftäter um einen verurteilten Vergewaltiger handelt. Weil die Spuren aber in die Schweiz führten, hat die französische Polizei die Ermittlungen an die Genfer Behörden übergeben, die ihrerseits eine Untersuchung eröffnet hat.

Trotz des entwarnenden Telefons aus Serbien – die Genfer Behörden ermitteln weiter. Wie der Genfer Staatsanwalt Niki Casonato auf Anfrage von «Newsnet» sagte, könne er weder bestätigen, dass der Mann in Serbien sei, noch ausschliessen, dass es sich um eine Entführung handle. (dfu)

Universitätsspitäler verteidigen sich

Im Zusammenhang mit dem Fall Adeline betonten die Genfer Universitätsspitäler (HUG), dass die Verfahrenswege hinsichtlich des begleiteten Freigangs des Gefängnisinsassen eingehalten wurden. Zum verurteilten Vergewaltiger, der die Sozialtherapeutin letzten Donnerstag auf dem Freigang getötet haben soll, wurde 2011 eine detaillierte psychiatrische Expertise erstellt, wie die HUG mitteilten.

Die Universitätsspitäler reagierten damit auf Vorwürfe der Zeitung «Tribune de Genève», wonach der Häftling ungenügend psychiatrisch beurteilt worden sei.

Laut HUG wurde der Insasse nach seiner Ankunft im Zentrum «La Pâquerette» im April 2012 halbmonatlich vom psychiatrischen Dienst für den Strafvollzug der HUG besucht.

Der ausführliche Bericht dieses Dienstes sei dem Amt für Straf- und Massnahmenvollzug (SAPEM) zur Beurteilung vorgelegt worden, auch hinsichtlich einer Bewilligung des Prinzips eines begleiteten Freigangs. Die HUG wollen nun die von der Genfer Regierung in Auftrag gegebene Administrativuntersuchung abwarten.

Das Zentrum «La Pâquerette» wurde 1986 errichtet und befindet sich in der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon. Das Zentrum ist seit 1999 den Genfer Universitätsspitälern (HUG) angegliedert und soll die Insassen darauf vorbereiten, wieder in der Gesellschaft zu leben. (sda)

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